Pop-Up-Bikelane Hallerstraße
  • Die Pop-Up-Bikelane in der Hallerstraße.
  • Foto: Florian Quandt

Provisorische Radwege bleiben – ADAC warnt vor Verdrängung der Autos

Im Schnellverfahren hat die Hamburger Verkehrsbehörde zu Corona-Zeiten vier provisorische Radwege eingerichtet. Die ersten beiden „Pop-up Bikelanes“ werden jetzt endgültig ausgestaltet. Doch was passiert, wenn das normale Leben zurückkehrt und mehr Menschen wieder Autofahren? Hamburger lieben ihre Autos: Auch im vergangenen Jahr ist die Zahl der angemeldeten Fahrzeuge gestiegen – trotz aller Parkplatznot.

Weil mit Beginn der Corona-Pandemie mehr Menschen aufs Rad umgestiegen sind, hat Hamburg vier provisorische Radwege mit einer Länge von insgesamt 3,7 Kilometern eingerichtet. Nach einem Jahr Probelauf sollen zumindest zwei der Strecken – an den vielbefahrenen Straßen Max-Brauer-Allee und Beim Schlump – jetzt zu ordentlichen Radwegen ausgebaut werden.

Gleichzeitig kaufen die Hamburger trotz extremer Parkplatznot immer mehr Autos: Nach Senatsangaben stieg die Zahl der angemeldeten Fahrzeuge im vergangenen Jahr um gut ein Prozent. Am 31. Dezember 2020 waren 799.434 Pkw zugelassen, am 1. Januar 2022 genau 807.618.

ADAC warnt vor Staus wegen mehr Radwegen

Für die beiden anderen sogenannten Pop-up Bikelanes an der Hallerstraße und in der HafenCity laufe noch die Auswertung, sagte der Sprecher der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, Dennis Heinert.


MOPO Der Newswecker der MOPO
Der Newswecker der MOPO

Starten Sie bestens informiert in Ihren Tag: Der MOPO-Newswecker liefert Ihnen jeden Morgen um 7 Uhr die wichtigsten Meldungen des Tages aus Hamburg und dem Norden, vom HSV und dem FC St. Pauli direkt per Mail. Hier klicken und kostenlos abonnieren.


Der ADAC beurteilt die neuen Radwege grundsätzlich positiv: „Generell haben wir damit keine Probleme“, sagte der Sprecher des Regionalclubs Hansa, Christof Tietgen. Er warnte jedoch vor einer Verdrängung des Autoverkehrs. Es müsse ein Nebeneinander von Auto- und Radfahrern geben. Die Pop-up-Radwege seien auf der Grundlage des geringeren Verkehrsaufkommens in der Pandemie eingerichtet worden. Auch jetzt seien noch weniger Autos unterwegs. „Was passiert, wenn wir wieder so viel Verkehr wie vor Corona haben?“, fragte der ADAC-Sprecher. „Die Autos sind nicht weg.“

Patrick Sun Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und Kirsten Pfaue, Verkehrswende-Koordinatorin des Senatos auf der Pop-Bup-Bikelane am Schlump.
Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und Kirsten Pfaue, Vekrehrswende-Koordinatorin des Senatos auf der Pop-Bup-Bikelane am Schlump.
Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und Kirsten Pfaue, Verkehrswende-Koordinatorin des Senators auf der Pop-Bup-Bikelane am Schlump.

Insgesamt wurde es durch Lockdowns und Homeoffice ruhiger auf Hamburgs Straßen: Sowohl das Verkehrsaufkommen an Autos als auch das an Radfahrern verringerten sich im Jahr 2021 um jeweils acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie die Verkehrsbehörde mitteilt. Der Blick auf die Vor-Corona-Zeit zeigt allerdings: Im Vergleich zu 2019 hat der Radverkehr um 23 Prozent zugenommen, während der Autoverkehr um 19 Prozent gesunken ist. „Das Ausmaß dieser Veränderungen ist zweifellos der Pandemie geschuldet“, erklärte Senator Anjes Tjarks (Grüne).

Grüne setzen auf Radverkehr in Hamburg

Der rot-grüne Senat will den „motorisierten Individualverkehr“ zurückdrängen. Im vergangenen Jahr wurden in Hamburg nach Angaben von Tjarks 56 Kilometer Radweg neu gebaut oder saniert. Im Jahr davor waren es 62 Kilometer, in den Jahren 2015 bis 2019 durchschnittlich 35,4 Kilometer. Die beiden ersten Pop-up Bikelanes waren im Herbst 2020 eröffnet worden.

Das könnte Sie auch interessieren: Hamburg richtet Fahrradstraße vor Luxushotel ein

Neben den neuen Fahrradstraßen an der Außenalster gehört die Verkehrsberuhigung am Jungfernstieg zu den Vorzeigeprojekten der Mobilitätswende. Seit Oktober 2020 ist die Straße an der Binnenalster für Autofahrer gesperrt. Auch dieser Umbau erfolgte zunächst provisorisch. Die endgültige Umgestaltung soll nach Abschluss der laufenden Anhörungen bis Ende nächsten Jahres kommen. (dpa/ste)

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp