Die „One Love“-Kapitänsbinde
  • Die „One Love“-Kapitänsbinde sorgt für viel Zoff vor WM-Start.
  • Foto: imago/Sportfoto Rudel

Zoff um Kapitänsbinde: FIFA schafft Konkurrenz zu „One Love“

Die Diskussionen um Botschaften auf den Kapitänsbinden bei der Fußball-WM in Katar erhalten kurz vor dem Turnierbeginn neue Nahrung. Die FIFA startet eigene Kampagnen.

Manuel Neuer betonte einmal mehr die „Power“ der „One-Love-Binde“, und auch Simon Kjaer und Harry Kane zeigten sich weiter wild entschlossen, ein Zeichen in die Welt zu senden. Der plötzliche Vorstoß der FIFA brachte die Kapitäne der deutschen, dänischen und englischen Nationalmannschaften nicht ins Wanken. „Ich finde gut, dass wir zusammen ein Statement setzen können“, sagte Neuer: „Wir werden versuchen, das durchzusetzen und zu vertreten.“

Alternativ zu „One Love“: FIFA startet eigene Kampagne

Zuvor hatte der Fußball-Weltverband in der langen Diskussion um Botschaften auf den Spielführer-Binden angekündigt, eigene Kampagnen zu starten. Eine nicht absehbare Entwicklung einen Tag vor dem Beginn der Weltmeisterschaften, die wohl nicht zufällig in Konkurrenz zur Aktion von Neuer und Co. steht.

„Natürlich ist die Kurzfristigkeit überraschend, es wirkt, als ob die FIFA keine klare Haltung hat“, sagte DFB-Geschäftsführer Bierhoff, dessen Verband zuvor die „One Love-Binde“ mitinitiiert hatte: „Wir haben unsere klare Haltung klar begründet, auch durch unseren Präsidenten. Wir schauen, was kommt und werden uns mit den anderen Nationen abstimmen, weil es wichtig ist, dass es die Stimme mehrerer Nationen ist, nicht nur von einer.“


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Erneut – wie beim Bierausschank – traf der Weltverband kurz vor dem ersten Anstoß eine Entscheidung in einem Themengebiet, das zuvor für lange Diskussionen gesorgt hatte. Und in dem Gastgeber Katar eine andere Auffassung vertritt als die westlichen Teilnehmerländer, die mit dem vielfarbigen Stück Stoff mit einem Herz für Vielfalt, Offenheit und Toleranz einstehen wollen. Die eine verbesserte Situation der Arbeitsmigranten einfordern, sich für Frauenrechte, Meinungsfreiheit und die LGBTQ-Community einsetzen.

DFB würde Geldstrafe für Kapitänsbinde in Kauf nehmen

In den vergangenen Tagen war die Diskussion hochgekocht. Der französische Kapitän Hugo Lloris verkündete, auf „One Love“ zu verzichten und hatte in Staatspräsident Emanuel Macron einen prominenter Fürsprecher. „Ich glaube, wir sollten den Sport nicht politisieren“, sagte Macron. DFB-Präsident Bernd Neuendorf betonte, durchaus eine Geldstrafe für die Aktion in Kauf zu nehmen: „Das ist keine politische Äußerung, sondern ein Statement für die Menschenrechte.“

Auch die Niederlande, Belgien, die Schweiz und Wales hatten im Vorfeld des Turniers angekündigt, dabei zu sein. Die USA fanden noch einen anderen Weg, ihre Auffassung von Gleichberechtigung zu vertreten. Das Logo des Verbands ist in den Medienbereichen ihres Basiscamps im Al-Gharafa-Stadion statt in blau-rot unübersehbar in Regenbogen-Farben gehalten und wird entsprechend im Hintergrund bei TV-Interviews und auf Fotos erscheinen.

In dem Bereich haben die Teilnehmerländer Gestaltungsspielraum, bei den Kapitänsbinden könnte die FIFA aktiv werden. Ob den Teams mit „One-Love-Binde“ Strafen drohen, klärte Präsident Gianni Infantino am Samstag nicht auf. Er sagte lediglich, es gebe „klare Vorgaben vonseiten der FIFA. Wir haben verschiedenen Kampagnen zu verschiedenen Themen. Wir müssen Themen finden, mit denen sich jeder einverstanden zeigt. Das ist für uns ein wichtiges Element.“

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Die FIFA stellte den ersten Spieltag der WM in Kooperation mit Organisationen der Vereinten Nationen unter das Motto #FootballUnitesTheWorld, weitere Kampagnen folgen, die jeweils auch per Kapitänsbinde verbreitet werden können. Doch nicht allen Teams werden diese Botschaften ausreichen. (nis/sid)

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