Brasilianische Spieler feiern ein Tor bei der WM
Brasilianische Spieler feiern ein Tor bei der WM
  • Bei einem brasilianischen Tor – wie hier bei Casemiros Siegtreffer gegen die Schweiz (1:0) – hören Zuschauer in der Heimat den charakteristischen „Goooool“-Schrei ihrer Reporter.
  • Foto: IMAGO / Fotoarena

„Gooooooool!“ Das steckt wirklich hinter dem Kult-Torschrei aus Brasilien

„Gooooooooool!“ Wer jemals eine TV- oder Radio-Übertragung eines Fußballspiels in Südamerika verfolgt hat, kennt den ikonischen Torschrei mit dem ungewöhnlich langgezogenen „O“. Auch bei dieser WM ist der Schrei mit dem hohen Wiedererkennungswert wieder in den brasilianischen Medien zu hören. Der Kommentar aus Brasilien beim 1:0-Siegtor von Casemiro in der 83. Minute gegen die Schweiz brachte es am Montag aber „nur“ auf 13 Sekunden – und war damit vergleichsweise kurz. Tatsächlich hatte der Schrei historisch aber gar nichts mit südamerikanischen Emotionen zu tun, sondern schlicht einen ganz praktischen Grund.

In den Anfängen des Rundfunks zwischen den beiden Weltkriegen waren die klassischen Stadien in Südamerika noch keineswegs medientauglich. Der neue Beruf des Kommentators hatte zunächst große Hürden zu überwinden – zum Beispiel, dass Kommentatoren im Stadion oft sehr weit weg vom Spielfeld saßen. Ohne Monitore, Zeitlupen und Wiederholungen war es damals alles andere als leicht, in Sekundenschnelle das Geschehen auf dem weit entefrnten Platz zu erfassen.

„Goooool“-Torschrei verschafft Reportern in Brasilien Zeit

Fiel ein Tor, so ist es in spanischsprachigen Medien überliefert, verschafften sich die Kommentatoren mit einem möglichst langen „Goooool“-Schrei also die nötige Zeit, um herauszufinden, wer eigentlich gerade den Treffer erzielt hatte. Die Faustregel: Je länger man das „o“ halten konnte, desto mehr Zeit hatte man, den Torschützen zu ermitteln.


MOPO

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Heute ist das mit allen technischen Hilfsmitteln zwar nicht mehr notwendig, mit der Zeit hat sich der charakteristische Torschrei aber zum Markenzeichen südamerikanischer Reporter entwickelt. Die „World Record Academy“ führt sogar zwei offizielle Weltrekorde im „Goooool“-Schreien: Ilie Dobre hält sowohl den Weltrekord für die „längste Übertragung eines Torschreis ohne Zwischenatmung“ (52 Sekunden) als auch für die „längste Übertragung eines Torschreis mit einer Zwischenatmung“ (68 Sekunden). Kurios allerdings: Er stammt nicht aus Südamerika, sondern aus Rumänien.

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Der erste dokumentierte Torschrei aber stammt tatsächlich aus Südamerika – und er ist genau 100 Jahre alt. Laut FIFA-Angaben war das Copa-América-Spiel zwischen Uruguay und Brasilien am 1. Oktober 1922 die erste Live-Übertragung eines Sportereignisses der Welt – ärgerlich nur: Es endete 0:0. Der Torschrei musste also erst mal auf seine Premiere warten, die es dann mutmaßlich erst sieben Tage später bei der zweiten Live-Übertragung eines Fußballspiels (Uruguay schlug Argentinien mit 1:0) gegeben haben dürfte.

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