• Die Polizei hatte vor der Kanzlei der Djokobic-Anwälte allerhand zu tun.
  • Foto: picture alliance/dpa/AP | Mark Baker

Australian Open: Polizeieinsatz rund um Djokovic – Tennis-Star bricht sein Schweigen

Seit vielen Jahren werden die Bosse der Australian Open nicht müde, ihr Turnierspektakel als „Happy Slam“ zu vermarkten. Als Gute-Laune-Veranstaltung mit sommerlich-entspanntem Flair, mit erwartungsfrohen Fans aus aller Welt und sportlich elektrisierender Hochspannung. Was dem ersten Major-Turnier der Saison nun aber ab dem kommenden Montag blühen könnte, darauf bekam nicht nur die Tenniswelt am Montagabend in Melbourne einen unwillkommenen Vorgeschmack.

Denn kaum hatte sich die Nachricht von Novak Djokovics juristischem Sieg gegen das australische Innenministerium um die verweigerte Einreise verbreitet, rückten ganze Heerscharen von Djokovic-Fans in Richtung der Anwaltskanzlei vor, in der sich der neunmalige Australian Open-Gewinner während der Verhandlung befunden hatte.

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Die Stimmung war aufgeheizt, Gerüchte über eine neuerliche Arrestierung Djokovics wurden lanciert. Und als dann eine Limousine die Tiefgarage des Gebäudes in der Collins Street verließ, vermeintlich mit dem wieder festgesetzten Champion, kam es zu wilden Scharmüzeln und Tumulten der meist serbischen Protestierer mit der Polizei.

Auch Pfefferspray wurde gegen die aggressiven Demonstranten eingesetzt, einer der Randalierer trampelte sogar auf dem Dach der Luxuslimousine herum. Was, so fragten sich Beobachter, würde erst bei den Auftritten Djokovics im National Tennis Center am Yarra River passieren?

Novak Djokovic trägt Sieg davon

Am Ende des fünften chaotischen Tages in der Einreise-Affäre gab es jedenfalls nur auf den ersten Blick einen Gewinner, Djokovic nämlich, der zunächst ein freier Mann war, dessen Widerspruch gegen das Einreiseverbot schliesslich von Richter Anthony Kelly stattgegeben wurde.

Der Richter wurde in der zähen Verhandlung einmal mit den Worten zitiert, was dieser Mann, also Djokovic, „noch alles hätte tun sollen“ um ins Land zu kommen, aber diese Anmerkung war tatsächlich ohne Relevanz. Denn es ging vorderhand nicht um die Legitimation des Visums, um Djokovics Impfstatus oder sein Verhalten nach seiner nunmehr zweiten überstandenen Virusinfektion, sondern um einen Verfahrensfehler der „Australian Border Force“ – die Grenzschützer hatten dem 34-jährigen Superstar in jener denkwürdigen Nacht am Tullamarina Airport nämlich nicht genügend Zeit gegeben, sich mit Anwälten zu beraten und schon da Einsprüche vorzubereiten. 


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In den Gerichtsunterlagen war fein säuberlich dokumentiert, dass Djokovic zunächst am Einreiseschalter protestierte, dass ihm um 4 Uhr morgens nur eine 20-minütige Frist zugestanden wurde, seinen Einreisewunsch mit den nötigen Dokumenten zu belegen. Später wurde ihm dann zugesagt, er habe bis um 8.30 Uhr Zeit. Doch um genau 6.14 Uhr wurde er dann jäh ein weiteres Mal befragt, mit dem Effekt, dass ihm am Donnerstagmorgen um genau 7.42 Uhr eröffnet wurde, es werde kein Visa zugeteilt. Er habe sich stattdessen in ein Abschiebehotel zu begeben. 

Australische Regierung könnte noch einschreiten

Die große Frage, ob die Entscheidung des „Federal Circuit and Family Court of Australia“ nun wirklich ein nachhaltiger Triumph des Belgrader Ausnahmespielers war oder bloß ein trügerischer Etappensieg, blieb freilich offen und wird sich womöglich schon am Dienstag entscheiden.

Denn schon während der Verhandlung hatte die australische Regierung erklärt, sie behalte sich das Recht vor, mit Exekutivgewalt Djokovic doch das Visum aufs Neue zu entziehen. Spekulationen, ein solcher Entzug könne sich sofort ereignen, direkt nach der Gerichtsverhandlung vor dem Ehrenwerten Anthony Kelly, bewahrheiteten sich indes nicht – der zuständige Minister Alex Hawke ließ einen Sprecher erklären, die Angelegenheit werde auf Basis der richterlichen Anordnung geprüft.

Djokovic-Familie bricht Pressekonferenz ab

Für Djokovic legte die Verhandlung auch verräterische und gefährliche Wahrheiten offen. Denn obwohl sich der Weltranglistenerste am 16. Dezember in Belgrad um 13.05 Uhr einem PCR-Test unterzog und schon um 20:19 Uhr einen positiven Bescheid erhielt, nahm er am 17. Dezember an mehreren öffentlichen Terminen teil – anstatt sich in die notwendige Isolation zu begeben. Besonders fatal und verantwortungslos muteten die Bilder Djokovics mit erfolgreichen Tenniskids an, die in seinem eigenen Trainingscenter an diesem 17. Dezember aufgenommen wurden.

Dass er akut infiziert war, darüber ließ Djokovic auch eine Delegation des französischen Fachblattes „L´Equipe“ im unklaren, die für eine Preisverleihung und ein Fotoshooting am 18. Dezember in die serbische Hauptstadt gekommen war. Zunächst blieb offen, ob sich Djokovic wegen dieser Fehltritte womöglich noch bei den internationalen Tennis-Autoritäten rechtfertigen musste. Bei einer gewohnt schrillen Pressekonferenz der Djokovic-Familie am Montag wurde das Frage-und-Antwort-Spiel genau in jenem Moment hastig abgebrochen, als die Rede auf die Ungereimtheiten rund um den Positivtest kam.

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Während sich in Djokovics Heimat die Boulevardblätter in Jubelgesängen überschlugen – der „Blic“ etwa notierte: „Novak gewinnt, der Staat kniete nieder“ -, wirkten die Perspektiven für die anstehenden Australian Open eher düster. Schon in der Vergangenheit hatte es immer mal wieder Ärger mit den erhitzten Fanbataillonen Djokovics gegeben, nun drohten in aufgeladener Atmosphäre Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und einheimischen Fans, die Auftritten des Impfverweigerers eher ablehnend gegenüberstanden. Aus Kreisen von Tennis Australia war zu hören, dass die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verstärkt werden müssten, um auch eventuellen Störaktionen rasch begegnen zu können. Zahlreiche Australier hatten bereits in sozialen Medien avisiert, sie würden im Falle eines Mitwirkens von Djokovic ihre bereits gekauften Tickets zurückgeben.

Einige der üblichen Unterstützer Djokovics in Profikreisen, darunter der rechtslastige Amerikaner John Isner, meldeten sich öffentlich zu Wort und erklärten, der Seriensieger solle es seinen Kritkern und dem australischen Staat jetzt „mal so richtig zu zeigen:“ „Einfach gewinnen und dann nie wieder kommen“, gab Isner zu Protokoll. Die große Mehrheit der Tenniskarawane blickte allerdings ärgerlich den Wettkämpfen entgegen, die massiv vom Fall Djokovic zu überschattet werden drohten. Schon in der vergangenen Woche war vom laufenden Tennisgeschehen auf dem Fünften Kontinent kaum Notiz genommen worden, nicht einmal vom Coembacksieg des in den Tenniszirkus zurückgekehrten Rafael Nadal bei einem Vorbereitungsturnier. Der spanische Grande hatte in der Öffentlichkeit nur Gehör gefunden, als er zur Causa Djokovic mitteilte, alles für den Konkurrenten aus Belgrad wäre sehr einfach gewesen, „wenn er geimpft gewesen wäre.

Das Schlussbild des Tages lieferte Djokovic dann noch selbst. Er posierte spätabends auf einem Foto in seinem Tennisparadies, in der Rod Laver-Arena, der Stätte von neun Grand Slam-Siegen bisher – und bracht damit sein Schweigen zu dem Fall. Eilends hatte er sich am Montag nach den gerichtlichen Auseinandersetzungen dorthin begeben, die Australian Open-Akkreditierung abgeholt und sein Team zum Training getroffen.

„Ich bin froh und dankbar, dass der Richter die Visastreichung aufgehoben hat“, schrieb Djokovic, „ich werde hier in Australien bleiben und das Turnier bestreiten.“ Es war alles in allem eine unverhüllte Ansage, eine demonstrative Pose, ganz nach dem Motto: Ich bin gekommen, um zu bleiben.

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