Dinigeer Yilamujiang und Zhao Jiawen (v.l.) entzündeten das olympische Feuer in Peking.
  • Dinigeer Yilamujiang und Zhao Jiawen (v.l.) entzündeten das olympische Feuer in Peking.
  • Foto: imago/ZUMA Press

Chinas „Mittelfinger“: Uigurische Fackelläuferin dankt brav ihrem „Vaterland“

Ihr Auftritt war ein ausgestreckter „Mittelfinger“ Chinas an den Rest der Welt: Die uigurische Langläuferin Dinigeer Yilamujiang durfte bei der Eröffnungsfeier in Peking das olympische Feuer entzünden. Nun hat sie sich brav beim „Vaterland“ bedankt. Alles nur Show? Die Verantwortlichen dementieren natürlich.

Olympia sei unpolitisch, das wurden und werden die Organisatoren nicht müde zu betonen. Dennoch war es eine Uigurin, die bei der Eröffnung der Spiele in Peking das Feuer entzündete: Dinigeer Yilamujiang brachte das olympische Symbol gemeinsam mit dem Nordischen Kombinierer Zhao Jiawen zum brennen – und das inmitten internationaler Kritik an Chinas Führung wegen der Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in der Region Xinjiang.

Dinigeer Yilamujiang dankt ihrem „Vaterland“ für Rolle bei Eröffnungsfeier

„China zeigt dem Rest der Welt den Mittelfinger“, polterte die Expertin Yaqiu Wang von Human Rights Watch. Exil-Uiguren sahen eine „politische Show“, die ein falsches Bild vom Leben der Uiguren in der Nordwestregion Xinjiang zeichne. Dort sollen Berichten zufolge Hunderttausende in Umerziehungslager gesteckt worden sein, in denen es offenbar Folter, Misshandlungen und ideologische Indoktrinierung gibt.

Yilamujiang dagegen verwehrte sich gegen den Vorwurf, als politisches Symbol missbraucht worden zu sein. Sie sei sehr dankbar, dass sie als Fackelläuferin eingesetzt wurde, sagte die 20-Jährige nach Angaben chinesischer Staatsmedien. „Als ich die Aufgabe übernahm, konnte ich es einfach nicht glauben“, so Yilamujing. „Da mein Vaterland mir diese wichtige Aufgabe überträgt, musste ich sie auch erfüllen.“ Mit patriotischer Haltung betonte sie, auch ihr Vater, der Trainer des Langlaufteams ist, und ihre Schwester, die in der Mannschaft mitarbeitet, hätten an der Eröffnungsfeier teilgenommen. Sie hoffe, dass ihr Auftritt als Fackelläuferin die Kinder in ihrer Heimatregion im Altai-Gebirge für den Wintersport begeistern könne.

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Vor ihrer Abreise nach Peking seien Hirten mit der Nationalflagge angeritten, um sie zu verabschieden, so die Sportlerin weiter. Staatsmedien verbreiteten davon auch Fotos. Die Hirten hätten „Mein Vaterland und ich“ gesungen. Wie es in anderen Berichten hieß, hat der Rest der Familie am Fernseher die Eröffnungsfeier verfolgt. „Ich danke der Nation, dass sie meiner Tochter eine so wichtige Aufgabe übertragen hat“, wurde die Mutter zitiert. „Ich hoffe, dass meine Tochter dem Land Ruhm bringt.“

IOC findet Auftritt der Uigurin in Peking „ganz entzückend“

In Xinjiang gibt es schon länger Spannungen zwischen den herrschenden Han-Chinesen und ethnischen Minderheiten. Seit blutigen Unruhen 2009 und mehreren Terroranschlägen greifen die Sicherheitskräfte hart durch. Uiguren beklagen kulturelle und religiöse Unterdrückung, während ihnen Peking Separatismus vorwirft. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking hatten die Kommunisten das frühere Ostturkestan der Volksrepublik einverleibt.


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Das Internationale Olympische Komitee indes hat eine ganz andere Sicht auf die Dinge. „Ganz entzückend“ sei das Konzept der Zeremonienmeister gewesen, Athletinnen und Athleten mit den Geburtsjahren von den 1950ern bis in die 2000er Jahre als letzte Fackelläufer auszuwählen, sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Und schließlich sei die 2001 geborene Langläuferin „eine olympische Athletin, die hier an den Wettbewerben teilnimmt. Sie ist absolut berechtigt, am Fackellauf teilzunehmen“, sagte Adams.

Es gebe zudem klare Standards für die Auswahl wie Leistung, Alter, Beliebtheit und ethnischen Herkunft, damit sie „höchst repräsentativ“ seien, ergänzte IOC-Sprecher Zhao Lijian am Montag vor der Presse in Peking. „Die Menschen aller ethnischer Gruppen in China sind eine Familie.“ (mik/dpa)

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