Neuzugang direkt im HSV-Kader: So lief der Derby-Tag für Luka Vuskovic
Den ersten großen Applaus im Volkspark gab es um 19.34 Uhr. 56 Minuten vor dem Anpfiff des 112. Hamburger Stadtderbys (0:2) hielt Stadionsprecher Christian Stübinger den Spielberichtsbogen in eine Kamera und sagte zu den schon anwesenden Fans, die zur Leinwand blickten: „Ich weiß nicht, ob ihr es seht – aber Luka Vuskovic steht im Kader.“ Die, die es mit dem HSV halten, goutierten die Ankündigung mit großem Beifall. Der 18-jährige Kroate wurde morgens offiziell vorgestellt – und saß abends direkt auf der Bank. Ausgerechnet gegen St. Pauli.
In der 82. Minute herrschte Gewissheit: Merlin Polzin brachte William Mikelbrencis und nahm damit seinen fünften Wechsel vor. Da hatte Vuskovic, der sich zuvor noch vor der Nordtribüne warmgelaufen und auf einen möglichen Einsatz vorbereitet hatte, bereits auf der Auswechselbank Platz genommen. Seine Pflichtspielpremiere – vertagt. Und angesichts des Ergebnisses hatte die Tottenham-Leihgabe auch nach dem Abpfiff keinen Grund zum Lächeln. Mit seinen neuen Mitspielern ließ er sich vor den Fans trösten. Ein Tag zum Vergessen, für alle. Aber der Reihe nach.
HSV-Zugang Luka Vuskovic gegen St. Pauli direkt im Kader
Immanuel Pherai musste schmunzeln, als er am Freitagmorgen in die Katakomben des Volksparkstadions kam und dort auf den jungen Vuskovic-Bruder traf. „Ich kam in die Kabine und habe gedacht: Der war doch schon mal hier“, scherzte Pherai vor dem Anpfiff über die Stadionlautsprecher. Hintergrund: Luka Vuskovic war tatsächlich schon mal in der HSV-Umkleide – nach dem 6:1 im Aufstiegsspiel gegen den SSV Ulm am 10. Mai. Da feierte er mit seinem Bruder Mario und dem ganzen Team die Bundesliga-Rückkehr. Dreieinhalb Monate später ist er selbst HSV-Profi.

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„Es war geil“, kommentierte Pherai das erneute Treffen mit Vuskovic, der vormittags, beim Anschwitzen des HSV für das Derby, bereits auf dem Trainingsplatz stand – und Stunden später auf dem Spielberichtsbogen. Der gerade erst verpflichtete Abwehr-Youngster, der in topfittem Zustand aus Tottenham nach Hamburg gekommen war, rückte für den Abgangskandidaten Guilherme Ramos in den Kader. Weil Polzin ihm zutraute, sofort wichtig werden zu können.
„Der Plan“: Polzin deutete Vuskovic-Debüt für den HSV an
„Schauen wir mal, wie das Spiel wird“, sagte der HSV-Trainer vor dem Anpfiff bei Sky und verriet: Es sei „der Plan“, dass Vuskovic direkt sein Blitzdebüt feiere. Nur: Das Spiel verlief spätestens nach dem 0:1 durch St. Paulis Adam Dzwigala (19.) gegen die Hausherren. Die HSV-Verteidiger Jordan Torunarigha und Wared Omari wackelten in einigen Szenen, Ersterer hatte Glück, dass sein Stolperer im Laufduell mit Andreas Hontondji von Schiedsrichter Christian Dingert abgepfiffen wurde. Das wäre das vermeintlich 0:2 gewesen (25.). Vor der Pause sah Torunarigha gegen den Kiezklub-Stürmer ein weiteres Mal schlecht aus (45.+1) – Polzin wechselte zunächst allerdings nicht.

Wie sich ein Torschrei im vollen Volkspark anfühlt, weiß Vuskovic aus seinen vorherigen Stadionbesuchen. In der 48. Minute war er aber erstmals als HSV-Spieler Teil einer Jubeltraube, weil Ransford Königsdörffer zum vermeintlichen 1:1 getroffen hatte. Doch der VAR kassierte das Tor wegen einer Abseitsstellung wieder ein – und so schritt Vuskovic wenige Minuten später eher regungslos zum Aufwärmen hinter dem HSV-Tor. Dort blieb er, sah zunächst Yussuf Poulsen und Jean-Luc Dompé als Joker kommen (56.) sowie das 0:2 durch Andreas Hountondji fallen (60.). Dann wurden Otto Stange sowie Rayan Philippe eingewechselt (75.). Und schließlich eben Mikelbrencis. Die letzten, tristen Momente dieses Stadtduells verfolgte der jüngste Neuzugang nahezu regungslos hinter der Seitenlinie.
HSV-Trainer lobt: „Luka ist natürlich eine Erscheinung“
An Vuskovic wollen sie sich dann in den nächsten Wochen erfreuen, wenn der Frust über die Pleite gegen St. Pauli einigermaßen verdaut ist. „Ganz Hamburg hat auf den Moment gewartet, dass Luka endlich bei uns ist. Da haben viele Menschen im Hintergrund fantastische Arbeit geleistet“, hatte Polzin vor dem Derby gesagt.“ Warum er den kleinen Bruder von Mario direkt mit ins Aufgebot nahm, lag auf der Hand: „Luka ist natürlich eine Erscheinung.“
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Und er sollte an diesem Abend für zusätzliche Euphorie im Volkspark sorgen. Das gelang zunächst – war am Ende aber nur ein Randaspekt. Polzin ist aber sicher: „Luka wird sicherlich einen großen Anteil zu unserem Erfolg in dieser Saison beisteuern.“ Auf der Pressekonferenz ergänzte der Coach: „Wir wollten direkt seine Präsenz nutzen, er hat eine sehr gute Energie in die Mannschaft gebracht. Er kennt die Jungs und ist kein komplett neuer Spieler für uns. Luka ist ein qualitativ hochwertiger Spieler und bringt die richtige Mentalität mit, um mit uns erfolgreich zu sein.“
Nach seiner Länderspielreise könnte Vuskovic erstmals für den HSV starten – auswärts beim FC Bayern am 13. September. Vorerst wird es vor allem Ivica Olic‘ Aufgabe sein, Vuskovic bei Kroatiens U21 bei Laune zu halten.
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