Simon Makienok
Simon Makienok
  • Simon Makienok war St. Paulis Matchwinner gegen den HSV und natürlich überglücklich.
  • Foto: WITTERS

Sanfter Tattoo-Riese: St. Pauli feiert Derby-Helden Simon Makienok

Dieser Mann ist St. Paulis nackter Wahnsinn. Mit bloßem Oberkörper stand Simon Makienok vor der Südtribüne des Millerntorstadions und wurde lautstark gefeiert. Nackt trifft es nicht ganz, denn der Körper des dänischen Riesen ist mit Tintenbildern geradezu übersät. Seit Freitag, den 13., ist Makienok der Schrecken des HSV – und Liebling aller St. Paulianer. Für die Leistungsexplosion gibt es Gründe.

„Na-na-na-na-na-na-na-na-na-na-na, Simon Makienok, Makienok, Siiimon Makienok!“, sangen die Fans nach der Melodie des 80er-Klassikers „Baby give it up“ als der Sturm-Gigant auf die TV-Interviews wartete. Es war ein Moment von Bedeutung, denn wer sich ein wenig auskennt mit dem Kiezklub, der weiß, dass einzelnen Spielern nicht gerade inflationär gehuldigt wird, um es mal diplomatisch auszudrücken.

St. Paulis Simon Makienok erzielt seinen ersten Zweitliga-Doppelpack

Makienok hat mit seinen beiden Toren beim 3:2 die Herzen der Fans endgültig erobert – im Sturm! „Es ist einfach schön für ihn und auch für uns“, freut sich Sportchef Andreas Bornemann im Gespräch mit der MOPO. „Simon hat gezeigt, wie wichtig er für uns sein kann.“ Mit seinem ersten Doppelpack in Liga zwei hat sich der 2,01-Meter-Hüne in die Riege der großen Derby-Helden des Kiezklubs geschossen. Makienok – ein Derby-Spezialist. Drei seiner vier Treffer für St. Pauli hat er gegen den HSV erzielt.

Makienoks kultiges Interview: „Dann hope ich, wir haben the Weekend frei“

Kultverdächtig ist sein TV-Interview mit dem NDR. Zunächst antwortete er auf Deutsch („Das ist ein sehr, sehr, sehr großer Moment für mich und es war ein geiles Spiel für uns“), wechselte dann ins Englische und sagte schließlich auf die Frage, wie die Mannschaft zu feiern gedenke, in bestem Denglisch: „Wir müssen sprechen now in der Dressing Room. Dann hope ich, wir haben the Weekend frei, so dass wir können abseilen Party.“ Breites Grinsen.

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Ein solches hatte auch Trainer Timo Schultz auf dem Gesicht, als er mit einem Blick auf Makienoks Oberkörper meinte: „Er hat sein Auswärtstrikot an.“ Da sollte sich die Merchandising-Abteilung mal was überlegen. Apropos Tattoos. Auf Makienoks Brust prangt der Schriftzug „Never a failure – Always a lesson“. Niemals ein Scheitern, immer eine Lektion. Das passt ziemlich perfekt zu seinem sportlichen Comeback bei St. Pauli – nach einer Rückrunde, in der er kaum eine Rolle gespielt hatte, während die Kollegen voll durchstarteten und die Sturm-Konkurrenz einfach besser war.

Makienok hat sich stets „klaglos“ in den Dienst der Mannschaft gestellt

Doch der Riese ließ sich nicht hängen, sondern hängte sich weiter rein. Makienok habe „seinen Frust nicht raushängen lassen. Er war nie negativ“, berichtet Sportchef Andreas Bornemann im Gespräch mit der MOPO. „So etwas weiß eine Mannschaft zu schätzen. Deshalb freuen sich jetzt auch alle so für ihn.“ Es sei „beeindruckend“, wie sich Makienok „klaglos in den Dienst der Mannschaft gestellt“ habe, lobt Schultz. „Das zeigt seinen Charakter. Das hat ihm ein Riesen-Standing im Team gebracht – und bei mir.“

Kaum einer vertritt St. Paulis Werte so glaubwürdig wie Makienok

Auch bei den Fans ist Makienok beliebt – und das liegt nicht nur an seiner Erscheinung, sondern daran, dass er die Werte des Vereins glaubhaft teilt, klar Stellung gegen Intoleranz, Rassismus und Homophobie bezieht. Er ist extrovertiert, aber kein protziger Selbstdarsteller. Schillernd und schräg, aber auch bodenständig. Humorvoll, nachdenklich, feinfühlig. „Ein richtig guter Typ“, sagt Bornemann.

Die Basis für Makienoks Leistungsexplosion ist vor allem harte Arbeit. „Im Kraftraum ist er vorbildlich“, berichtet Schultz. Man habe das Krafttraining des Angreifers umgestellt, auch das Torschusstraining intensiviert und an seinen Abschlüssen gefeilt. „Es zahlt sich aus, wenn man arbeitet.“

Vertrauen ist für den „Kopf-Typen“ Makienok sehr wichtig

So einfach? Jein. Bei Makienok, der mit Freundin Ida-Sophia Petersen, einer dänischen Radiomoderatorin und Journalistin, in Eppendorf wohnt, spielt sich viel auf der mentalen Ebene ab. „Für so einen Kopf-Typen ist es auch wichtig, das Vertrauen zu spüren und gebraucht zu werden“, betont Schultz.

Makienoks tätowierte Brust ist jetzt wieder richtig breit. „Sein Selbstvertrauen war angekratzt, weil es lange Zeit nicht lief für ihn“, weiß Bornemann. Aber der Hüne habe sich „toll aus dem Loch herausgekämpft und sich für seine harte Arbeit und seinen Fleiß belohnt. Dass das dann noch im Derby passiert, ist eine tolle Geschichte.“

Die Geschichte soll noch lange nicht zu Ende sein. „Ich hoffe“, sagt Makienok, „das ist nur der Anfang.“

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