Johannes Eggestein und Marcel Hartel (St. Pauli) verpassen Treffer gegen Daniel Heuer Fernandes (HSV)
  • Riesenchance, kein Tor: Johannes Eggestein und Marcel Hartel bringen den Ball nicht im Netz unter.
  • Foto: IMAGO/Lobeca

„Wir hätten …“: Was St. Pauli nach dem Derby gegen den HSV besonders nervt

Der schlimmste Feind des Fußballers ist neben dem Kreuzbandriss ein anderes schmerzhaftes Phänomen mit dem Anfangsbuchstaben K: der Konjunktiv. Ein Paradebeispiel lieferten die Spieler des FC St. Pauli nach dem Derby-Remis am Millerntor. Hätten die Kiezkicker ein Tor mehr geschossen, wären sie jetzt Stadtmeister und so mancher Fan würde noch immer feiern. War nicht. Einer der Hauptgründe ist ein wiederkehrendes Versäumnis. Die Spieler selbst legten den Finger in die Wunde.

Wie ein roter Faden zog sich das Thema durch die braun-weißen Resümees nach der turbulenten „Schneeballschlacht“ am Millerntor – und man hatte das alles schon einmal gehört, erst sieben Tage zuvor, in Rostock. Mit dem gravierenden Unterschied, dass St. Pauli an der Ostsee mit 3:2 gewonnen hatte, sich im Derby gegen den HSV aber mit einem 2:2 begnügen musste. Erneut hatten die „Boys in Brown“ die mehr als mögliche Vorentscheidung verpasst – und diesmal bitter bezahlt.

FC St. Pauli trifft im DFB-Pokal auf FC Homburg

Mit dem Start dieser Woche geht der Blick der Kiezkicker nach vorn, denn schon morgen Abend steht das Pokal-Achtelfinale beim FC Homburg an. Eine riesengroße Chance, die sich St. Pauli nicht entgehen lassen will. Und darf. Das Derby, bei dem die Kiezkicker innerhalb von zwei Minuten einen 2:0-Vorsprung aus der Hand gaben, wurde bereits am Samstag gemeinsam aufgearbeitet und dann abgehakt – so gut es eben geht.

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Der Blick zurück ist aber nötig, damit der Blick nach vorn und der weitere Weg in dieser Spielzeit erfolgreich bleibt. Es gilt, ein Defizit zu benennen, um es zu beheben. Das könnte auch in Homburg entscheidend sein, wenn es darum geht, einem Underdog so schnell und nachhaltig wie möglich die Grenzen aufzuzeigen und nicht an der Sensation schnuppern zu lassen. Oder aber – wie im Derby – einem Top-Gegner jede Hoffnung auf eine Wende zu nehmen. Mit dem 3:0 gegen einen taumelnden HSV.

Das mag nach Wunschkonzert klingen, war angesichts von 18:6 Torschüssen und einem lange Zeit sehr dominanten Auftritt aber alles andere als unrealistisch oder vermessen.

Hauke Wahl und Marcel Hartel hadern mit Ausbeute gegen den HSV

„Wir müssen uns ankreiden, dass wir das Spiel nicht schon früher entschieden haben“, stellte Hauke Wahl klar. Marcel Hartel haderte: „Wenn du in der ersten Halbzeit das dritte Tor nachlegst, dann sieht es heute anders aus.“ Trainer Fabian Hürzeler brachte es martialisch auf den Punkt: „Wir müssen es killen.“ Das Spiel. Sack zu. Deckel drauf. 

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Der Killerinstinkt aber fehlte – abermals. Es ist erstaunlich, noch einmal die Aussagen nach dem Rostock-Spiel zu lesen, in dem St. Pauli nach vermeintlich sicherer 3:1-Führung und totaler Dominanz mit dem Anschlusstreffer wieder ins Wanken geriet. Hartel: „Es lag heute an uns, wir hätten nachlegen müssen.“ Eric Smith: „Wir haben es nicht geschafft, das Spiel frühzeitig endgültig zu entscheiden.“ Philipp Treu: „Wir müssen uns vorwerfen, dass wir den Sack nicht schon früher zugemacht haben.“ 

Jackson Irvine erkennt gleiches Problem wie gegen Hansa Rostock

Sätze, wie sie auch nach dem Derby zu hören waren, manche fast wortgleich. Kein Einzelfall also, sondern durchaus ein aktuelles Problem, das den Spielern bewusst ist und sie wurmt. Jackson Irvine stellte nach dem Derby die Verbindung her: „Wie in Rostock hat uns ein weiteres Tor gefehlt.“

Sieben Unentschieden bedeuten 14 potenzielle Punkte, die St. Pauli nicht geholt hat. Fakt ist, dass die Kiezkicker in keinem dieser sieben Spiele das schlechtere Team waren, sondern überwiegend das überlegene.

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Es gilt, nach einer bislang überragenden Hinrunde in den Spielen bis Weihnachten und dann in der Rückrunde (noch!) mehr Kapital aus der spielerischen Dominanz und dem oft deutlichen Chancenplus zu schlagen, auch das Momentum in einem Spiel besser zu nutzen. Die Vielzahl der Angriffe noch konsequenter, konzentrierter, cleverer, gradliniger und auch mal schnörkelloser zu Ende zu spielen und eiskalt abzuschließen. Es ist das, was Hürzeler als noch nicht ausgeschöpfte Potenziale und weitere Entwicklungsschritte bezeichnet, die noch nötig sind.

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