Afghanistan, Kandahar: Schwer bewaffnete Taliban-Kämpfer fahren in einem Fahrzeug durch Mehtarlam, der Hauptstadt der Provinz Laghman.
  • Afghanistan, Kandahar: Schwer bewaffnete Taliban-Kämpfer fahren in einem Fahrzeug durch Mehtarlam, der Hauptstadt der Provinz Laghman.
  • Foto: Str/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk

Präsident flieht aus Afghanistan – chaotische Szenen in Kabul

Jetzt ist sogar der Präsident Aschraf Ghani aus Afghanistan geflohen: In einem rasanten Feldzug haben die Taliban das Land quasi komplett erobert. Die islamistischen Aufständischen erteilten ihren Kämpfern die Anweisung, in der Hauptstadt Kabul für Sicherheit zu sorgen. Deutschland und andere Staaten versuchten, ihr verbliebenes Personal möglichst schnell auszufliegen.

Die Bundesregierung hat jetzt ihre Botschaft in Kabul dichtgemacht und verlegte die Mitarbeiter zum militärischen Teil des dortigen Flughafens. In Kabul spielten sich chaotische Szenen ab. Es kam zu einer Schießerei vor einer Bank, wie ein Bewohner der Stadt sagte. Viele Menschen versuchten, ihr Erspartes abzuheben und Lebensmittel zu kaufen. Ein Soldat aus Kabul sagte, seine gesamte Einheit habe die Uniformen abgelegt.

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Der Vorsitzende des Nationalen Rats für Versöhnung, Abdullah Abdullah, sagte in einer Videobotschaft, „Ex-Präsident“ Ghani habe in dieser Situation das Land verlassen, Gott möge ihn zur Rechenschaft ziehen. Auch das Volk werde über ihn richten. Angaben dazu, wohin Ghani abreiste, machte Abdullah nicht. Lokale Medien berichteten, er sei nach Tadschikistan geflogen. Abdullah bat die Taliban, noch nicht nach Kabul vorzudringen, sondern noch auf Gespräche zu warten. Damit meinte er vielleicht Friedensgespräche.

Dschalalabad war die vorletzte noch unter Kontrolle der Regierung stehende Großstadt. Wenig später sammelten sich Taliban-Kämpfer an den Toren der Hauptstadt Kabul. Sie wurden allerdings zunächst dazu angewiesen, nicht in die Stadt vorzudringen.

Taliban stehen an den Toren von Kabul

Der amtierende Innenminister Abdul Sattar Mirsakwal sagte noch am Vormittag, es gebe eine Vereinbarung mit den Taliban für einen friedlichen Machtwechsel. Verteidigungsminister Bismillah Chan Mohammadi erklärte in einer Videoansprache, als Vertreter der Streitkräfte garantiere er die Sicherheit Kabuls. Die Menschen sollten nicht in Panik verfallen.

Auch die Taliban versuchten, die Furcht vor einer Schlacht um Kabul zu zerstreuen. Suhail Schahin, ein Unterhändler bei den Gesprächen mit der afghanischen Regierung in Katar, erklärte der BBC: „Wir versichern den Menschen (…) in der Stadt Kabul, dass ihr Hab und Gut und ihre Leben sicher sind.“ Es werde „keine Rache an irgendjemandem“ geben. Die Taliban-Kämpfer hätten den Befehl, Kabul nicht zu betreten. „Wir warten auf eine friedliche Übergabe der Macht.“ Da die Hauptstadt Kabul eine große und dicht besiedelte Stadt sei, beabsichtigten die Taliban nicht, sie mit Gewalt zu betreten.

Taliban behaupten, es würde keine „Rache an irgendjemandem“ geben

Am Abend teilten die Taliban in einer weiteren Erklärung mit, sie hätten Berichte erhalten, dass Polizeistationen und Ministerien verlassen worden seien. Die Sicherheitskräfte seien geflohen. Um Plünderungen zu verhindern oder damit anderen Menschen kein Schaden zugefügt werde, habe die Taliban-Führung ihre Kämpfer angewiesen, jene Gebiete zu betreten, aus denen der Feind geflohen sei.

Angesichts des Taliban-Vormarschs will die Bundeswehr deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte möglichst schnell aus Kabul evakuieren. Fallschirmjäger der Bundeswehr sollen Montag in Militärtransportern nach Kabul fliegen. Am selben Tag soll nach Angaben aus Sicherheitskreisen ein Krisenunterstützungsteam (KuT) aus Experten verschiedener Ministerien eintreffen. In der usbekischen Hauptstadt Taschkent soll ein zweites KuT eine Drehscheibe ( für die Rettung von Menschen organisieren. Es geht um den bislang wohl größten Evakuierungseinsatz der Bundeswehr. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter, es gehe um „Sofortmaßnahmen zur Sicherung und zur Ausreise deutscher Bediensteter und weiterer gefährdeter Personen aus Afghanistan“.

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Aus der Nato hieß es am Sonntag auf Anfrage:„Wir helfen, den Betrieb des Flughafens Kabul aufrechtzuerhalten, damit Afghanistan mit der Welt verbunden bleibt. Wir halten auch unsere diplomatische Präsenz in Kabul aufrecht.“ (dpa/miri)

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