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Soll von seinen Beratern belogen worden sein: Russlands Präsident Wladimir Putin
  • Soll von seinen Beratern belogen worden sein: Russlands Präsident Wladimir Putin
  • Foto: picture alliance / dpa | Matteo Bazzi

Putin von Beratern getäuscht: Geheimdienste halten Revolte für möglich

Seit gut einem Monat lässt Russlands Präsident Wladimir Putin die Ukraine bombardieren. Den erhofften, schnellen Sieg hat der Kremlchef bislang jedoch nicht erringen können – und Experten gehen davon aus, dass das auch nicht mehr gelingen wird. Denn: Putin verliert offenbar zunehmend an Rückhalt.

Schon länger gibt es Gerüchte und Spekulationen: Hat Russlands Präsident Wladimir Putin sich bei seiner Invasion ins Nachbarland dramatisch verzockt? Womöglich, weil er falsch beraten wurde?

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Neue Geheimdienstinfos unterstreichen diese Annahmen: Offenbar fürchten sich Putins Berater, ihrem Chef die Wahrheit über dessen „gescheiterten“ Krieg in der Ukraine zu sagen. „Und auch wenn Putins Berater Angst haben, ihm die Wahrheit zu sagen, müssen dem Regime die Vorgänge und das Ausmaß dieser Fehleinschätzungen glasklar sein“, sagte der Direktor des britischen Geheimdienstes GCHQ, Jeremy Fleming, am Donnerstag bei einem Vortrag an einer australischen Universität in Canberra.

Putin verliert in Russland an Rückhalt – kommt es zur Militär-Revolte?

Putin habe den Widerstand in der Ukraine, die Stärke der internationalen Koalition gegen ihn und die Auswirkungen der Wirtschaftssanktionen unterschätzt, erklärte Fleming weiter. Gleichzeitig habe der russische Staatschef die Fähigkeit seines eigenen Militärs überschätzt – eine fatale Kombination.

„Wir haben gesehen, wie russische Soldaten – denen es an Waffen und Moral mangelt – sich weigern, Befehle auszuführen, ihre eigene Ausrüstung sabotieren und sogar versehentlich ihre eigenen Flugzeuge abschießen“, sagte Fleming. Der Geheimdienstchef hält es für möglich, dass es deshalb bald einen großflächigen militärischen Aufstand gegen den Kremlchef gibt.

„Putin wird von seinen Beratern nicht richtig informiert“

Zuvor hatte bereits die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, Kate Bedingfield, von wachsendem Misstrauen zwischen dem russischen Staatschef und seinem engsten Umfeld berichtet: „Wir glauben, dass er von seinen Beratern nicht richtig darüber informiert wird, wie schlecht das russische Militär agiert und wie die russische Wirtschaft durch die Sanktionen gelähmt wird“, sagte Bedingfield am Mittwoch in Washington. Putins hochrangige Berater hätten „zu viel Angst, ihm die Wahrheit zu sagen“.

Ihren Geheimdienstinformationen nach habe sich Putin vom russischen Militär getäuscht gefühlt, was anhaltende Spannungen zwischen dem russischen Präsidenten und seiner militärischen Führung verursache, so Bedingfield weiter. Konkreter wurde sie jedoch nicht. Auf die Frage, warum die US-Regierung diese Informationen offenlege, sagte sie, dies solle zum Gesamtbild beitragen und zum Verständnis, dass der Angriff auf die Ukraine ein großer strategischer Fehler Russlands sei.

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Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, warnte jedoch: Es sei Anlass zur Sorge, wenn Putin falsch oder nicht informiert sei über die Vorgänge in der Ukraine. „Es ist sein Militär. Es ist sein Krieg. Er hat ihn gewählt.“ Die Tatsache, dass der russische Präsident vielleicht nicht alle Zusammenhänge kenne und vielleicht nicht ganz verstehe, in welchem Ausmaß seine Streitkräfte in der Ukraine versagten, sei beunruhigend.

Fleming: Kämpfer der „Gruppe Wagner“ von Putin in die Ukraine geschickt

Die russischen Streitkräfte haben bei ihrem am 24. Februar gestarteten Angriffskrieg gegen die Ukraine hohe Verluste erlitten. Die Offensive geriet angesichts des erbitterten Widerstands der ukrainischen Armee schnell ins Stocken.

Fleming warnte, dass Cyberangriffe aus Russland weiterhin eine Bedrohung darstellten. Er bekräftigte auch, dass Moskau Söldner und ausländische Kämpfer in der Ukraine einsetze, darunter solche der berüchtigten Wagner-Gruppe, die eine „Schattenabteilung des russischen Militärs“ sei.


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Fleming sagte zudem, dass der chinesische Präsident Xi Jinping Putin die Unterstützung aus Eigeninteresse nicht versagt habe. „Mit Blick auf die Rückeroberung Taiwans will China nichts tun, was seine Handlungsfähigkeit in der Zukunft einschränken könnte“, betonte Fleming. Peking sieht in der Insel eine abtrünnige Provinz, die notfalls mit Gewalt zurückgeholt werden soll. Fleming sah allerdings die Möglichkeit, dass sich die Beziehungen zwischen Peking und Moskau abkühlen könnten, je stärker Chinas Wirtschaft und Militär werden. (mik/afp/dpa)

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