Allianz Arena
  • Die Allianz Arena in München erstrahlte 2016 in den Farben der Regenbogen-Flagge. Während des Spiels gegen Ungarn darf sie das nicht.

Hass-Gesetz gegen Schwule: Lasst die Ungarn im Regenbogenstadion spielen!

Ein Hass-Gesetz gegen Schwule und Lesben mitten in Europa: Ungarns Regierungschef Viktor Orban folgt dem Beispiels Russlands und schränkt die Rechte der LGBTQ-Gemeinde per Gesetz massiv ein. Da Deutschland am kommenden Mittwoch bei der Fußball-EM in München gegen Ungarn spielt, fordern nun viele: Setzt ein Zeichen gegen Orban und lasst die Nationalmannschaften in einem „Regenbogen-Station“ spielen.

Das Gesetz schränkt die Rechte und den Schutz von homosexuellen und transsexuellen Kindern und Jugendlichen massiv ein. So sind Bücher über Homosexualität in Ungarn künftig verboten. An Schulen dürfen nur noch der Regierung genehme Organisationen über Sexualität aufklären und Filme wie „Harry Potter“ – in dem es einen erkennbar homosexuellen Charakter gibt – dürfen nur spät Abends mit einer Freigabe „ab 18 Jahren“ im TV gezeigt werden. Kurz: Alles, was Homo- oder Transsexualität als Teil einer Normalität zeigt, ist künftig verboten.

Proteste in Budapest
Eine Drag Queen mit der Regenbogenfahne vor dem ungarischen Parlament. Proteste konnten das neue homophobe Gesetz nicht stoppen.

Besonders bizarr ist das Zustandekommen des Gesetzes: Anlass waren mehrere Fälle von Kindesmissbrauch im Umkreis von Orbans Fidesz-Partei. Um zu demonstrieren, dass man hart dagegen vorgeht, hat Orban Strafverschärfungen wegen Pädophilie auf den Weg gebracht. Erst in der vergangenen Woche brachten einzelne Abgeordnete die Passagen zum Schutz von Kindern vor Homosexualität in den Gesetzentwurf ein. Das Parlamemt in Budapest stimmte schließlich zu. Die Opposition blieb der Abstimmung aus Protest fern.

Gestern Flüchtlinge, heute LGBTQ

Auch eine Petition mit mehr als 100.000 Unterschriften und die Drohung der EU-Kommissarin für Gleichstellung, Helena Dalli, Ungarn Gelder zu streichen, konnten das neue Gesetz nicht verhindern. Der ungarische Politologe András Bozóki glaubt, Orban selbst sei im Prinzip nicht homophob, nutzte aber Homophobie für seine politische Agenda: „Der Verdruss über Korruptionsaffären und Missmanagement in der Corona-Krise wird immer größer“, sagte er der „Deutschen Welle“. Orban brauche ein Thema, mit dem er ablenken und polarisieren könne. Da das Thema Flüchtlinge nicht mehr ziehe, richte er sich nun gegen die LGBTQ-Gemeinde.

Neuer trug Regenbogenfahne als Kapitänsbinde

Vor allem bei Twitter ist der Ärger über das ungarische Gesetz groß. Im Fokus stehen dabei auch der DFB und die UEFA. DFB-Kapitän Manuel Neuer lief am Dienstag beim Spiel gegen Frankreich mit einer Kapitänsbinde in Regenbogen-Farben auf. Der Regenbogen ist ein Symbol der Schwulen und Lesben und steht für Vielfalt und Toleranz. Nun hoffen viele Twitter-User, Neuer werde auch im Spiel gegen Ungarn selbst sprichwörtlich „Flagge zeigen“.

Die Forderungen gehen aber noch weiter: Der ARD-Moderator Georg Restle forderte den DFB auf, beim Spiel gegen Ungarn als Zeichen des Protests Regenbogen-Fahnen an alle Fans zu verteilen – „Dann kriegt es auch Herr Orban mit.“ Andere fordern, die Münchner Allianz-Arena komplett in Regenbogen-Farben erstrahlen zu lassen, wie es anlässlich des Christopher Street Days 2016 bereits einmal geschah.

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Der DFB und die UEFA halten sich bisher zu dem Thema weitgehend bedeckt. Zwar werben die Fußballverbände gerne für die Werte „Vielfalt“ und „Respekt“, betonen aber auch immer wieder den unpolitischen Charakter ihrer Veranstaltungen.

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