Impfung von Kindern
  • Eine Kinderärztin impft einen Jungen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech-Pfizer. (Symbolbild)
  • Foto: picture alliance/dpa | David Young

Der verbissene Kampf um die Kinder-Impfungen

Karl Lauterbach ist die Kassandra der Corona-Pandemie: Zum allgemeinen Verdruss verbreitet der SPD-Gesundheitspolitiker immer wieder düstere Prognosen. Seit einigen Wochen kämpft er gegen große Widerstände dafür, dass Kinder und Jugendliche vor dem Ende der Sommerferien flächendeckend geimpft werden. Neue Zahlen aus England scheinen ihm Recht zu geben.

Bisher hat die Ständige Impfkommission (Stiko) wegen noch „nicht ausreichender Datenlage“ keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren abgegeben. Lediglich bei besonderen Risikofaktoren wie starkem Übergewicht oder Lungenkrankheiten empfehlen die Experten eine Impfung. Lauterbach fordert von der Stiko angesichts der sich auch in Deutschland ausbreitenden, ansteckenderen Delta-Variante des Virus, diese Empfehlung abzuändern.

„Kinder werden im Herbst richtig Probleme bekommen“

„In Großbritannien sind bereits viele Kinder mit Covid in der Klinik. Die Ständige Impfkommission argumentiert, dass Covid für Kinder harmlos sei. Für die Delta-Variante gilt dies meiner Ansicht nach aber nicht“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“. Kinder, Jugendliche und alle Ungeimpften werden im Herbst „richtig Probleme bekommen“, prophezeit der Politiker.

Karl Lauterbach
SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach spricht sich vehement für die Impfung von Kindern und Jugendlichen aus.

Dieser Argumentation widersprechen mächtige Akteure: „Das Impfrisiko ist für gesunde Kinder und Jugendliche, auch wenn es sehr gering ist, wohl höher als das einer Corona-Infektion“, sagte beispielsweise Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KBV), kürzlich noch. Das Argument der Impfgegner bei Kindern: Diese würden seltener angesteckt und wenn, zeigten sie viel leichtere Verläufe.

Andreas Gassen
Andreas Gassen, Orthopäde und Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, sieht die Impfung von Kindern äußerst kritisch.

Doch neue Zahlen aus Großbritannien zeigen, welche Wucht die Delta-Variante offenbar entfalten kann. Was dort passiert ist, ist bisher mit einigen Wochen Verzögerung meistens auch bei uns eingetreten. Die „Sunday Times“ berichtet nun unter Berufung auf Zahlen des britischen Gesundheitsministeriums, die Zahl der infizierten 5- bis 9-Jährigen sei in der Woche zum 20. Juni im Vergleich zur Vorwoche um 70 Prozent gestiegen. Bei den 10- bis 14-Jährigen soll die Zahl der Infizierten um 56 Prozent angewachsen sein. Insgesamt 16.100 Schüler sollen wegen einer „Delta-Infektion“ nicht in der Schule gewesen sein. In der Vorwoche waren es „nur“ 10.600. Die Zahlen stiegen zuletzt drei Wochen in Folge.

Long Covid auch Gefahr bei Kindern

Lauterbach geht davon aus, dass auch bei uns die Infektionszahlen – ähnlich wie jetzt in England – wieder ansteigen werden. Er warnt: „Auch für Kinder ist eine Corona-Erkrankung keine Kleinigkeit. Zum einen bekommen auch Kinder Long Covid. Zum anderen fällt für sie dann die Schule aus, und auch Klassen müssen wieder in Quarantäne.“

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Bisher ist nicht ganz klar, wie genau beispielsweise der Unterricht zu Beginn des Schuljahres in den verschiedenen Bundesländern aussehen wird. Sicher ist allerdings: Die wenigsten Schüler werden geimpft sein. Und in Hamburg wird es keine Luftfilter in den Klassenräumen geben.

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