So sah es wochenlang auf La Palma aus: Ein glühendheißer Lava-Strom wälzte sich über die Insel.
  • So sah es wochenlang auf La Palma aus: Ein glühendheißer Lava-Strom wälzte sich über die Insel.
  • Foto: picture alliance/dpa/AP | Emilio Morenatti

Stille Nacht: Die „größte Katastrophe der Kanaren“ ist vorbei

Der Alptraum auf La Palma ist endlich vorbei: Nach rund drei Monaten wurde der Vulkanausbruch für beendet erklärt – ausgerechnet an Weihnachten. Die 85.000 Bewohner dürfen nun aufatmen – vorerst. Und was bleibt außer großer Zerstörung? Wissenschaftler versuchen, aus dem Ausbruch Kapital zu schlagen.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez freute sich auf Twitter über „das beste Weihnachtsgeschenk“: Nach rund drei langen Monaten wurde der Vulkanausbruch auf der kleinen Kanaren-Insel La Palma am 25. Dezember für beendet erklärt. Man sei „erleichtert“, dass die „größte Katastrophe der Kanaren“ vorbei sei, sagte Julio Pérez von der Regionalregierung am ersten Weihnachtstag.

Bilanz des Vulkanausbruchs auf La Palma ist verheerend

Diesen Augenblick hatten die „Palmeros“ seit dem 19. September herbeigesehnt. An jenem Tag hatte sich die Erde im Süden der kleinen Atlantik-Insel um 14.10 Uhr mit einer gewaltigen Explosion geöffnet – und Lava, Rauch und Asche wurden Hunderte Meter in die Höhe geschleudert. Am 13. Dezember wütete der Vulkan in einer Art Abschlussvorstellung noch einmal besonders heftig, um dann am Abend plötzlich zur Ruhe zu kommen. Seither treten nur noch Gase aus – die gewaltigen explosionsartigen Entladungen, der Ausfluss von Lava und die Erschütterungen im Vulkankegel hörten alle auf.

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Die Bilanz des mit einer offiziellen Dauer von gut 85 Tagen längsten Vulkanausbruchs in der bekannten Geschichte La Palmas ist verheerend: Rotglühend wälzte sich die mehr als 1000 Grad heiße Lava durch das dicht besiedelte Tal von Aridane in Richtung Meer. Die Menschen mussten hilflos mitansehen, wie fast 2900 Wohnhäuser und andere Bauten sowie große Bananenplantagen, Avocadobäume und Weinreben in Zeitlupe zermalmt und verbrannt wurden. Rund 1200 Hektar sind nun mit einer meterdicken Lavaschicht bedeckt, die nur langsam auskühlt. Die Fläche entspricht rund 1700 Fußballfeldern.

Teile der Insel wirken wie eine Mondlandschaft, aus der Asche ragen hier und da nur noch die Schornsteine verschütteter Häuser heraus. Mehr als 7000 Bewohner mussten in Sicherheit gebracht werden, die Schäden werden auf mehr als 900 Millionen Euro geschätzt.

„Uns war klar, dass das Ding irgendwann hochgeht“

La Palma ist die jüngste Kanaren-Insel, wie Teneriffa und Gran Canaria ist auch sie vulkanischen Ursprungs. Für die Bewohner kam der Ausbruch nicht wirklich überraschend. Immer häufiger vorkommende Erdbeben während der Jahre und Monate vor dem Ausbruch hatten das Unheil angekündigt. „Uns war klar, dass das Ding irgendwann hochgeht. Nur dachten wir, dass der Vulkan weiter südlich ausbrechen würde“, erinnert sich die Deutsche Kathrin Gouffran. Am 19. September musste sie dann wie Tausende Nachbarn Hals über Kopf aus ihrem Haus in Todoque fliehen, das bald darauf wie fast der gesamte Ort ein Raub der Lava wurde.

Kathrin Gouffran rennt mit einer Kurkumapflanze in den Händen während der Evakuierung der Stadt Todoque, in der sie lebte.
Kathrin Gouffran rennt mit einer Kurkumapflanze in den Händen während der Evakuierung der Stadt Todoque, in der sie lebte.

Daran, die Insel nun etwa zu verlassen, denkt die 52-jährige, die schon seit 20 Jahren auf La Palma lebt, aber genauso wenig, wie die meisten Bewohner der Vulkaninsel. „Stärker als der Vulkan“, unter diesem Motto meisterten die Menschen monatelang die Krise, halfen sich gegenseitig und hoffen nun auf einen Neuanfang.

Noch aber treten Gase aus dem Vulkan aus. Die sind gesundheitsschädlich – und die Behörden warnen deshalb alle, die zu ihren Häusern in der Nähe des Vulkans zurückkehren, etwa um Asche zu beseitigen oder wichtige Gegenstände zu sichern, sie sollten die Gebäude vorher mindestens 15 Minuten gut lüften. Der Vulkanausbruch sei zwar vorbei, aber der Notstand noch nicht, betonte Pérez.

Inneres der Erde verhältnismäßig wenig erforscht

Und was bleibt nun außer Zerstörung und Berge von Lava und Asche? Jede Menge Erkenntnisse der Wissenschaft. Kaum ein Vulkan-Ausbruch wurde je so akribisch dokumentiert wie der auf La Palma. Aus der ganzen Welt waren Forscherinnen und Forscher angereist, um Messungen und Beobachtungen durchzuführen. Denn: Während die Menschheit bereits auf dem Mond und in den tiefsten Meerestiefen war, weiß sie immer noch kaum etwas über das Innere unserer Erde.

Aus Sicht der Wissenschaftler ist es daher eigentlich eher bedauerlich, dass der Ausbruch „schon“ vorbei ist. Wie der „Spiegel“ berichtet, waren spanische Forscher gerade dabei, die Überwachung des Vulkans um ein entscheidendes Element zu verfeinern: Von Schiffen aus haben sie zehn Seismometer am Meeresgrund rund um die Insel installiert. Damit könnten die Bewegungen der glühendheißen Lava in den Magma-Kammern im Inneren des Vulkans noch besser beobachtet werden.


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Die Erkenntnisse sind für die Zukunft der Menschen auf La Palma vielleicht lebensrettend, sagte der norwegische Wissenschaftler Thor Hansteen im Gespräch mit dem „Spiegel“. Denn der Vulkan kann jederzeit wieder ausbrechen. „Vielleicht in etwa 20 Jahren, vielleicht erst in 80 Jahren, wir wissen es nicht“, so Hansteen. Das Gute sei aber: „Beim nächsten Ausbruch werden wir noch besser in der Lage sein, die Bevölkerung frühzeitig zu warnen.“

Bis alle aktuell gesammelten Daten ausgewertet und aufbereitet sind, dürfte es noch einige Zeit dauern. Sicher ist schon jetzt: Die Landkarte von La Palma muss neu gezeichnet werden. Während des Ausbruchs ist eine große Menge Lava vom Vulkankegel über die Insel ins Meer geflossen. So haben sich zwei neue Landzunge gebildet, beide zusammen sind rund 50 Hektar groß. Schon im Oktober war die neue Landmasse so riesig, dass dort rund 50 Fußballfelder Platz gefunden hätten.

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