Ein Bus steht auf einer überschwemmten Straße in London.
  • In London hat der heftige Regen ein Verkehrschaos ausgelöst.
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Heftiger Regen sorgt für Verkehrschaos in London

Es ist eine Katastrophe schockierenden Ausmaßes: Im Südwesten Deutschlands sorgen heftige Überschwemmungen für entsetzliche Bilder. Viele Menschen sind gestorben, Dutzende werden noch vermisst. Auch andernorts sorgte Starkregen für dramatische Bilder. Die MOPO hält Sie hier über die wichtigsten Entwicklungen auf dem Laufenden.

Die wichtigsten Meldungen im Überblick:

  • Heftiger Regen sorgt für Verkehrschaos in London
  • Flutgebieten drohen neue Unwetter 
  • Jahrhundert-Flut: Neuer Starkregen bedroht Katastrophengebiet
  • Bund beschließt Soforthilfe von 200 Millionen – mehr Geld möglich
  • THW rechnet kaum noch mit Flut-Überlebenden
  • NRW-Innenminister Reul fordert Sirenen-Pflicht
  • Polizei warnt vor falschen Durchsagen im Krisengebiet
  • Merkel erneut im Flutgebiet
  • Nach Erdrutsch in Erftstadt: Viele Anwohner dürfen kurz zurückkehren
  • Sonderimpfaktion: Flut-Katastrophe soll nicht zum Superspreader-Event werden
  • Merkel besucht erneut Katastrophengebiete
  • Hamburger Großkonzern spendet Mega-Summe für Betroffene
  • Bevölkerung nicht gewarnt? Das sagt Seehofer zu den Vorwürfen

Heftiger Regen sorgt für Verkehrschaos in London

14.48 Uhr: Heftige Regenfälle und Gewitter haben am Sonntag in London für Verkehrschaos gesorgt. Mehrere Straßen, U-Bahn-Stationen und ein Tunnel wurden wegen Überflutung geschlossen, wie unter anderem die BBC berichtete. Eine Bahnstation der Docklands Light Railway in Stratford stand tief unter Wasser, wie auf Bildern des Senders „Sky News“ zu sehen ist. Etliche Videos zeigen außerdem, wie Busse und Autos von Wassermassen ausgebremst wurden. In vielen Bereichen der Stadt führte das zu großen Verzögerungen im Verkehr.

Die Feuerwehr sprach bereits am frühen Abend von mehreren Hundert Anrufen wegen vollgelaufener Keller oder überfluteter Straßen. Die Behörden warnten für mehrere Regionen im Südosten Englands vor weiteren Überflutungen, Bürgermeister Sadiq Khan rief dazu auf, nicht durch die Fluten zu fahren oder zu laufen.

Zwei Krankenhäuser im Osten Londons erklärten im Laufe des Abends, ihre Notaufnahmen seien vom Unwetter beeinträchtigt. Patienten sollten nach Möglichkeit auf andere Kliniken ausweichen.

Ein 28-jähriger Radfahrer sagte der britischen Nachrichtenagentur PA, er sei in London geboren und aufgewachsen, habe aber so etwas noch nie in der Stadt gesehen.

Das waren die News vom 25. Juli:

Neuer Starkregen angekündigt – Katastrophengebiete bereiten sich vor

16.20 Uhr: Nach den verheerenden Überflutungen mit mindestens 179 Todesopfern und noch immer Dutzenden Vermissten bereiten sich die Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auf neue Schauer und Gewitter vor. Dabei seien „lokal eng begrenzt“ Unwetter durch heftigen Starkregen möglich, berichtete der DWD am Samstag. In der Hochwasserregion in Rheinland-Pfalz richtete der Katastrophenschutz vorsorglich für die Bürger eine Notunterkunft ein.

Laut der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion wird dazu in möglicherweise betroffenen Orten informiert. „Die Vorbereitungen laufen. Die Bevölkerung wird in den Sozialen Medien noch einmal gewarnt und es werden Flugblätter verteilt“, sagte ein Sprecher. Demnach besteht keine akute Hochwassergefahr für die Ahr. Dennoch sei bei Niederschlag mit verstärktem Oberflächenwasser insbesondere in den Orten zu rechnen, in denen Teile der Kanalisation zerstört oder verstopft sind. Dadurch könne es örtlich zu einem neuen Einlaufen von Wasser in Kellern kommen.

Mit Sorge blickten die Menschen in den betroffenen Regionen auf die Wettervorhersagen. Am Samstagnachmittag sei mit teils kräftigen Schauern und Gewittern von Westfalen und Nordhessen bis nach Südniedersachsen hinein und an den Alpen zu rechnen, am frühen Abend auch im Südwesten. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit könne es regional auch zu Platzregen mit lokaler Überschwemmungsgefahr kommen. In einigen Regionen könnten größerer Hagel und Sturmböen oder schwere Sturmböen hinzukommen.

Das aktuelle Tief ist laut DWD allerdings nicht mit dem Tief Bernd zu vergleichen, das zu der Hochwasser-Katastrophe geführt hatte. Während das Tief Bernd sehr ortsfest gewesen sei und regional viel Regen gebracht habe, sorge das aktuelle Tief in Wellen für einigermaßen rasch ziehende Schauer und Gewitter. Entsprechend sind den Meteorologen zufolge zwar lokal hohe Regenmengen zwischen 20 und 40, teils auch bis zu 60 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit möglich. Danach sei bis zur nächsten Schauer- und Gewitterwelle aber eine Zeit lang Ruhe.

Polizei bittet Helfer, nicht mehr in Katastrophengebiet zu reisen

14 Uhr: Das Polizeipräsidium Koblenz und der Krisenstab appellieren an Helferinnen und Helfer, sich nicht mehr auf den Weg in das Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz zu machen. „Die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung ist weiterhin überwältigend und ungebrochen. Durch die Vielzahl an Helferinnen und Helfer, die sich heute in das Katastrophengebiet aufgemacht haben um zu helfen, kommt es aktuell leider zu einer völligen Überlastung sämtlicher Zufahrtsstraßen zum Ahrtal, sowie der Straßen im Katastrophengebiet selbst“, hieß es in einer Pressemitteilung vom Samstag. Insbesondere die Bundesstraße 257 aus Richtung Kreuz Meckenheim sei völlig überlastet.

Große Baumaschinen, die beispielsweise zum Straßen- und Brückenbau, sowie zum Wiederaufbau der Trinkwasserversorgung im Katastrophengebiet benötigt werden, können den Angaben zufolge ihren Einsatzort nicht erreichen und stehen im Stau. Ebenfalls kämen die Fahrzeuge, die zum Abtransport von Müll und Bauschutt eingesetzt werden sollten, sowie Einsatz- und Rettungsfahrzeuge nicht durch. Der Shuttlebusbetrieb nähe Haribo sei komplett eingestellt worden. Andere Shuttlebusse stehen laut Polizei im Stau. Es seien bereits mehrere Tausend Helferinnen und Helfer in die Gebiete gebracht.

„Bitte reisen Sie nicht mehr ins Katastrophengebiet an“, teilte die Polizei mit. Die Hilfe werde ganz sicher noch über einen langen Zeitraum benötigt und werde bestimmt auch noch an anderen Tagen und an anderer Stelle dankend angenommen.

Das waren die News vom 22. Juli:

Flutgebieten drohen neue Unwetter 

16.18 Uhr: Nach der Flutkatastrophe sind die Aufräum- und Rettungsmaßnahmen noch im vollen Gange – da blicken die Menschen in den betroffenen westdeutschen Gebieten bereits wieder mit Sorge auf die Wetteraussichten für das Wochenende. Es könne erneut Starkregen geben, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Donnerstag – wo genau, sei derzeit aber noch nicht genau vorherzusagen.

Schauerartiger Regen und Gewitter werden nach Angaben des DWD am Wochenende in Rheinland-Pfalz und auch im Saarland erwartet. Nach einigen Tagen Sonnenschein drohen auch in Nordrhein-Westfalen am Wochenende wieder Schauer und Gewitter mit Starkregen. „Es kann theoretisch und punktuell in den Unwetterbereich gehen“, hieß es vom DWD.

Die Bewölkung in Rheinland-Pfalz ziehe am Samstag auf, so die Meteorologin. Am Mittag gebe es zunächst im Westen schauerartigen Regen, am Nachmittag sei dann das ganze Gebiet betroffen. Auch am Sonntag können sich im Laufe des Tages örtlich Gewitter bilden. Am Freitag scheine in NRW zunächst noch die Sonne, vor allem im Südwesten. Am Samstag soll laut DWD von Südwesten dann Bewölkung aufziehen. Zunächst regne es in der Eifel, im Laufe des Nachmittags breiteten sich die Niederschläge aus. An beiden Tagen müsse man mit Gewittern rechnen, berichtete die Meteorologin.

Jahrhundert-Flut: Neuer Starkregen bedroht Katastrophengebiet

15.31 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hält Starkregen am Wochenende erneut für möglich. Für eine genaue Einordnung der Niederschlagsschwerpunkte sei es zwar noch zu früh, hieß es am Mittwoch in Offenbach. „Aber gerade die deutsche Modellkette deutet mit allen Unsicherheiten im Eifelumfeld erneut heftigen Starkregen an.“

Für Samstag sagt der DWD Gewitter vorher. 15 bis 25 Liter pro Quadratmeter seien „wahrscheinlich“, 25 bis 40 Liter „durchaus möglich und größere Mengen nicht ausgeschlossen“. Aktuell bestimmt allerdings erstmal ein Hoch mit Schwerpunkt bei den Britischen Inseln das Wetter in Deutschland.

„Da wir allerdings auf der Ostflanke des Zentrums liegen, kann vor allem in die Nordhälfte kühlere und teils auch feuchtere Nordseeluft einsickern“, sagte Lars Kirchhübel von der Wettervorhersagezentrale. „Entsprechend wird dort häufig ein freundlicher Sonne-Wolken-Mix zu beobachten sein, der nur selten einen Schauer bringt.“

Nach Süden kann Hoch „Dana“ die Wolken auflösen und der Sonne freie Bahn geben. Damit kommen sommerliche Temperaturen, die regional sogar über die 30-Grad-Marke steigen können. Am Oberrhein und im Osten sowie im Südosten stehen Ende der Woche ein oder zwei Hitzetage bevor.

„Doch schon ab Freitagabend kündigt sich von Südwesten der Wetterumschwung an¡, sagte Kirchhübel. Das Hoch sei nicht stark genug, um aufziehende Tiefs zu blocken. Es muss seinen Platz räumen und nach Osteuropa weiterziehen. Stattdessen übernimmt ein Tief über dem Ostatlantik und Westfrankreich die Regie. „Auf der Vorderseite des Tiefs wird von Südwesteuropa feuchtwarme bis heiße Luft Richtung Deutschland geschoben“, erklärte der Meteorologe.

Das Tief treibt laut DWD aber auch vertikale Luftumwälzungen an. Die Folge: Wolken türmen sich auf und bringen erneut kräftige Schauer und Gewitter. Betroffen sind zuerst der Westen und der Süden. Danach ist auch im Norden und Osten der Wetterwandel zu spüren.

Weitere Hilfe für Mecklenburg-Vorpommern für Hochwasser-Gebiete

14.30 Uhr: Mecklenburg-Vorpommern weitet seine Hilfe in den Hochwasser-Gebieten von Rheinland-Pfalz aus. Wie das Innenministerium in Schwerin am Mittwoch mitteilte, wurden von Ludwigslust aus neun Feldküchen in die Krisenregion geschickt. Zudem seien zur Unterstützung der Einsatzkräfte vor Ort 85 ehrenamtliche Helfer mit weiteren Hilfsgütern aus dem Nordosten entsandt worden. Etwa die Hälfte stellt der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), weitere Kräfte kommen von der Johanniter Unfallhilfe, vom Arbeiter-Samariter-Bund und von Spezialeinheiten der Feuerwehren.

„All das, was bei den Aufräumarbeiten benötigt wird, ist geladen“, erklärte DRK-Gruppenführer Frank Pech. Doch werde das Team hauptsächlich den Helfern vor Ort Hilfe leisten und sie verpflegen. Laut DRK gehört zu der Abordnung auch eine Gruppe von Psychosozialarbeitern. Der Präsident des DRK-Landesverbandes, Werner Kuhn, sprach den freiwilligen Helfern und deren Familien Dank und Anerkennung aus. Zugleich dankte er auch den Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter für den Einsatz freistellten.

Bereits unmittelbar nach den verheerenden Regenfällen in der vergangenen Woche waren ein Polizeihubschrauber und Transportfahrzeuge aus Mecklenburg-Vorpommern nach Rheinland-Pfalz verlegt worden. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) aus dem Norden hatten am Nürburgring, dem zentralen Einsatzort, eine Werkstatt aufgebaut, um dort Fahrzeuge und Rettungstechnik für den Katastropheneinsatz zu warten und zu reparieren.

Flut-Katastrophe: Bund beschließt Soforthilfe von 200 Millionen

12.38 Uhr: Die Bundesregierung hat eine Woche nach dem Beginn der Hochwasserkatastrophe eine Soforthilfe von 200 Millionen Euro beschlossen. Mittel in derselben Höhe sollen die betroffenen Länder beisteuern, so dass insgesamt bis zu 400 Millionen Euro bereit stehen. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) machte anschließend deutlich, dass der Bund bei Bedarf auch mehr Geld zur Verfügung stellen werde. „Wir werden das tun, was erforderlich ist.“

„An Geld wird es nicht scheitern“, betonte auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). „Dafür zahlen die Leute ja Steuern, dass ihnen in solchen Situationen geholfen wird.“

Außerdem ist ein milliardenschwerer Aufbaufonds geplant. Der Aufbau werde Jahre in Anspruch nehmen, sagte Scholz. Über die genaue Höhe des Fonds soll erst entschieden werden, wenn das Ausmaß der Schäden besser absehbar ist. Scholz wies aber darauf hin, dass beim letzten Hochwasser bis heute für den Wiederaufbau rund sechs Milliarden Euro ausgegeben worden seien. Der Bund werde auch in diesem Fall die Hälfte davon zur Verfügung stellen. Mit dem Wiederaufbau solle jetzt sofort begonnen werden. „Es gibt also nichts, womit man zögern muss. Die Zusage, die wir jetzt geben wollen, ist, dass diese Aufbauhilfe gleich beginnen kann.“

Scholz betonte, dass der Wiederaufbau unbürokratisch geschehen soll. „Wir wollen das ohne neue planrechtliche Regelungen machen. Wenn eine Brücke wieder hergestellt werden muss, wenn ein Haus wieder neu gebaut werden muss, wenn eine Schule wieder neu gebaut werden muss, muss man nicht ein neues Planfeststellungsverfahren auf den Weg bringen.“

THW rechnet kaum noch mit Flut-Überlebenden

09.25 Uhr: Die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), Sabine Lackner, sieht kaum noch Chancen, knapp eine Woche nach den Überschwemmungen im Westen Deutschlands noch Überlebende zu finden. „Wir suchen aktuell noch nach Vermissten, etwa beim Räumen der Wege oder Auspumpen der Keller“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). „Zu diesem Zeitpunkt ist es aber leider sehr wahrscheinlich, dass man Opfer nur noch bergen kann, nicht mehr retten.“

Die Zahl der Hochwasser-Todesopfer war innerhalb knapp einer Woche bis zum Dienstag auf mindestens 170 gestiegen. Aus Rheinland-Pfalz wurden 122 und aus Nordrhein-Westfalen 48 Unwetter-Tote bestätigt. Auch am Dienstag wurden noch Menschen vermisst – allein 155 im besonders betroffenen Kreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz. Rund 40 000 Menschen galten dort als betroffen von den Folgen des verheerenden Hochwassers und der Flut.

Das waren die News vom 20. Juli:

NRW-Innenminister Reul fordert Sirenen-Pflicht

21.36 Uhr: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) spricht sich nach der Unwetter-Katastrophe dafür aus, dass alle Kommunen im Land mit Sirenen ausgestattet werden. „Mein Ziel ist es, dass sich alle 396 Kommunen mit Sirenen ausrüsten. Wir haben in der aktuellen Lage wieder die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen nicht über Warn-Apps zu erreichen sind. Eine Verpflichtung mittels Sirene zu warnen, gibt es allerdings nicht“, sagte Reul dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

In NRW seien inzwischen 5200 Sirenen einsatzbereit, sagte der Minister, dennoch reiche bislang eine Alarmierung per App. Das soll künftig anders werden: „Ich werde mich aber dafür einsetzen, dass die Sirenen, die vorhanden sind, im Ernstfall auch benutzt werden müssen. Wir werden damit leben müssen, dass uns in Zukunft häufiger gefährliche Unwetter drohen. Eine Sirenenwarnung wirkt vielleicht nicht modern, bewirkt aber die notwendige Aufmerksamkeit, die wir brauchen.“

Ein besonderes Warnsignal für Hochwasser brauche es nicht, sagte Reul, aber: „Wichtig ist, dass die Menschen das Signal für Katastrophen ernst nehmen. Wer den Heulton hört, muss sich im Radio, Fernsehen oder in den digitalen Medien über die Situation informieren.“

Polizei warnt vor falschen Durchsagen im Krisengebiet

14.25 Uhr: Die Polizei hat vor falschen Durchsagen im Katastrophengebiet im Norden von Rheinland-Pfalz gewarnt. Es lägen Informationen vor, wonach dort Fahrzeuge mit Lautsprechern unterwegs seien, die polizeilichen Einsatzfahrzeugen ähnelten, teilte die Polizei in Koblenz am Dienstag mit. Mit diesen werde „wahrheitswidrig“ verbreitet, dass die Zahl der Einsatzkräfte verringert werde.

„Das ist eine Falschmeldung“, betonte die Polizei in der Mitteilung. „Die Polizei reduziert die Anzahl der Einsatzkräfte nicht und befindet sich weiterhin ohne Unterbrechung im Katastrophengebiet.“

Merkel erneut im Flutgebiet

12.25 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Dienstag in Bad Münstereifel angekommen. Zusammen mit Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) macht sich Merkel ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen. Zum Auftakt führte die Kanzlerin Gespräche mit dem Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers, und Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian.

Der Ort im Kreis Euskirchen ist von dem Unwetter der vergangenen Tage heftig betroffen. Merkel spricht anschließend mit Helferinnen und Helfern. Nach einem Treffen mit betroffenen Bürgern steht ein Gang durch das Gebiet auf dem Programm.

Merkel war am Wochenende bereits in Rheinland-Pfalz und hatte sich dort mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ein Bild von der Lage im Hochwassergebiet in der Ahreifel gemacht.

Rot-Grün will Hamburgs Hochwasserschutz überprüfen

11.29 Uhr: Angesichts der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz soll in Hamburg die Regenwasser- und Warninfrastruktur überprüft werden. Das sieht ein gemeinsamer Antrag der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen für die Bürgerschaft vor, wie die Fraktionsvorsitzenden Dirk Kienscherf und Dominik Lorenzen am Dienstag mitteilten. Es müsse eine Bestandsaufnahme vorgenommen und hinterfragt werden, „wo es weitere Potenziale zur Risikominimierung gibt“, sagte Kienscherf.

Hamburg habe bereits viele Maßnahmen wie die Entsiegelung von Flächen, die Renaturierung von Wasserläufen und den Ausbau der Entwässerungssysteme auf den Weg gebracht. Die Stadtplanung müsse die Risiken berücksichtigen. „Hamburg soll eine Schwammstadt werden, die bei Starkregen Wasser aufnimmt und verzögert abgeben kann.“

Die Katastrophe mache „einmal mehr deutlich, wie dringend nötig Klimaanpassungsmaßnahmen sind, um sich strategisch auf die wachsenden Herausforderungen von Extremwetterereignissen einzustellen, die auch in Hamburg immer häufiger stattfinden“, betonte Lorenzen. „Wir werden nun zügig einen gemeinsamen Antrag auf den Weg bringen, mit dem wir aktuell abfragen, wie Hamburg für Starkregen- und Hochwasserereignisse aufgestellt ist, wo noch nachgesteuert werden muss und auf welchen Wegen sich Bürger*innen in Notfällen informieren können.“

Nach Erdrutsch in Erftstadt: Viele Anwohner dürfen kurz zurückkehren

11.25 Uhr: In dem von einem Erdrutsch betroffenen Ortsteil Blessem im nordrhein-westfälischen Erftstadt sollen viele Anwohner in den kommenden Tagen zeitweise in ihre Häuser zurückkehren dürfen. Es gebe aber eine Sicherheitszone von 100 Metern rund um die Kiesgrube und die entsprechende Abbruchkante nach der Hochwasser-Katastrophe, sagte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises am Dienstag. Diese dürfe nicht betreten werden, vor allem an der Abbruchkante bestehe weiter „akute Lebensgefahr“.

Für die Straßenzüge außerhalb dieses Radius plane die Stadt derzeit, Bewohner kurz in ihre Häuser und Wohnungen zu lassen, um ihr Hab und Gut zu sichern. Die Betroffenen sollten dabei begleitet werden und nicht alle zeitgleich nach Blessem gelassen werden. „Wir haben dies in enger Abstimmung mit den Fachleuten heute entschieden und können damit immerhin einem Teil der Bevölkerung eine erste, wichtige Perspektive bieten“, hatte Landrat Frank Rock am Montag gesagt.

Die Zahl der gesuchten Menschen in Erftstadt habe sich derweil weiter auf etwa ein Dutzend Fälle reduziert, wie ein Sprecher der Polizei am Dienstag sagte. „Viele, viele Leute haben sich bei ihren Verwandten gemeldet und sind wohlauf“. Das Telefonnetz stabilisiere sich allmählich.

Einsatzkräfte pumpten zudem eine Regenrückhaltebecken an der überspülten Bundesstraße 265 aus, in dem zunächst noch Autos und Lastwagen befürchtet wurden. Dort wurden nach Abschluss der Arbeiten laut Angaben des Kreises von Dienstag aber weder Fahrzeuge noch Menschen entdeckt. In Blessem hatte ein gewaltiger Erdrutsch durch das Hochwasser in der vergangenen Woche Straßen und Häuser mitgerissen.

50 Millionen Euro für Hochwasser-Opfer in Bayern

09.04 Uhr: 50 Millionen Euro Soforthilfe sollen die bayerischen Hochwasseropfer nach Angaben von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vom Land erhalten. „Der Bund hat ja schon angekündigt, 300 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, wir werden heute erstmal 50 Millionen Euro bereitstellen für die Soforthilfen“, sagte Söder dem Bayerischen Rundfunk am Dienstag. Das Kabinett wollte sich am Morgen mit der jüngsten Hochwasserkatastrophe in Oberbayern und der Unterstützung der Betroffenen befassen.

Im südöstlichen Landkreis Berchtesgadener Land hatten am Wochenende heftige Unwetter in einigen Orten rund um Watzmann und Königssee für Erdrutsche und Überflutungen gesorgt. Der Schaden geht in die Millionenhöhe.

Sportboot auf Hochwasser-Donau: Paar aus Lebensgefahr gerettet

08.37 Uhr: Ein junges Paar ist mit einem Sportboot auf der Donau verunglückt und aus Lebensgefahr gerettet worden. Das Boot prallte zuvor mit großer Wucht gegen ein Wehr in der Donau bei Regensburg, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Aufgrund eines technischen Defekts sei das Boot antriebslos und „als Spielball der reißenden Donau“ gegen die Wehrmauer geschleudert.

„Wie durch ein Wunder“ sei das Boot auf der hochwasserführenden Donau nicht sofort gesunken. Somit habe die Feuerwehr das Paar mit einer Drehleiter retten können. Sie hätten bei dem Unfall lediglich einen Schock erlitten.

Das Boot sei daraufhin für eine spätere Bergung am Wehr angebunden worden. Trotz der Vertäuung sei es allerdings gesunken. Am Boot sei ein Schaden von mindestens 40.000 Euro entstanden. An dem Einsatz am Montagabend seien über 100 Einsatzkräfte beteiligt gewesen.

Sonderimpfaktion: Flut-Katastrophe soll nicht zum Superspreader-Event werden

08.19 Uhr: Nach der Flutkatastrophe sehen die betroffenen Länder die Gefahr erhöhter Corona-Risiken, etwa durch Hilfsaktionen oder die Unterbringung in Notunterkünften. „Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Bewältigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird“, sagte David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das Landesgesundheitsministerium bereite in Absprache mit den Behörden der betroffenen Landkreise eine Sonderimpfaktion in den Katastrophengebieten vor. Viele Rettungskräfte hätten bereits vollen Impfschutz.

„Eine erhöhte Gefahr der Ausbreitung von SARS-CoV-2 könnte sich vor allem durch die Unterbringung von Personen in Notunterkünften entwickeln“, zitierte der RND das Düsseldorfer Gesundheitsministerium. Die Gesundheitsämter vor Ort seien sich aber der zusätzlichen Gefahr bewusst. Sie könne durch Testungen, Masken und Lüften reduziert werden.

Merkel besucht erneut Katastrophengebiete

07.52 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht sich an diesem Dienstag (11.55 Uhr) ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen. Zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der zugleich Unionskanzlerkandidat ist, kommt sie nach Bad Münstereifel. Der Ort im Kreis Euskirchen ist von dem Unwetter der vergangenen Tage heftig betroffen. Merkel spricht mit Vertretern von Hilfsorganisationen sowie Helferinnen und Helfern. Nach einem Treffen mit betroffenen Bürgern steht ein Gang durch das Gebiet auf dem Programm.

Merkel war am Wochenende in Rheinland-Pfalz und hatte sich dort mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ein Bild von der Lage im Hochwassergebiet rund um Adenau gemacht. Der Bundespräsident war bereits am Samstag nach NRW gekommen: Frank-Walter Steinmeier hatte sich auf Einladung von Laschet die Situation im vom Hochwasser zerstörten Erftstadt angeschaut. Dort hatte im Stadtteil Blessem ein gewaltiger Erdrutsch Straßen und Häuser mitgerissen. Die Abbruchkante am Rand des Kraters galt zuletzt weiter als Risikozone.

Das waren die Flut-Nachrichten vom 19. Juli:

Soforthilfe für Flutopfer soll 400 Millionen Euro betragen

19.30 Uhr: Nach dem verheerenden Hochwasser wollen Bund und Länder die Flutopfer nicht nur mit millionenschweren Soforthilfen unterstützen, sondern ihnen später auch beim Wiederaufbau helfen. Wie Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) bereits angekündigt hat, sollen als schnelle Hilfen rund 400 Millionen Euro bereitstehen. Zusätzlich ist ein Aufbaufonds geplant, über den Bund und Länder nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur verhandeln wollen, sobald die entstandenen Schäden eingeschätzt werden können. Darüber hatte am Montag zunächst die „Rheinische Post“ berichtet.

Die Soforthilfe von 400 Millionen Euro soll demnach zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von den betroffenen Ländern getragen werden. Außerdem will der Bund den Ländern die Kosten für Rettungseinsätze von Bundespolizei, Technischem Hilfswerk (THW) und Bevölkerungsschutz erlassen. Auch die Bundeswehreinsätze im Überschwemmungsgebiet sollen den Ländern nicht in Rechnung gestellt werden. Das Hilfspaket soll am Mittwoch vom Kabinett auf den Weg gebracht werden. Auch vorher können die Länder allerdings schon Soforthilfen aus eigenen Töpfen auszahlen.

Hamburger Großkonzern spendet Mega-Summe für Betroffene

16.44 Uhr: Zur Unterstützung der Menschen in den Katastrophengebieten hat der Hamburger Großkonzern Beiersdorf, zu dem unter anderem die bekannten Marken NIVEA, Hansaplast und Labello gehören, eine große Summe Geld gespendet. „Beiersdorf hat mit großer Betroffenheit die Nachrichten und Bilder der Zerstörung nach den Starkregenfällen in Deutschland, Österreich, Belgien und den Niederlanden verfolgt“, heißt es in einer Mitteilung. „Als Zeichen der Solidarität und zur schnellen Unterstützung der von den Schäden der Unwetter Betroffenen, spendet Beiersdorf 1 Million Euro.“

Das Geld gehe an das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und an die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Beide sind Kooperationspartner von NIVEA und Hansaplast. Auch an die jeweiligen Rotkreuz-Landesgesellschaften in Benelux fließe ein Teil des Geldes.

„Viele unserer Mitarbeitenden haben signalisiert, dass auch sie helfen möchten, um die betroffenen Menschen in den Unwetterregionen zu unterstützen. Solidarität und gegenseitige Unterstützung sind tief in den Beiersdorf Werten verankert“, erklärte Beiersdorfs Personalvorstand Zhengrong Liu. „Wir werden unseren Mitarbeitenden in den nächsten Tagen eine unkomplizierte Möglichkeit zur Spende geben.“

Auch die Unternehmen der Schwarz Gruppe – Lidl, Kaufland, Schwarz Produktion und PreZero – wollen spenden: Ganze 10 Millionen Euro zur sofortigen Unterstützung in den Hochwassergebieten gehe an die „Aktion Deutschland hilft“. Die Unternehmen wollen so ihre Solidarität zum Ausdruck bringen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bevölkerung nicht gewarnt? Das sagt Seehofer zu den Vorwürfen

15.57 Uhr: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die föderale Struktur im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz verteidigt. Im Hochwasser-Krisengebiet in Euskirchen sagte er am Montag, es wäre unvorstellbar, dass die Arbeit in einer solchen Katastrophe zentral von irgendeinem Ort aus geleistet werden könne. „Zentralismus verbessert hier gar nichts“, sagte er. Unter anderem seien Ortskenntnisse notwendig. In den Hochwassergebieten seien etwa 2700 Helfer des Technischen Hilfswerks sowie weitere 800 Bundespolizisten im Einsatz.

Seehofer sagte, nach Realisierung der Hilfen werde in einem weiteren Schritt darüber zu reden sein, wo Verbesserungen möglich seien und wo die Zusammenarbeit enger gestaltet werden könne.

Auf Kritik, dass die Bevölkerung nicht früh genug gewarnt worden sei, sagte Seehofer unter Verweis auf das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, dass die Meldewege, soweit der Bund zuständig sei, funktioniert hätten. Manches, was jetzt zu hören sei, müsse er einer „billigen Wahlkampf-Rhetorik“ zuordnen.

Zeichen der Solidarität: Rathaus in Tel Aviv leuchtete schwarz-rot-gold

15.25 Uhr: Die israelische Küstenmetropole Tel Aviv hat nach der Flutkatastrophe mit mehr als 150 Toten ein Zeichen der Solidarität mit Deutschland gesetzt. Das Tel Aviver Rathaus wurde am Sonntagabend in den Farben der deutschen Flagge angeleuchtet. Bürgermeister Ron Chuldai sprach „dem deutschen Volk und unseren vielen Freunden in unseren Partnerstädten in Deutschland“ sein Beileid aus. „Im Namen der Einwohner Tel Avivs sende ich Wünsche für eine rasche Erholung von dieser furchtbaren Katastrophe.“

Das Rathaus in Tel Aviv leuchtet schwarz-rot-gold
Das Tel Aviver Rathaus wurde am Sonntagabend in den Farben der deutschen Flagge angeleuchtet

Israels neuer Präsident Izchak Herzog hatte zuvor sein Beileid ausgesprochen und Hilfe angeboten. In einem Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb Herzog, er übermittle im Namen des Volkes Israel „in dieser Zeit der Zerstörung und des Verlusts unsere Freundschaft und Unterstützung des deutschen Volkes“. Der Staat Israel stehe fest an Deutschlands Seite, „und wir sind bereit, in jeder möglichen Weise zu helfen“.

Rotes Kreuz: Versorgung mit Blutkonserven nach Flut gefährdet

14.11 Uhr: Der Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sieht nach der Hochwasserkatastrophe die ausreichende Versorgung mit Blutkonserven gefährdet. In den tendenziell blutspendefreundlichen ländlichen Gebieten von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sei die Infrastruktur dermaßen geschädigt, dass vielerorts auf absehbare Zeit keine Blutspendetermine mehr wahrgenommen werden könnten, teilte der große Versorger mit Blutpräparaten am Montag mit. Da es bereits seit längerem gravierenden Mangel gebe, schlage man nun Alarm und rufe die Bevölkerung dringend zum Blutspenden auf.

„Wegen des geringen Blutspendeaufkommens können die Anforderungen der Kliniken über bestimmte Blutgruppen nur noch zur Hälfte erfüllt werden“, hieß es in dem Appell. Zudem berichten laut DRK viele Krankenhäuser bereits über verschobene Therapien und Operationen.

Die Versorgungslage im gesamten Blutspendewesen ist demnach bereits seit längerem kritisch. So sei der Bedarf nach Blutkonserven zuletzt sprunghaft angestiegen, weil in der sich entspannenden Corona-Lage viele zuvor verschobene Operationen nachgeholt wurden. Es sei dringend notwendig, in den kommenden Wochen trotz sommerlicher Temperaturen, Urlaubszeit und vieler wiedergewonnener Freizeitmöglichkeiten, eine lückenlose Versorgung sicherzustellen.

Neben dem Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes können Bürger auch in Unikliniken, vielen Krankenhäusern oder bei kommunalen und privaten Blutspendezentren Blut spenden.

Aufatmen an der Steinbachtalsperre – Abbruchkante Erftstadt weiter riskant

12.37 Uhr: Aufatmen für die Anwohner rund um die seit Tagen vom Hochwasser bedrohte Steinbachtalsperre: „Ein Dammbruch ist jetzt nicht mehr zu befürchten“. Das hat die Bezirksregierung Köln am Montag mitgeteilt. Zuvor hatten Fachleute die Standsicherheit des Damms begutachtet. In den vergangenen beiden Tagen sei so viel Wasser abgelassen und abgepumpt worden, dass die Experten nun von einer stabilisierten Lage ausgingen, heißt es in einer Mitteilung der Bezirksregierung bei Twitter. „Die Talsperre wird in den nächsten Tagen abgefischt und dann vollständig entleert.“

Am Vormittag wollten sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein Bild von der Lage an der Steinbachtalsperre machen.

Der Rhein-Sieg-Kreis meldete, die Evakuierungsmaßnahmen für Swisttal und Rheinbach könnten nun aufgehoben werden. Dort hatten die Bewohner in einigen Ortsteilen ihre Wohnungen verlassen müssen. Für einige Orte im Kreis Euskirchen galt allerdings noch für einige Stunden ein Betretungsverbot. Um den gefährlichen Druck auf die Staumauer zu verringern, habe der Wasserpegel um sechs bis sieben Meter gesenkt werden müssen, berichtete der Rhein-Sieg-Kreis.

In dem vom Hochwasser besonders stark geschädigten Erftstadt bildet die Abbruchkante hingegen weiterhin ein Risiko. Zwar sei die Kiesgrube hinter dem Ortsteil Blessem weiträumig abgesperrt, sagte die Bürgermeisterin der nordrhein-westfälischen Gemeinde, Carolin Weitzel, am Montag im „Morgenmagazin“ von WDR 2. „Ein weiteres Nachrutschen von Erdmassen ist jedoch jederzeit möglich.“ Die betroffenen Stadtteile würden permanent mit Drohnen überwacht.

Gleichzeitig liefen geologische Untersuchungen. „Sobald der Ort als begehbar eingestuft wird, beginnen Prüfungen der Statik“, sagte Weitzel. Im Ortsteil Blessem besteht in der Nähe der Abbruchkante akute Lebensgefahr.

Unter Hochdruck und Einsatz sämtlicher verfügbarer Ressourcen laufe auch die Suche nach Vermissten, berichtete die Bürgermeisterin. Im Einsatz mit den Rettungskräften vor Ort seien Roboter, Sonargeräte, Drohnen und Suchhunde. Schwerpunktmäßig würden jetzt Liegenschaften in Blessem und die Bundesstraße 265 untersucht.

Jahrhundert-Katastrophe: Neues Tief zieht in Richtung Flutgebiete

12.15 Uhr: Nach den verheerenden Unwettern der vergangenen Tage bedroht ein neues Tief die Flut-Gebiete im Süden Deutschlands. Wie Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met der „Bild“-Zeitung sagte, ziehen Schauer und Gewitter am Freitag und Samstag durch ganz Deutschland.

„Was da genau passiert, müssen wir allerdings noch abwarten. Auf jeden Fall gibt es wieder Schauer und Gewitter, teilweise auch Unwetter und das auch in den Katastrophengebieten“, erklärte Jung. Der Wetterexperte kann aber auch etwas beruhigen: „Es soll nach aktuellem Stand bei Weitem nicht mit dem vergleichbar sein, was da letzte Woche vom Himmel kam.“   

Bis dahin haben die Flutgebiete die Chance, etwas aufzuatmen: Das Hoch Dana über den Großbritannien sorgt in den nächsten Tagen für sonniges und trockenes Wetter. „In den kommenden Tagen ist kaum Regen in Sicht und damit auch kein Nachschub mehr! Die Wetterlage wird sich also auch (in den Unwettergebieten) entspannen“, sagte Dominik Jung.

Nach den Fluten: Öl und Diesel verschmutzen in NRW die Gewässer

11.49 Uhr: Mit dem Hochwasser kommt der Dreck: Das Landesumweltamt (LANUV) in Nordrhein-Westfalen rechnet damit, dass durch die Fluten Öl, Diesel und andere Schadstoffe in die Gewässer eintreten werden.

Bereits am frühen Donnerstagmorgen seien die ersten Ölschlieren auf dem Rhein bei Bad Honnef gefunden worden. „Die Leute haben das auch schon gemeldet, dass es riecht und Schlieren auf dem Wasser sind“, sagte eine Sprecherin des LANUV am Montag.

Heizöltanks in Kellern seien aufgeschwemmt worden, Rohre aufgerissen und Kraftstoffe aus den weggespülten Autos ausgetreten, sagte die Sprecherin. Deshalb müsse in den nächsten Tagen mit Öl und Diesel in Gewässern gerechnet werden.

Auch in Erftstadt-Blessem, wo die Lage nach einem Erdrutsch besonders angespannt war, sind die ersten Umweltfolgen bereits spürbar. Das Wasser, durch das man auf den Straßen von Blessem watete, roch beißend nach Benzin und hatte einen öligen Schleier. Wo sich das Wasser schon zurückgezogen hatte, blieb Unrat zurück, der aus Häusern und Garagen geschwemmt worden war.

Oberste Priorität für das LANUV habe zunächst die Trinkwasserversorgung, sagte die Sprecherin am Montag. Wasserversorger würden über einen sogenannten Warn- und Alarmplan über mögliche Befunde informiert und könnten dann Maßnahmen ergreifen. „Über andere Umweltfolgen haben wir noch gar keinen Überblick“, sagte die Sprecherin. Dafür müssten die Pegelstände zunächst weiter sinken.

Bereits am Samstag hatte der Wupperverband von einer massiven Verschmutzung der Wuppertalsperre berichtet. Durch die Überflutung von Firmengeländen, Betriebsflächen und Häusern seien verschiedene Substanzen in die Wuppertalsperre gelangt. Der Verband schrieb, dass eine Nutzung der Talsperre für Boote, Angler, Schwimmer oder Taucher deshalb nicht möglich sei.

Hamburger Polizisten nach Katastrophenhilfe in NRW zurückgekehrt

11.25 Uhr: Nach mehrtägigem Einsatz im Katastrophengebiet von Nordrhein-Westfalen sind mehr als 50 Hamburger Polizeibeamte wieder zurückgekehrt. Sie hätten beim Suchen und Retten von Menschen geholfen, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Einige wenige Beamte aus Hamburg seien noch im Einsatzgebiet.

Die insgesamt 61 Kräfte der Bereitschafts- und der Wasserschutzpolizei – unter ihnen auch Taucher – hatten sich am vergangenen Donnerstag auf den Weg gemacht. Sie hatten neben zahlreichen Fahrzeugen mehr als ein Dutzend Boote dabei.

Acapella-Quartett rührt Menschen zu Tränen

10.32 Uhr: Im besonders vom Hochwasser getroffenen Landkreis Ahrweiler hat ein Acapella-Quartett seinen Mitbürgern inmitten all der Verwüstung ein wenig Hoffnung gemacht. „Das Schönste, das wir haben, schon all die vielen Jahre, ist unser Viertel“, singen die vier Männer. „Denn hier hält man zusammen.“ Wie das ZDF berichtete, hatten die Sänger den ganzen Tag über beim Aufräumen geholfen. Ihr Gesang rührte die Zuhörer zu Tränen.

Ein Lichtblick aufgenommen in Ahrweiler Janina Fe danke

Posted by Natascha Welsch Mota on Saturday, July 17, 2021

Zahl der Flut-Todesopfer im Kreis Ahrweiler auf 117 gestiegen

09.59 Uhr: Die Zahl der Todesopfer nach den verheerenden Überschwemmungen im Kreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) ist auf 117 gestiegen. Zudem seien mindestens 749 Menschen verletzt worden, teilte eine Polizeisprecherin in Koblenz am Montag mit. Wie viele Menschen noch vermisst werden, ist weiterhin unklar. Am Sonntag war die Zahl der Flut-Toten in Rheinland-Pfalz mit 110 angegeben worden.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) besucht im Tagesverlauf in Ahrweiler ein Krankenhaus. Nach Angaben des Technischen Hilfswerks (THW) will er sich vor Ort einen Eindruck von den Arbeiten in den besonders von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Gebieten verschaffen. Zuvor besucht er in Nordrhein-Westfalen Einsatzkräfte an der seit Tagen bedrohten Steinbachtalsperre.

Flutkatastrophe: So ist die Lage in Bayern

08.19 Uhr Die Lage in den Hochwassergebieten im Süden und Osten Bayerns hat sich etwas entspannt. In Passau lag der Pegel der Donau am frühen Montagmorgen bei 8,18 Metern und damit unterhalb der höchsten Hochwasserwarnstufe von 8,50 Metern. Von katastrophalen Zuständen sei man zum Glück noch entfernt, sagte ein Sprecher der Polizei in Passau am Montag.

Auch im besonders stark von Unwettern getroffenen Berchtesgadener Land konnten die Menschen etwas aufatmen. „Die Nacht verlief ruhig“, hieß es bei der Feuerwehr. Die Helfer seien jetzt mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Anlass zur Hoffnung geben auch die Wetteraussichten. Bis auf einzelne kurze Schauer soll es in den kommenden Tagen trocken bleiben. Unwetter seien derzeit nicht in Sicht, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes.

Völlige Entwarnung gibt es gerade in Städten wie Passau aber noch nicht. Uferpromenaden und Parkplätze waren bereits überflutet worden, Bewohner schützen ihre Häuser mit Sandsäcken und Barrieren. Der Scheitel der Hochwasserwelle wurde gegen 9.00 Uhr erwartet. Auch andernorts stiegen die Pegel, etwa in Neuburg an der Donau, wo die Hochwassermeldestufe drei erreicht wurde.

Das waren die Flut-Nachrichten vom 18. Juli:

Plünderungen nach Unwetterkatastrophe: Drei Verdächtige in U-Haft

20.13 Uhr: Nach Plünderungen im vom Unwetter getroffenen Eschweiler bei Aachen sitzen drei Verdächtige in Untersuchungshaft. Das erklärte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Sonntag in einer vorab aufgezeichneten Fernsehansprache im WDR. Eschweiler ist besonders hart von den Auswirkungen des Hochwassers betroffen. „Es macht mich daher wütend, wenn ich höre, dass gerade jetzt Menschen in ihre verwüsteten Häuser zurückkehren und feststellen, dass Plünderer das wenige gestohlen haben, was ihnen noch geblieben ist“, sagte Laschet.

Außerdem forderte er als Konsequenz aus der Hochwasserkatastrophe mehr Vorsorge gegen Extremwetter. „Wir müssen Dämme bauen, Rückhaltebecken, Wasserreservoirs, Flächen renaturieren – Schutz nicht nur am Rhein, sondern auch an den großen und den vielen kleinen Flüssen überall im Land“, sagte Laschet am Sonntagabend laut Redemanuskript in einer Fernsehansprache im WDR. „Kurz: Natur, Umwelt, Leib und Leben schützen – quasi das Immunsystem unserer Heimat stark machen, damit wir besser gegen Wetterextreme gewappnet sind.“

Die Häufigkeit und die Wucht solcher Katastrophen seien auch eine Folge des Klimawandels, bekräftigte Laschet. „Den müssen wir hier und weltweit schneller und konsequenter bekämpfen. Das Klima gewährt keinen Aufschub.“

Hochwasser in Bayern – Söder: „Wir lassen niemanden allein“

17.43 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat den vom Hochwasser betroffenen Menschen in Südostbayern Hilfe und Unterstützung zugesichert. „Wir lassen da niemanden allein, ganz sicher nicht“, sagte Söder am Sonntagnachmittag in Schönau am Königssee. Unabhängig von in Aussicht gestellten Hilfen des Bundes werde man auch in Bayern überlegen, wie man helfen könne.

„Wir trauern um alle Opfer, wir beten mit den Angehörigen, wir wünschen allen, die noch betroffen sind, alles Gute“, sagte Söder. Zudem dankte er den Rettungskräften, die Übermenschliches leisteten.

Mit Blick auf das Hochwasser im Westen Deutschlands sprach Söder von einer „absoluten Super-Katastrophe“. In Relation dazu sei die Situation in Bayern nun zwar „sehr, sehr schlimm“, wenn auch nicht ganz so dramatisch. Für die einzelnen Betroffenen sei es aber genau gleich schlimm. „Deswegen muss uns jedes Schicksal wertvoll sein.“

Söder mahnte, man müsse nun sowohl bei Klimaanpassungsmaßnahmen als auch beim Klimaschutz das Tempo beschleunigen. Bis 2040 wolle Bayern klimaneutral werden, „und da werden wir uns richtig anstrengen müssen dafür“, sagte der CSU-Chef. Aber auch wenn Klimaschutz teuer sei: „Am Ende sind die Kosten des Nichtstuns viel, viel teurer.“

Söder und Scholz besuchen bayerische Krisenregion

15.16 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sind am Sonntagnachmittag im Hochwassergebiet in Südostbayern eingetroffen. Sie wurden nach Angaben eines Sprechers zunächst in Berchtesgaden von Landrat und Einsatzleiter über die aktuelle Situation informiert. Anschließend wollten sie sich auch in Schönau am Königssee ein Bild von der Lage machen. Dort ist am Nachmittag auch ein Pressetermin geplant, an dem auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) teilnehmen will.

Insbesondere der Landkreis Berchtesgadener Land wird seit der Nacht schwer von Hochwasser getroffen. Zwei Menschen starben, mehr als 100 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen.

Noch immer Ausfälle beim Mobilfunknetz

15.09 Uhr: Nachdem der Mobilfunk in den Hochwasser-Regionen teilweise ausgefallen war, arbeiten die Telekommunikationsanbieter unter Hochdruck am Wiederaufbau. Von den rund 150 betroffenen Stationen seien inzwischen wieder zwei Drittel in Betrieb, sagte ein Sprecher des Netzbetreibers Telefónica (o2) am Sonntag. In den meisten Fällen waren die Antennen aus, weil die Stromversorgung unterbrochen war. Etwa 50 Stationen sind noch außer Betrieb. „Viele der noch ausgefallenen Stationen befinden sich an Orten, die noch nicht wieder zugänglich sind“, sagte der Sprecher. Es seien vier mobile Stationen im Einsatz, zehn weitere stünden bereit.

Bei Vodafone waren am Sonntag noch ein Sechstel der Mobilfunkstationen in den deutschen Hochwasser-Katastrophengebieten nicht am Netz, wie ein Firmensprecher berichtete. Bei Anlagen in umliegenden Gebieten sei die Reichweite erhöht worden, um eine „Basisversorgung“ zu ermöglichen. Bei einer solchen Basisversorgung ist die Leistung etwas schwächer als sonst üblich, aber immerhin ermöglicht sie mancherorts wieder Verbindungen. Auch Vodafone setzt auf mobile Einheiten, um Funklöcher zu stopfen. Nach Schätzung der Düsseldorfer Firma sind zehn Prozent der Kunden in den Katastrophengebieten noch ohne Empfang, also im Funkloch.

Bei der Telekom sind ebenfalls noch Funklöcher in den Hochwassergebieten vorhanden. Es gebe Mobilfunkstandorte und Kabel, an die man für die Reparatur noch nicht heran komme oder aus Gefahrengründen nicht heran dürfe, sagte ein Firmensprecher. Zahlreiche Standorte seien inzwischen aber wieder am Netz.

Dreyer: Werden nicht ruhen, bis Vermisste gefunden wurden

14.56 Uhr: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) geht von einem „Kraftakt auf lange, lange Zeit“ aus, bis der Wiederaufbau in den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Gebieten bewältigt ist. „Es wird lange dauern, bis die Leute wieder sagen können: Ich erkenne meine Heimat wieder“, sagte sie am Sonntag bei einem Besuch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Adenau.

Vorrang habe nun die Suche nach den noch immer Vermissten. „Wir werden nicht ruhen, bis die Menschen, die vermisst werden, gefunden werden“, versprach sie. Auch Merkel sagte, die Rettungsarbeiten hätten „absoluten Vorrang“. Die Unwetterkatastrophe im Landkreis Ahrweiler hat bislang 110 Todesopfer gefordert, 670 Menschen wurden verletzt.

Merkel: „Deutsche Sprache kennt kaum Worte für diese Verwüstung“

14.49 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei einem Besuch im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz mehr Anstrengungen beim Klimaschutz versprochen. „Wir sehen, mit welcher Gewalt die Natur agieren kann“, sagte Merkel am Sonntag in der Eifelgemeinde Adenau. „Wir werden uns dieser Naturgewalt entgegenstemmen – kurzfristig, aber auch mittel- und langfristig.“ Es bedürfe einer Politik, „die die Natur und das Klima mehr in Betracht zieht, als wir das in den letzten Jahren gemacht haben“.

Gleichzeitig kündigte die Kanzlerin schnelle Hilfe an: „Wir stehen an Ihrer Seite, Bund und Land“, sagte sie in Adenau im Kreis Ahrweiler. Bund und Land würden Hand in Hand arbeiten, „um die Welt wieder Schritt für Schritt in Ordnung zu bringen in dieser wunderschönen Gegend“. Sie sei gekommen, um sich ein reales Bild von den surrealen, „gespenstischen Bildern“ vor Ort zu verschaffen, sagte Merkel. „Die deutsche Sprache kennt kaum Worte für die Verwüstung, die hier angerichtet ist.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (3.v.r.) und Malu Dreyer (2.v.r,SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, gehen durch das vom Hochwasser verwüstete Dorf Schuld in der Nähe von Bad Neuenahr-Ahrweiler
Bundeskanzlerin Angela Merkel (3.v.r.) und Malu Dreyer (2.v.r,SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, gehen durch das vom Hochwasser verwüstete Dorf Schuld in der Nähe von Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Am kommenden Mittwoch werde die Bundesregierung ein Programm verabschieden für schnelle Hilfen, mittelfristige Aufgaben und zur Wiederherstellung der Infrastruktur, versicherte Merkel. Es gehe darum, schnell zu handeln, aber mit langem Atem.

Die Kanzlerin hatte sich zuvor ein Bild von den vom Hochwasser besonders betroffenen Gebieten gemacht. Gegen Mittag besuchte sie die Eifelgemeinde Schuld, die von der Flutkatastrophe verwüstet worden war. Die Unwetterkatastrophe im Landkreis Ahrweiler hat bislang 110 Todesopfer gefordert, 670 Menschen wurden verletzt. Begleitet wurde Merkel unter anderem von der Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Weitere Häuser im Berchtesgadener Land evakuiert

14.09 Uhr: Im Hochwassergebiet des Berchtesgadener Landes müssen weitere Häuser evakuiert werden. Das betreffe einen Teilbereich an der Königsseer Ache, teilte das Landratsamt am Sonntag mit. Wie viele Menschen betroffen seien und was wo genau drohe – also Hochwasser oder ein Hangabrutsch – konnte eine Sprecherin noch nicht sagen. Die Entscheidung sei erst vor kurzem getroffen worden.

Den Angaben der Stadt zufolge konnten Einsatzkräfte bislang 70 Fahrzeuge bergen, 25 stünden noch im Wasser. Bislang wurden keine Menschen in den Autos und Lastwagen entdeckt. Zwei Fahrzeuge konnten Helfer bislang nicht sichten, weil sie unter einem Lkw lagen.

Die betroffenen Menschen würden direkt kontaktiert. „Wichtig ist, auf die Anweisungen der Einsatzkräfte zu achten, zügig das betroffene Gebiet zu verlassen und sich zum angeordneten Sammelpunkt zu begeben.“

Zuvor wurden 135 Menschen in Sicherheit gebracht. Denn in Schönau am Königssee droht ein Hangabrutsch, ein Geologe sei vor Ort, um die Lage zu bewerten, so das Landratsamt. Es sei immer noch schwer, die Lage insgesamt zu beurteilen. Es regne immer wieder, auch heftiger, sagte die Sprecherin.

Menschen suchen in Erfstadt weiter verzweifelt nach vermissten Angehörigen

14.03 Uhr: In der vom Hochwasser besonders betroffenen Ortschaft Erftstadt westlich von Köln suchen zahlreiche Menschen nach ihren Angehörigen. 34 Menschen wurden bei der „Personenauskunftsstelle“ der Stadt gemeldet, deren Aufenthaltsort ungewiss ist, sagte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises am Sonntag. Noch am Samstag lag die Zahl der Gesuchten bei 59. „Es konnten zum Glück schon einige gefunden werden“, sagte der Sprecher. Einige Menschen hätten zeitweise kein Telefonnetz oder Handy gehabt und sich inzwischen gemeldet.

Unter den Gesuchten seien auch Bewohner einer Altenpflegeeinrichtung, die am Samstag evakuiert werden musste. Viele Menschen wüssten nicht, wo ihre Angehörigen sein könnten, weil etwa das Telefonnetz zusammengebrochen war, teilte der Rhein-Erft-Kreises weiter mit.

In Erftstadt waren am Samstag erste Aufräumarbeiten angelaufen. Die Bundeswehr begann damit, auf der Bundesstraße 265 bei Erftstadt die von den Fluten eingeschlossenen Fahrzeuge mit Radpanzern zu bergen.

Merkel im Krisengebiet eingetroffen

13.56 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Sonntag zu einem Besuch in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz eingetroffen. Gegen Mittag war Merkel in der Eifelgemeinde Schuld, die besonders schwer von der Flutkatastrophe getroffen worden war.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (4.v.l.) und Malu Dreyer (5.v.l,SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, stehen während ihres Besuchs in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten auf einer Brücke, um die Schäden zu begutachten und mit Betroffenen zu sprechen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (4.v.l.) und Malu Dreyer (5.v.l,SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, stehen während ihres Besuchs in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten auf einer Brücke, um die Schäden zu begutachten und mit Betroffenen zu sprechen.

Der Ortsbürgermeister von Schuld, Helmut Lussi, begrüßte Merkel. Die Kanzlerin wolle sich vor Ort ein Bild von der Lage machen, hieß es im Vorfeld. Begleitet wurde sie unter anderem von der Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und weiteren Ministern der Landesregierung.

Merkel sprach mit Einsatzkräften und Betroffenen. Sie fragte die Helfer, ob sie genug Schlaf bekämen, wie die Trinkwasserversorgung klappe, was ihre größten Probleme seien, auch wie es ihnen persönlich gehe. „Einen Kollegen hat es ganz schwer getroffen, da ist das ganze Haus weg“, sagte einer der Feuerwehrmänner. „Haben Sie noch etwas, was Sie uns mitgeben wollen?“, fragte Merkel am Ende des Gesprächs.

Gegen 14 Uhr stieg die Kanzlerin in ein Auto, um in weitere Eifel-Orte zu fahren. Für den Nachmittag war ein Pressestatement in Adenau geplant. Die Unwetterkatastrophe im Landkreis Ahrweiler hat bislang 110 Todesopfer gefordert, 670 Menschen wurden verletzt.

Aufziehendes Hoch verringert Unwetter-Gefahr

13.25 Uhr: Erleichterung bei den von Unwettern geplagten Menschen in Deutschland: Das Hoch «Dana» über den Britischen Inseln sorgt nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für freundlicheres, vor allem trockeneres Sommerwetter. Erst zum kommenden Wochenende steigt die Gewitter- und Unwettergefahr nach Angaben der Meteorologen vom Sonntag wohl wieder deutlich an.

Vor allem in der Südhälfte Deutschlands ist in den kommenden Tagen längerer Sonnenschein möglich, während in der Nord- und Nordosthälfte zunächst noch dichtere Wolken für Regen sorgen können. Insbesondere an der Küste könnte es am Dienstag zu gelegentlichen Schauern kommen. Bei Höchstwerten von 18 bis 24 Grad ist es dort am Montag und Dienstag auch merklich kühler als im Süden mit Höchsttemperaturen von 23 bis 29 Grad.

Von Mittwoch bis Freitag kann sich den Angaben zufolge auch in der Nordhälfte die Sonne stärker durchsetzen. Am Donnerstag könne es dann an den Küsten 23 bis 29 Grad warm werden. Allerdings ist das sommerlich-sonnige Wetter den Prognosen zufolge nicht von Bestand: Von Samstag an soll bei schwülwarmer Luft das Gewitterpotenzial vom Südwesten Deutschlands aus wieder zunehmen.

Riesige Spendenbereitschaft für Betroffene

13.01 Uhr: Die Hilfsbereitschaft angesichts der Not der Anwohner in den Hochwasser-Gebieten ist groß. Die Lager mit Lebensmittel- und Kleiderspenden seien gut gefüllt, berichteten am Sonntag die Kreise Euskirchen und Rhein-Erft in Nordrhein-Westfalen. Beide Kreise haben Konten für Hochwasser-Hilfen eingerichtet und bitten um Geldspenden. Sachspenden gebe es derzeit genug. „Die Räume sind begrenzt, momentan reicht das, was da ist“, sagte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises. Auch der Kreis Euskirchen erklärte, die kommunalen Anlaufstellen seien ausreichend versorgt. Der Bedarf sei gedeckt. „Es besteht vielerorts das Problem, dass zusätzliche Spenden nicht verwaltet und gelagert werden können.“

Zahl der Toten in NRW steigt weiter an

12.33 Uhr: In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Unwetterkatastrophe auf 46 gestiegen. Das teilte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums am Sonntag mit. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer gegenüber Samstag um eine Person erhöht.

Situation in Wassenberg immer noch sehr angespannt

11.36 Uhr: Nach dem Bruch eines Damms der Rur gibt es noch keine Entwarnung im nordrhein-westfälischen Wassenberg. Zwar seien sinkende Wasserpegel in allen Ortsteilen zu beobachten und die Wassermassen könnten zunehmend wieder über die Kanalisation aufgenommen werden. Im teilweise unter Wasser stehenden Stadtteil Ophoven könnten aber weitere Dammbrüche noch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, teilte die Stadt am Sonntag mit.

„Die Lage ist recht unüberschaubar“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Sonntagmorgen. Etwa 700 Bewohner von Ophoven an der Grenze zu den Niederlanden hatten in der Nacht zum Samstag ihre Häuser verlassen müssen. Man prüfe derzeit, welche Bewohner in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren dürfen. Einige Straßen konnten wieder genutzt und an das Stromnetz angeschlossen werden, hieß es bei der Stadt.

Auch in der Ortschaft Ohe sei die Stromversorgung überwiegend wiederhergestellt, die Menschen durften teilweise wieder in ihre Wohnungen zurück. Die Vorwarnung für eine Evakuierung in den Ortschaften Effeld und Steinkirchen wurde aufgehoben. Es wurde dringend darum gebeten, von nicht notwendigen Besuchen in den Hochwassergebieten abzusehen.

Wie groß der Schaden durch den Dammbruch ist, ist bislang noch nicht bekannt. Die Rur hat ihre Quelle in der Eifel und mündet bei Roermond in den Niederlanden in die Maas.

Weiter kritische Lage in Hallein

10.48 Uhr: Im Gegensatz zu Sachsen bleibt die Lage in den österreichischen Hochwasser-Regionen weiter angespannt, vor allem im stark betroffenen Hallein. Die Behörden seien dabei, tiefer gelegene Teile der Stadt gegen eine neuerliche Überflutung zu sichern, sagte ein Sprecher am Sonntag. Mehrere Dutzend Bewohner einer Siedlung in einem Stadtteil mussten vorsorglich ihre Wohnungen räumen.

Zugleich seien Aufräumarbeiten in der Altstadt im Gange. „Wir gehen von einem Millionenschaden aus“, so der Stadtsprecher. Einige Gebäude sowie Teile der Infrastruktur seien schwer beschädigt. Zum Glück werde nach bisherigen Erkenntnissen niemand vermisst oder sei verletzt worden.

Wassermassen hatten am Samstagabend Teile der Altstadt von Hallein nahe Salzburg überflutet. Ein Bach hatte sich zu einem reißenden Strom entwickelt. Auch in Kufstein in Tirol standen am Sonntag Teile der Stadt unter Wasser.

Entwarnung für Nebenarme der Elbe

10.39 Uhr: Gute Nachrichten kommen indes aus Sachsen: Nach heftigem Regen mit Überschwemmungen hat das Landeshochwasserzentrum Entwarnung für die Nebenflüsse der Oberen Elbe gegeben. „Mit dem Nachlassen der Niederschläge ab den Nachtstunden beruhigte sich die Lage, und die Wasserführung in den Fließgewässern fiel deutlich“, teilten die Experten am Sonntag mit. Nur noch am Pegel der Wesenitz in Bischofswerda wurde demnach in der Region Alarmstufe 1 erreicht. In den Unterläufen von Kirnitzsch, Lachsbach und Wesenitz fielen die Wasserstände deutlich.

Der Behörde zufolge hatte es in den Einzugsgebieten der Kirnitzsch, der Sebnitz, der Polenz und der Wesenitz lokal innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Liter pro Quadratmeter geregnet. Daraufhin war es am Samstagabend und in der Nacht zu Sonntag zu Überschwemmungen und Erdrutschen gekommen.

Zwei Tote im Berchtesgadener Land

9.55 Uhr: Zwei Todesopfer hat es im vom Hochwasser betroffenen oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land gegeben. Landrat Bernhard Kern (CSU) erklärte am Sonntagmorgen auf einer Pressekonferenz in Bad Reichenhall, dass ein Opfer allerdings an einer natürlichen Ursache verstorben sei. Aber auch das könne mit dem Unwetter zusammenhängen, sagte Kern.

Wassermassen im Berchtesgadener Land.
Wassermassen im Berchtesgadener Land.

Sintflutartige Regenfälle hatten am Samstagabend den Fluss Ache im Landkreis über die Ufer treten und Hänge abrutschen lassen. Die Feuerwehr und andere Hilfskräfte sind auch noch am Sonntag im Dauereinsatz. Rund 130 Menschen mussten wegen des Hochwassers aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden. Darunter seien 80 Menschen aus einer Siedlung in Schönau am Königssee, die angesichts von „geologischen Problemen“ weggebracht wurden, sagte Landrat Bernhard Kern am Sonntag in Bad Reichenhall. Was genau damit gemeint war, sagte Kern nicht. Unklar war, ob die Siedlung länger gesperrt werden muss oder ob die Sperrung bald wieder aufgehoben werden kann. Der Bahnverkehr zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden sei eingestellt, so Kern. Auch Straßen seien „extremst in Mitleidenschaft gezogen“ worden.

Schwere Überschwemmungen auch im Alpenraum und Sachsen

9.43 Uhr: Der Landkreis Berchtesgadener Land hat wegen Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen. Es gebe sehr viele Murenabgänge, die Feuerwehr sei überlastet, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Traunstein am späten Samstagabend. Betroffen seien vor allem die Orte Berchtesgaden und Bischofswiesen im Südosten Bayerns. Einzelne Häuser seien schon geräumt worden. Die Bevölkerung sei aufgerufen, Keller zu verlassen und die Straßen zu meiden, da über diese viel Wasser schieße. Die Feuerwehr war Samstagabend in dem Landkreis nach sintflutartigem Regen im Dauereinsatz. Die Lage sei dramatisch, sagte der Leitstellen-Sprecher. Das Wasser schieße aus den Bergen, gleichzeitig stiegen die Pegelstände des Flusses Ache an.

Auch in Passau steigen die Wasserstände der Flüsse stündlich weiter an. Die Polizei schleppte vorsorglich Autos an Parkplätzen an der Donau ab, wie eine Sprecherin am Sonntag sagte. Anwohner hätten trotz Hochwasserwarnungen versäumt, ihre Fahrzeuge umzuparken. „Wenn wir sie nicht abschleppten, dann schwimmen die Dinger bis Österreich“, sagte die Polizeisprecherin. Der Pegel der Donau war nach Angaben des Hochwassernachrichtendienstes im Laufe des Samstags um fast zwei Meter auf 7,80 Meter gestiegen. Der Wasserstand der Inn stieg in den vergangenen zwölf Stunden von 3,30 auf 5,40 Meter. 

Im benachbarten Österreich war die Lage sogar noch dramatischer: Der eigentlich beschauliche Kothbach verwandelte sich am Samstagabend in einen reißenden Strom und flutete die komplette Innenstadt von Hallein. Bilder und Videos in sozialen Netzwerken zeigten die unbändige kraft der Wassermassen.

Nach Angaben der Feuerwehr lagen am späten Abend keine Meldungen über Vermisste, Verletzte oder gar Tote vor. Menschen, die in ihren Häusern eingeschlossen waren, seien mit Hilfe von Booten oder Lastwagen geborgen worden, sagte Landesfeuerwehr-Kommandant Günter Trinker.

Immense Regenfälle verursachten auch in Teilen Sachsens heftige Überschwemmungen. In der Sächsischen Schweiz waren mehrere Ortslagen von Städten und Gemeinden nicht mehr erreichbar. Besonders betroffen seien Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf-Schöna und Gohrisch, informierte das Landratsamt am Abend. Die Bahnstrecke zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Dečin wurde gesperrt. „Die Situation ist angespannt, aber beherrschbar“, erklärte das Lagezentrum des Innenministeriums in Dresden.

Weiter große Sorgen um Steinbachtalsperre

9.07 Uhr: An der von einem Bruch bedrohten Steinbachtalsperre bei Euskirchen fließt das Wasser langsamer ab als erwartet. Deshalb sollen Experten am Sonntag die noch immer angespannte Lage am Staudamm neu bewerten, wie die Bezirksregierung Köln auf Twitter mitteilte. Die ursprünglich geplante Prognose, am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr Entwarnung geben zu können, kann den Angaben zufolge deshalb nicht gehalten werden.

Ein Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten! Lebensgefahr“ hängt an der Staumauer der Steinbachtalsperre.
Ein Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten! Lebensgefahr“ hängt an der Staumauer der Steinbachtalsperre.

Aus der Talsperre wird Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen. Der Wasserstand sinke aber langsamer als erwartet, hieß es am Samstagabend. Entwarnung könne erst gegeben werden, wenn die Talsperre zu zwei Dritteln entleert sei. Bis dahin bestehe weiter akute Dammbruchgefahr, wie die Bezirksregierung am Samstag warnte. Die Orte Swisttal und Rheinbach unterhalb der Steinbachtalsperre an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz waren evakuiert worden.

Flut verursachte „Schäden jenseits der Vorstellungskraft“

08.21 Uhr Nach dem langsamen Rückzug der Wassermassen wird in den Überschwemmungsgebieten nach und nach das Ausmaß der Schäden sichtbar. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach am Samstag bei einem Besuch in dem von den Fluten besonders stark heimgesuchten Erftstadt von Schäden, „die unsere Vorstellungskraft übersteigen“. Es gebe „Gemeinden, die von Verwüstung, von Zerstörung gezeichnet sind“.

Insgesamt lag die Zahl der bestätigten Todesopfer am Samstagabend bei 143 – 45 davon in Nordrhein-Westfalen, 98 in Rheinland-Pfalz. Es wird befürchtet, dass noch weitere hinzukommen, weil einige Autowracks und vollgelaufene Keller noch nicht kontrolliert werden konnten. Hunderte Menschen wurden laut Polizei verletzt. Während sich das verheerende Hochwasser aus vielen Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz langsam zurückzieht, wird in den Trümmern weiterhin nach Todesopfern und Verletzten gesucht.

Mindestens 110 Tote allein im Kreis Ahweiler

7.27 Uhr: Nach der Hochwasserkatastrophe im Kreis Ahrweiler in Reinland-Pfalz hat sich die Zahl der Todesopfer bis Sonntagmorgen auf 110 erhöht. Ebenso wurden 670 Personen verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die Zahl der Toten und Verletzten könnte sich aber weiter erhöhen. In einer Vielzahl der umliegenden Gemeinden gibt es auch weiterhin weder Strom noch Telefonempfang. Ebenso sind weiterhin eine Vielzahl der Straßen im Ahrtal gesperrt.

Das waren die Unwetter-Nachrichten vom 17. Juli:

Vier Feuerwehrleute bei Einsätzen in NRW gestorben

18.09 Uhr Bei den Hochwassereinsätzen in Nordrhein-Westfalen haben mindestens vier Feuerwehrleute ihr Leben verloren. Das teilte der Verband der Feuerwehren (VdF) am Samstag mit. Neben den beiden in Altena und Werdohl gestorbenen Männern seien zwei weitere Todesfälle gemeldet worden. In Nettersheim (Kreis Euskirchen) sei ein Feuerwehrangehöriger bei einem Rettungseinsatz ums Leben gekommen. Ein weiterer Feuerwehrangehöriger der Feuerwehr Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) sei im Einsatz leblos aufgefunden worden und später im Krankenhaus gestorben.

„Die Betroffenheit in den Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus ist riesig. Wir alle werden das nach Ende der Einsätze erst verarbeiten müssen“, sagte der stellvertretende VdF-Landesvorsitzende, Bernd Schneider.

„Jahrhundert-Katastrophe“: Steinmeier und Laschet wollen schnell helfen

16.50 Uhr Beim Besuch in einem der Flutkatastrophen-Gebiete hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Solidarität und Spenden für die Opfer aufgerufen. „Vielen Menschen hier in den Regionen ist nichts geblieben außer ihrer Hoffnung. Und diese Hoffnung dürfen wir nicht enttäuschen“, sagte das Staatsoberhaupt nach Gesprächen mit Rettungskräften im nordrhein-westfälischen Erftstadt.

Der Ruf nach Hilfe aus allen Teilen der Region sei „groß und drängend“. „Aber den großen Verlust haben diejenigen zu tragen, die Angehörige verloren haben in den Fluten“, sagte Steinmeier weiter. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bezeichnete das Hochwasser bei dem Erftstadt-Besuch mit Steinmeier als „Jahrhundertkatastrophe“. Land und Kommunen könnten die Folgen der Flut nicht alleine stemmen.

Der NRW-Regierungschef und Unions-Kanzlerkandidat versprach Direkthilfe für die betroffenen Menschen und sagte zu, es werde „sehr unbürokratisch Geld ausgezahlt“. Danach werde man zusammen mit dem Bund „strukturell„ den Städten helfen müssen, den Wiederaufbau zu bewerkstelligen. Am Sonntag wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in der schwer verwüsteten Region in Rheinland-Pfalz erwartet.

Polizei startet neue Suche nach Opfern in Ahrweiler

15.05 Uhr: Die Polizei will am Samstagnachmittag in den besonders schwer zugänglichen Regionen im Raum Ahrweiler mit Hubschraubern nach weiteren Opfern der Flut suchen. Das Gebiet werde in Sektoren eingeteilt, und es würden Luftaufnahmen gemacht, teilte die Polizei in Koblenz am Samstag mit. Die Sektoren würden dann von Einsatzkräften systematisch abgesucht. Die Suche soll Sonntagabend bis zum Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen sein. Über weitere Suchen werde dann entschieden.

Mehr als 23.000 Einsatzkräfte allein in NRW

14.27 Uhr: Allein in Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben des Innenministeriums rund 22.000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Hilfsorganisationen wie dem Technischen Hilfswerk (THW) an den Rettungsarbeiten beteiligt. Hinzu kämen 700 Beamte der Landespolizei und Kräfte der Bundespolizei sowie Einsatzkräfte aus Hessen, Niedersachsen und Hamburg. Die Bundeswehr ist nach Angaben vom Freitag mit weiteren 900 Soldaten vor Ort.

„Äußerst instabil“: Bei Euskirchen droht weiter ein Dammbruch

14.12 Uhr: An der Steinbachtalsperre bei Euskirchen droht trotz des sinkenden Wasserstands weiterhin ein Bruch des Staudamms. Der Damm sei „äußerst instabil“, große Teile des Bauwerks seien weggebrochen, teilte die Bezirksregierung Köln am Samstag mit. Es drohe weiterhin akute Überflutungsgefahr für die Orte unterhalb der Talsperre. Weitere Evakuierungen seien deshalb geplant.

Aus der Talsperre wird Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen. Das geschieht über Pumpen, den mittlerweile freigelegten Grundablass der Talsperre und eine Bypassleitung. Knapp 6 Kubikmeter Wasser könnten pro Sekunde abfließen, heißt es in der Mitteilung.

Die Steinbachtalsperre ist schwer beschädigt. Der viele Regen und der Druck durch das Wasser haben Teile des Erdreichs abrutschen lassen.
Die Steinbachtalsperre ist schwer beschädigt. Der viele Regen und der Druck durch das Wasser haben Teile des Erdreichs abrutschen lassen.

Entwarnung könne nach Angaben von Experten erst gegeben werden, wenn die Talsperre zu zwei Dritteln entleert sei. Das könnte nach vorsichtiger Schätzung am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr erreicht sein. „Bis dahin besteht daher weiterhin akute Dammbruchgefahr“, warnte die Bezirksregierung.

Die Orte Swisttal und Rheinbach unterhalb der Talsperre an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz waren evakuiert worden. Der Kreis hatte die Bewohner am Freitag gewarnt, in die Häuser zurückzukehren. „Wenn Sie Ihr Zuhause noch nicht verlassen haben, tun Sie dies unbedingt“, hieß es in der Mitteilung.

Steinmeier dankt Flut-Helfern: „bis zur Erschöpfung und jenseits davon gearbeitet“

13.59 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Helfern bei der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands gedankt. Viele hätten „bis zur Erschöpfung und jenseits davon gearbeitet“, sagte Steinmeier am Samstag bei einem Besuch im nordrhein-westfälischen Katastrophengebiet an der Erft. Er sprach den Helfen seinen tief empfundenen Dank „im Namen aller Deutschen“ aus. Der Ruf nach Hilfe aus allen Teilen der Region sei „groß und drängend“, sagte Steinmeier in Erftstadt.

Zusammen mit Steinmeier war auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vor Ort. Er versprach Direkthilfe für die vom Hochwasser betroffenen Menschen. Es werde „sehr unbürokratisch Geld ausgezahlt“, sagte der Unions-Kanzlerkandidat beim Besuch in der besonders betroffenen Stadt. Danach werde man zusammen mit dem Bund „strukturell“ den Städten helfen müssen, den Wiederaufbau zu bewerkstelligen.

Merkel-Besuch im Krisengebiet bestätigt

13.52 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am Sonntag die vom Hochwasser betroffenen Gebiete in Rheinland-Pfalz besuchen. Dies bestätigte die Staatskanzlei in Mainz am Samstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Details würden noch geklärt. Zunächst hatte die „Bild am Sonntag2 darüber berichtet.

Am Montag will dann Bundesinnenminister Horst Seehofer die Katastrophengebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz besuchen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird er unter anderem mit Verantwortlichen des Technischen Hilfswerks (THW) in Euskirchen und Ahrweiler sprechen. Geplant ist zudem ein Besuch in Einrichtungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das dem Innenministerium untersteht.

Darum wurden viele Menschen nicht rechtzeitig gewarnt

13.46 Uhr: Vor den extremen Überschwemmungen im Westen Deutschlands ist nur ein Teil der Bevölkerung mit Sirenengeheul gewarnt worden. Das liegt auch daran, dass es vielerorts gar keine oder nur noch wenige funktionsfähige Sirenen gibt. Ein von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) aufgesetztes Förderprogramm für die Länder, die für den Katastrophenschutz in Friedenszeiten die Verantwortung tragen, ist zwar geplant, aber noch nicht umgesetzt. „Seit dem Frühjahr laufen mit den Ländern Abstimmungen zum Förderprogramm für den Aufbau und die Ertüchtigung der Sirenen“, sagte Ministeriumssprecher Steve Alter am Samstag auf Anfrage. Der Prozess sei auf der Zielgeraden.

Der Bund hatte den Ländern insgesamt 88 Millionen Euro angeboten. Die Wartungskosten für die Anlagen müssen die Länder aber selber aufbringen. Hinzu kommt, dass es aktuell keine bundesweite Übersicht gibt, wo überall Warnsirenen stehen und wo nicht. An der Erstellung einer solchen Übersicht, zu der alle Länder und Kommunen beitragen müssen, arbeitet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) seit dem Frühjahr. Gegen Ende des Jahres soll es fertig sein.

In einem Konzept zur Neuausrichtung der Bonner Behörde, das Seehofer und BBK-Präsident Armin Schuster im März vorgestellt hatten, heißt es: „Ungeachtet der Möglichkeiten, die sich aus der fortschreitenden Digitalisierung ergeben, ist auch der Ausbau und Betrieb analoger Warnmedien, wie zum Beispiel ein modernes Sirenennetz, wichtig.“ Denn die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten, dass Sirenen mit ihrem Weckeffekt auch Teile der Bevölkerung zügig und zuverlässig warnen könnten, die andere Warnmittel – etwa per Smartphone – nicht nutzen.

Ministerpräsidentin Dreyer beklagt schwere Versäumnisse beim Klimaschutz

13.29 Uhr: Die Hochwasserkatastrophe hat nach Ansicht der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) schwere Versäumnisse beim Klimaschutz in Deutschland offengelegt. „In den vergangenen Jahren haben wir in Deutschland vieles nicht umgesetzt, was notwendig gewesen wäre“, sagte die Mainzer Regierungschefin der vom Hochwasser besonders stark betroffenen Regionen den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag).

Es reiche nicht aus, Klimaziele lediglich auszusprechen. „Es kommt darauf an, die auf den unterschiedlichen Ebenen gesteckten Ziele in einer gemeinsamen Kraftanstrengung zu erreichen“, sagte Dreyer. Deutschland müsse „mehr Tempo an den Tag legen2. Der Klimawandel sei angesichts der jüngsten Dürren und Unwetter nichts Abstraktes mehr. „Wir erleben ihn hautnah und schmerzhaft.“

Dreyer forderte die Verbraucher auf, sich neu zu orientieren – zudem müssten die erneuerbaren Energien ausgebaut und die Industrie umgestellt werden. Außerdem müssten Unternehmen, die auf dem Weg seien zu einer klimaneutralen Produktion, unterstützt werden. Konkrete Forderungen und Vorhaben nannte die SPD-Politikerin aber nicht.

Zahl der Todesopfer in NRW unverändert

12.17 Uhr: Nach dem verheerenden Hochwasser sind in Nordrhein-Westfalen laut Innenministerium noch immer 43 Todesopfer offiziell bekannt. Die Zahl habe sich seit Freitag nicht verändert, so eine Sprecherin. Die Rettungskräfte fürchteten unterdessen, dass sie nach dem Rückzug des Wassers weitere Opfer entdecken könnten. So sind unter anderem in Erftstadt-Blessem die Arbeiten noch in vollem Gange. Man könne daher nicht ausschließen, noch Tote zu finden, so ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises am Samstag.

Polizei warnt vor freiliegenden Stromleitungen

11.21 Uhr: Nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz hat die Polizei wegen der zerstörten regionalen Infrastruktur vor den Gefahren freiliegender Stromleitungen gewarnt. „Unter Umständen können Stromleitungen auch noch aus mehreren Metern auch ohne direkten Kontakt lebensgefährlich sein“, teilte die Polizei am Samstag in Koblenz mit. Menschen in der betroffenen Region sollten großen Abstand halten und sich nicht in Gefahr bringen. Ein Hubschrauber mit Fachleuten an Bord solle die Gefahr nun prüfen, sagte ein Sprecher.

Bundeswehr sucht in überspülten Autos nach Opfern

11.16 Uhr: Auf der Bundesstraße 265 bei Erftstadt in Nordrhein-Westfalen hat die Bundeswehr indes begonnen, in den von den Fluten eingeschlossenen Fahrzeugen nach Opfern zu suchen und die Wracks mit Radpanzern zu bergen. Menschen seien in den Lastwagen und Autos bisher nicht entdeckt worden, teilte die Feuerwehr der Stadt Erftstadt am Samstag mit. Auf der B265 waren zahlreiche Fahrzeuge überspült worden. Eine Sprecherin des Rhein-Erft-Kreises hatte am Freitag gesagt, es sei unklar, ob alle Insassen es rechtzeitig aus ihren Wagen geschafft hätten, als sie von den Wassermassen überrascht wurden.

Autos stehen auf der überfluteten Bundesstraße 265 im Wasser. Es ist unklar, ob alle Insassen es rechtzeitig raus geschafft haben.
Autos stehen auf der überfluteten Bundesstraße 265 im Wasser.

Der von der Unwetterkatastrophe besonders schwer getroffene Erftstadter Ortsteil Blessem werde von einer Hundertschaft der Polizei gesichert, teilte die Stadt weiter mit. In Blessem waren mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg eingestürzt. Die Lage sei weiterhin angespannt, sagte ein Sprecher des Kreises. Bislang gebe es dort aber keine bestätigten Todesopfer. Da die Arbeiten der Rettungskräfte im Bereich Blessem noch in vollem Gange seien, könne man nicht ausschließen, noch Tote zu finden.

Polizei attackiert Gaffer auf Twitter

10.27 Uhr: Mit einem eindringlichen Appell hat sich die Polizei in Rheinland-Pfalz zum Start ins Wochenende über Twitter an potenzielle Hochwassertouristen und Gaffer gewandt. „Es ist nicht an der Zeit für Touren in einem Katastrophengebiet“, hieß es am Samstag von der Polizei in Mainz. Denn viele Menschen hätten dort gerade erst „großes Leid und Verluste erfahren“. Während des Katastropheneinsatzes seit Donnerstag war es bereits zu Behinderungen durch Schaulustige gekommen.

Insgesamt nun mindestens 130 Tote – über 600 Menschen weiter vermisst

9.35 Uhr: In den Trümmern und Ruinen der Katastrophengebiete im Westen werden immer mehr Opfer der Hochwasserkatastrophe entdeckt. Die Zahl der Toten stieg bis zum Samstagmorgen auf mehr als 130. Die Polizei bezifferte die Zahl der Todesopfer allein im Großraum Ahrweiler auf über 90. Es sei zu befürchten, dass noch weitere hinzukämen, teilte die Polizei Koblenz mit. Insgesamt liege dem Polizeipräsidium die Meldung über 618 Verletzte vor. Auch diese Zahl könne sich noch weiter erhöhen.

Rettungseinsatz läuft weiter „auf Hochtouren“

8.51 Uhr: Auch am Samstag sind weiter Hunderte Rettungskräfte in Rheinland-Pfalz auf der Suche nach Opfern und Vermissten. Die Polizei geht in dem Bundesland bislang von mehr als 90 Todesopfern und über 600 Verletzten aus. Bei dem Schadensausmaß sei mit weiteren Opfern zu rechnen, sagte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen. „Der Einsatz läuft auf Hochtouren.“

Im ebenfalls stark betroffenen Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben der Landesregierung mehr als 19.000 Einsatzkräfte an den Rettungsarbeiten beteiligt. Die Koordinierungsgruppe des Krisenstabs tausche sich rund um die Uhr zur aktuellen Lage bei der Hochwasserkatastrophe aus und helfe landesweit bei der Koordinierung, hieß es am Samstagmorgen in Düsseldorf.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier plant für den Samstag einen Besuch in den Hochwassergebieten in Nordrhein-Westfalen. Nach Rheinland-Pfalz wird er nach Angaben der Staatskanzlei in Mainz am Samstag nicht kommen. Hier plant Bundeskanzlerin Angela Merkel einen baldigen Besuch in der schwer verwüsteten Region des Bundeslandes. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock reiste am Freitag nach dem Abbruch ihres Urlaubs in die Krisengebiete in Rheinland-Pfalz. Sie verzichtete auf Pressebegleitung oder öffentliche Auftritte.

Bislang keine Todesopfer in Erftstadt-Blessem entdeckt

8.15 Uhr: In der besonders vom Hochwasser betroffenen nordrhein-westfälischen Ortschaft Erftstadt-Blessem gibt es bislang keine bestätigten Todesopfer. Das sagte ein Kreisprecher am Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Die Lage in Blessem sei derweil weiter angespannt. Da die Arbeiten der Rettungskräfte aber noch in vollem Gange sind, könne man nicht ausschließen, noch Todesopfer zu finden. Belastbare Zahlen zu Vermissten gebe es nicht.

Die Flut hat einen massiven Erdrutsch im Stadtteil Blessem in Erftstadt verursacht.
Die Flut hat einen massiven Erdrutsch im Stadtteil Blessem in Erftstadt verursacht.

Im Stadtteil Blessem waren mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg eingestürzt. „Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht“, hatte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag in Düsseldorf gesagt. Erftstadts Bürgermeisterin Carolin Weitzel (CDU) sagte am Freitagabend in den ARD-„Tagesthemen“, dass man bereits die meisten der von Wasser eingeschlossenen Autos kontrolliert und keine Opfer gefunden habe. Am Samstagmittag will Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) Erftstadt besuchen.

Nach Dammbruch: Weiter angespannte Lage im Kreis Heinsberg

7.58 Uhr: Nach dem Bruch eines Damms der Rur ist im nordrhein-westfälischen Wassenberg (Kreis Heinsberg) der Stadtteil Ophoven evakuiert worden. Die Lage war am frühen Morgen laut Mitteilung der Stadt weiter angespannt. Der zuständigen Kreispolizei Heinsberg und der Bezirksregierung Köln waren am Morgen aber keine besonderen Vorkommnisse aus der Nacht bekannt.

Wie die Bezirksregierung am Freitagabend mitgeteilt hatte, waren rund 700 Anwohner von der Evakuierung betroffen. Für zwei weitere Stadtteile – Effeld und Steinkirchen – gab es in der Nacht weiter eine Vorwarnung, dass es zur Evakuierung kommen könnte. „Insgesamt stagnieren die dortigen Wasserpegel derzeit“, teilte die Stadt Wassenberg am frühen Samstagmorgen mit.

Wie groß der Schaden durch den Dammbruch ist, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Rur hat ihre Quelle in der Eifel und mündet bei Roermond in den Niederlanden in die Maas. Laut WDR sieht Wassenbergs Bürgermeister Marcel Maurer (CDU) einen möglichen Grund für den Dammbruch auf niederländischer Seite: Dort seien Schleusenklappen geschlossen worden, so dass es zum Rückstau der Wassermassen gekommen sei.

Furchtbare Zahlen: Allein Polizei Koblenz meldet mindestens 90 Tote

6.23 Uhr: Die Polizei Koblenz hat nach dem derzeitigen Stand von Samstag um 5 Uhr bereits über 90 Menschen registriert, die bei der Hochwasserkatastrophe im Großraum Ahrweiler, der ums Leben gekommen sind. Es sei zu befürchten, dass noch weitere Todesopfer hinzukommen, teilte die Polizei am Samstagmorgen mit. Insgesamt liege dem Polizeipräsidium die Meldung über insgesamt 618 Verletzte vor. Auch diese Zahl könne sich noch weiter erhöhen. Auch mehr als zwei Tage nach dem Unglück werden noch Menschen vermisst.

In Rheinland-Pfalz ist der Kreis Ahrweiler Schwerpunkt der Katastrophe. Am Freitag hatte Innenminister Roger Lewentz (SPD) noch von 63 Todesopfern gesprochen. Die Zahl der Verletzten lag am Freitag noch bei 362.

In der Region gehen unterdessen die Such- und Rettungsarbeiten weiter. Noch immer sind Tausende Rettungskräfte in der Eifel, wo in der Nacht zum Donnerstag die Wassermassen ganze Orte verwüstet hatten. Immerhin eine gute Nachricht gibt es: Laut Frühwarnprognose des Landesamts für Umwelt Rheinland-Pfalz verringerte sich die Hochwassergefahr zuletzt. Nur für das Einzugsgebiet des Flusses Ahr und der Zuflüsse der Unteren Sauer bestanden noch Warnungen. Die Pegelständen sanken, zum Beispiel bei dem hart von Unwetter getroffenen Kordel im Landkreis Trier-Saarburg.

In vielen Ortschaften ist indes aber weiterhin das Strom- und Telefonnetz ausgefallen. Angehörige, Freunde oder Bekannte, die jemanden vermissen, können sich unter der Rufnummer 0800 6565651 bei der Polizei melden. Die Hotline sei rund um die Uhr erreichbar und nehme jeden Hinweis entgegen, hieß es. Die Polizei war in der Nacht nach Angaben des Präsidiums mit vielen Einsatzkräften in den betroffenen Ortslagen im Einsatz. Durch das Unwetter seien viele Straßen im Ahrtal weiterhin gesperrt oder nicht mehr befahrbar. Die Polizei bittet darum, das Ahrtal weiträumig zu umfahren. Rettungswege müssen für Rettungskräfte frei gehalten werden.

Experte zweifelt an schnellen Unwetter-Hilfen für Opfer

5.00 Uhr: Die Forderung nach schnellen Hilfen für Unwetter-Geschädigte sieht ein Mannheimer Wissenschaftler skeptisch. „Die ökonomische Forschung zeigt, dass schnelle und unbürokratische Hilfen für Hochwasser-Opfer, so notwendig sie im Einzelfall auch erscheinen mögen, langfristig kontraproduktiv wirken“, sagte Daniel Osberghaus vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Sie liefen den Anreizen zur privaten Vorsorge wie etwa zum Abschluss einer Elementarschadenversicherung oder zu baulichen Vorsorgemaßnahmen zuwider. Außerdem benachteiligten sie de facto Hausbesitzer mit einer Versicherung und könnten schnell als ungerecht empfunden werden, sagte der Hochwasser-Experte.

Die Diskussion um Hilfsfonds lenke von der eigentlichen Aufgabe der Politik ab: Angesichts des fortschreitenden Klimawandels gelte es, langfristig wirkende Maßnahmen für Extremwetterlagen zu entwickeln, die ohne staatliche Fluthilfen funktionieren. Dazu gehörten Förderung der Eigenvorsorge vor allem für einkommensschwache Haushalte in Risikogebieten, Stärkung des Versicherungsmarktes für Elementarschäden etwa durch Versicherungspflichten sowie weniger Oberflächenversiegelung.

Kurzfristig werden diese Maßnahmen laut Osberghaus allerdings nicht helfen, die Schäden im Westen Deutschlands zu beheben. Daher wäre ein möglicher Zwischenschritt, die aktuell zugesagten staatlichen Hilfen nur zu zahlen, wenn sie zur Sicherung der Existenz notwendig seien; sie müssten auch mit Auflagen für die private Vorsorge gekoppelt werden. „Schnell und unbürokratisch wird das allerdings nicht möglich sein“, fügte der Experte hinzu.

Das waren die Unwetter-News vom 16. Juli:

Dammbruch im Kreis Heinsberg – Hunderte evakuiert

23.34 Uhr: Im Kreis Heinsberg ist in der Nacht von Freitag auf Samstag ein Damm der Rur gebrochen. Nach Informationen der Bezirksregierung Köln haben Rettungskräfte damit begonnen, in Wassenberg den Ortsteil Ophoven zu evakuieren.

Menschen verladen Säcke mit einem Bagger. Im Kreis Heinsberg ist nach der Unwetterkatastrophe der vergangenen Tage ein Damm der Rur gebrochen.
Menschen verladen Säcke mit einem Bagger. Im Kreis Heinsberg ist nach der Unwetterkatastrophe der vergangenen Tage ein Damm der Rur gebrochen.

Betroffen sind laut der Mitteilung via Twitter vom späten Freitagabend rund 700 Einwohner. Wie groß der Schaden durch den Dammbruch ist, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Rur hat seine Quelle in der Eifel und mündet bei Roermond in den Niederlanden in die Maas.

Anwohner rund um die Steinbachtalsperre dürfen wohl bald zurück

22.06 Uhr: Die Lage an der Steinbachtalsperre entspannt sich nach Auskunft des Kreises Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) weiter. Es werde aktuell davon ausgegangen, dass im Laufe des Sonntags eine Rückkehr in die evakuierten Ortschaften möglich ist, heißt es in einer Mitteilung vom Freitagabend. Voraussetzung sei eine gleichbleibende Wetterlage.

Die Orte Swisttal und Rheinbach unterhalb der Talsperre an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz waren zuvor evakuiert worden. Der Kreis warnte die Bewohner jedoch davor, in die Häuser zurückzukehren. „Wenn Sie Ihr Zuhause noch nicht verlassen haben, tun Sie dies unbedingt“, hieß es in der Mitteilung.

Am Freitag war mitgeteilt worden, dass nach Informationen der Bezirksregierung Köln der bislang nach der Hochwasserkatastrophe verstopfte Grundablass der Talsperre freigelegt sei. Über diese Öffnung könne Wasser kontrolliert abgelassen werden, um den Druck auf dem Bauwerk zu senken. Das Technische Hilfswerk (THW) pumpte zusätzlich Wasser ab. Am Nachmittag hatte der Kreis gemeldet, dass eine Drohne keine kritischen Risse an dem Bauwerk entdeckt hatte. Der Kreis schätzte die Lage aber weiterhin kritisch ein.

Merkel lässt sich in Videoschalte über Hochwasser-Lage informieren

20.52 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ sich am Freitagabend in einer Videokonferenz von der Koordinierungsgruppe des nordrhein-westfälischen Innenministeriums über die aktuelle Lage im Katastrophengebiet informieren. Laut Mitteilung einer Sprecherin der Bundesregierung waren auch Ministerpräsident Armin Laschet und Innenminister Herbert Reul (beide CDU) beim Gespräch mit der Kanzlerin dabei. Merkel sicherte dabei kurz- und langfristige Unterstützung durch den Bund für die betroffenen Menschen in den Hochwassergebieten zu.

Damm in NRW gebrochen – doch es gibt auch positive Nachrichten

20.23 Uhr: In der Ortschaft Ohe im Kreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) besteht akute Lebensgefahr, nachdem dort ein Damm gebrochen ist. 20 Haushalte werden deshalb sofort evakuiert, wie der „Westdeutsche Rundfunk“ (WDR) unter Berufung auf die Feuerwehr mitteilte. Demnach sollen sich die Menschen an Sammelpunkten einfinden und nur das Nötigste mitnehmen.

Ein Foto, das die Bezirksregierung Köln am Freitag über Twitter verbreitete, zeigt Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem.
Ein Foto, das die Bezirksregierung Köln am Freitag über Twitter verbreitete, zeigt Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die Pegelstände sinken, mit weiteren Regenfällen ist im Westen zunächst nicht zu rechnen. In der besonders betroffenen Erftstadt (NRW) konnten bisher 280 Menschen gerettet werden, wie Bürgermeisterin Carolin Weitzel dem WDR mitteilte. Allerdings müsse man bei der Bergung von weiteren Todesopfern ausgehen. 28 Fahrzeuge seien auf der B265 mit Sonargeräten unter Wasser verortet worden.

Bundespräsident Steinmeier besucht am Samstag Erftstadt

20.04 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt am Samstag in den von der Unwetterkatastrophe besonders getroffenen Rhein-Erft-Kreis. Nach Angaben der NRW-Staatskanzlei besucht das Staatsoberhaupt am Mittag zusammen mit Ministerpräsident Armin Laschet Erftstadt, wo zahlreiche Häuser und Autos weggespült worden waren. Steinmeier will sich in der Feuerwehrleitzentrale ein Bild von der aktuellen Lage machen und mit Rettungskräften sprechen.

Nach Unwetter weiterhin über 100.000 Menschen ohne Strom

18.23 Uhr: Im Westen Deutschlands waren nach dem verheerenden Unwetter auch am Freitagnachmittag noch rund 102.000 Menschen ohne Strom. Das Unwetter und die daraus entstandenen Überflutungen sorgten weiterhin für Ausfälle in der Stromversorgung in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, teilte der zum Eon-Konzern gehörende Energieversorger Westenergie in Essen mit.

Westenergie betonte, es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, die Stromversorgung wiederherzustellen. Etwa zehn Umspannanlagen des Verteilnetzbetreibers Westnetz seien derzeit aber noch von den Überschwemmungen direkt betroffen. Einzelne Anlagen seien nach wie vor schwer erreichbar, in anderen stehe immer noch das Wasser.

Bevor sie wieder in Betrieb genommen werden könnten, müssten sie geprüft und gereinigt werden. Bei größeren Schäden an den Umspannanlagen werde daran gearbeitet, die Stromversorgung über Umschaltungen aus anderen Anlagen oder durch Notstromaggregate wieder herzustellen.

In der Spitze lag die Zahl der nicht mit Strom versorgten Menschen laut Westenergie sogar bei 200.000. Doch sei es durch die Wiedereinschaltung von Anlagen, Umleitungen und Notstromaggregate mittlerweile gelungen, in zahlreichen Fällen die Stromversorgung wieder herzustellen.

Mehr als 100 Tote bei Überschwemmungen – Erdrutsche in Erftstadt

14.25 Uhr: Bei der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands steigt die Opferzahl weiter. Bis Freitagmittag wurden 103 Tote als Folge der Überschwemmungen gezählt. In Rheinland-Pfalz kamen nach offiziellen Angaben mindestens 60 Menschen ums Leben, in Nordrhein-Westfalen waren es 43.

In Erftstadt-Blessem südwestlich von Köln kam es am Freitag zu Erdrutschen von gewaltigem Ausmaß, es bildeten sich riesige Erdlöcher. Häuser wurden unterspült und stürzten ein. „Es gibt Todesopfer“, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung Köln. Die Lage war am Mittag noch unübersichtlich.

Der zuständige Landrat des Rhein-Erft-Kreises, Frank Rock, sagte im Fernsehsender ntv, er habe noch keine konkrete Zahl über Todesopfer oder Vermisste. 50 Menschen seien mit Booten gerettet worden. Die Flut sei sehr schnell gekommen. Senken hätten binnen zehn Minuten unter Wasser gestanden. Es habe kaum Zeit gegeben, die Menschen zu warnen. „Es ist eine katastrophale Lage, wie wir sie hier noch nie hatten“, sagte Rock.

Zahl der Todesopfer steigt auf mindestens 93 Menschen – Rurtalsperre droht überzulaufern

11.55 Uhr: Die Zahl der Todesopfer wird mittlerweile mit mindestens 93 beziffert. Allein in Rheinland-Pfalz starben 50 Menschen. In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz werden weiter Menschen evakuiert. Die neueste Meldung: Die Rurtalsperre im Südwesten von Nordrhein-Westfalen droht wegen der Wassermassen am Abend überzulaufen. Die Behörden warnen Anwohner vor den drohenden Überflutungen. Die Sperre staut die Rur im Grenzgebiet zwischen der Städteregion Aachen und dem Kreis Düren zum Rurstausee auf.

Insgesamt mindestens 81 Unwetter-Tote – Gewitter und Schauer drohen erneut im Südwesten

08.43 Uhr: Nach Behördenangaben ist die Zahl der Toten in Folge der Unwetter inzwischen auf 81 gestiegen. Für Rheinland-Pfalz gab die Polizei die Toten mit 50 an. „Die Befürchtung ist, dass es noch mehr werden“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz am Morgen. Die Bergungsarbeiten liefen weiter.

Der Kreis Ahrweiler hatte sogar von 1300 noch vermissten Menschen im Kreisgebiet gesprochen. Eine Sprecherin erklärte das auch mit einem teilweise lahmgelegten Mobilfunknetz. Daher gebe es keinen Handy-Empfang und viele Menschen seien nicht erreichbar.

Und es droht neues Wasser: Auf Twitter hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) nichts Gutes zu vermelden und schrieb am Freitagmorgen zum Wetter: „Heute tagsüber erneut Schauer und teils kräftige Gewitter, vor allem im Südwesten, Süden bis in die Mitte, später dann auch im Osten Deutschlands.“

Auf der DWD-Warn-Karte ist zu sehen: Zwischen Saarbrücken und Mainz wird vor „markantem Wetter gewarnt“, eine Unwetter-Warnung gibt es – zumindest bisher – noch nicht.

Zahl der Toten in Rheinland-Pfalz nach Hochwasser steigt auf 50

06.52 Uhr: In Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Toten auf 50 gestiegen. „Die Befürchtung ist, dass es noch mehr werden“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz am Donnerstagmorgen.

Hochwasser: Merkel verspricht Hilfen – weiter Suche nach Vermissten

06.43 Uhr: Nach der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wollen Bund und Länder rasch helfen, um die immensen Zerstörungen zu beseitigen. Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach den Betroffenen Hilfen, das nordrhein-westfälische Landeskabinett berät an diesem Freitag in einer Sondersitzung darüber. Rheinland-Pfalz hat bereits als kurzfristige Unterstützung 50 Millionen Euro bereitgestellt, um etwa Schäden an Straßen, Brücken und anderen Bauwerken zu beheben. In den Hochwassergebieten gehen an diesem Freitag die Aufräum- und Bergungsarbeiten weiter. Viele Menschen werden noch vermisst, im Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler rund 1300 Menschen, wie die Kreisverwaltung noch am Abend mitteilte. Eine Sprecherin verwies darauf, dass viele Menschen wegen des lahmgelegten Mobilfunknetzes nicht erreichbar seien. „Wir hoffen, dass sich das klärt”, sagte sie zu der hohen Zahl.

Das waren die Unwetter-News vom 15. Juli:

Neun Menschen starben in Behinderteneinrichtung

21.44 Uhr: Bei den zuletzt vermeldeten Menschen, die bei der Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz ums Leben gekommen sind, handelt es sich um Bewohner einer Behinderteneinrichtung in Sinzig. Das sagte eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Innenministeriums am Donnerstagabend. Die Fluten seien schneller gekommen, als die Menschen hätten in Sicherheit gebracht werden können. Der Einsatz an der Einrichtung lief am Abend noch. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Zuvor hatten mehrere Medien über das Thema berichtet.

Mindestens 58 Tote – Bundeswehr schickt weitere Truppen

21.02 Uhr: Die Zahl der Todesopfer ist laut den Landesbehörden weiter gestiegen. Mittlerweile gibt es mindestens 58 Todesopfer in NRW und Rheinland-Pfalz. Weiterhin werden viele Menschen vermisst.

Die Bundeswehr verstärkt in den betroffenen Gebieten die Hilfstruppenstärke.  Inzwischen seien mindestens 850 Männer und Frauen zur Unterstützung der Rettungsarbeiten eingesetzt, sagte ein Bundeswehrsprecher am Abend. Am Donnerstag sei in neun Fällen Amtshilfe geleistet worden.

Zahl der Todesopfer steigt auf 49

19.42 Uhr: Die Zahl der Todesopfer ist am Abend auf 49 gestiegen. Weiterhin werden Menschen vermisst. Die Lage war nach dem Dauerregen vielerorts in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen unübersichtlich. Retter und Retterinnen brachten Menschen in überschwemmten Orten zum Teil mit Booten in Sicherheit. Viele suchten auf Bäumen und Hausdächern Schutz vor den Fluten, Rettungshubschrauber waren im Einsatz. Es sei schwierig, die Vermissten zu erreichen, da das Mobilfunknetz zum Teil ausgefallen sei, sagte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), am Donnerstag in Mainz. „So eine Katastrophe haben wir noch nicht gesehen. Es ist wirklich verheerend.”

Feuerwehr in Essen rettet Reh aus Fluten

18.04 Uhr: Nahe eines Biergartens an der Ruhr in Essen hat die Feuerwehr ein erschöpftes Reh aus Wasserfluten gerettet. „Es wurde von den Wassermassen gegen einen Zaun gedrückt“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Donnerstag. Einsatzkräfte hätten zwei Menschen mit Booten retten wollen, die vom Wasser in dem Biergarten eingeschlossen waren. Auf dem Weg fiel ihnen das entkräftete Tier auf, sie brachten es in Sicherheit. Im Anschluss wurde das Reh mit einer Folie abgedeckt, damit es nicht auskühlt. Die Menschen überstanden ihre Rettung unverletzt, sagte der Sprecher.

Städte im Ruhrgebiet sollen Trinkwasser abkochen

17.47 Uhr: In mehreren Städten im Ruhrgebiet sollen Anwohner wegen des Hochwassers ihr Trinkwasser abkochen. „Es ist mit gravierenden Geschmacks- und Geruchsveränderungen zu rechnen“, teilte die Stadt am Donnerstag mit. Betroffen seien die Versorgung von Mülheim an der Ruhr (ohne Mintard), Ratingen-Breitscheid und Teile von Oberhausen und Bottrop. Durch das Hochwasser sei das Uferfiltrat von Flusswasser beeinträchtigt worden, hieß es in der Mitteilung. Die Wasserwerksgesellschaft desinfiziere das Wasser daher mit Ozon, UV-Licht und Chlor „in extrem hoher Konzentration“.

Zahl der Todesopfer in Rheinland-Pfalz steigt auf 19

17.18 Uhr: Die Zahl der Todesopfer im nördlichen Rheinland-Pfalz ist auf 19 gestiegen. Ein Sprecher der Polizei in Koblenz teilte mit, dass ein weiterer Mensch in den Fluten ums Leben gekommen sei. Nähere Angaben sind bislang nicht bekannt. Etwa 50 bis 70 Menschen wurden nach Angaben von Innenminister Roger Lewentz (SPD) noch vermisst. Schwerpunkt der Katastrophe ist der Kreis Ahrweiler. Allein im 700 Einwohner zählenden Dorf Schuld an der Ahr stürzten sechs Häuser ein, etwa 40 Prozent der weiteren Wohngebäude wurden beschädigt. Erhebliche Schäden gab es auch in weiteren Regionen der Eifel.

Menschen in Swisttal bei Bonn von Hochwasser eingeschlossen

17.00 Uhr: In Swisttal im Süden von Nordrhein-Westfalen sind mehrere Menschen wegen der Überschwemmungen seit Mittwochabend eingeschlossen. Wie viele Menschen betroffen seien, sei unklar, teilte der Rhein-Sieg-Kreis am Donnerstagnachmittag mit. „Es liegen zahlreiche Meldungen über einsturzgefährdete Gebäude vor, aber noch keine valide Gesamteinschätzung.“ Zudem herrsche ein großflächiger Stromausfall. Die Kommunikation mit den Rettungskräften vor Ort sei in der aktuellen Lage schwer. Swisttal liegt zwischen Euskirchen und Bonn.

Steinbachtalsperre in NRW „sehr instabil“ – Orte werden evakuiert

16.57 Uhr: An der Steinbachtalsperre in Nordrhein-Westfalen werden die Orte Schweinheim, Flamersheim und Palmersheim evakuiert. Die Talsperre sei von einem Sachverständigen als „sehr instabil“ eingestuft worden, sagte der Landrat des Kreises Euskirchen, Markus Ramers (SPD). Von der Evakuierung seien 4500 Einwohner betroffen. Gerüchte, wonach die Talsperre bereits gebrochen sei, hatte der benachbarte Kreis Ahrweiler zuvor dementiert. Der Kreis Euskirchen scheint mit bislang 15 Todesopfern in Nordrhein-Westfalen am stärksten von dem Unwetter betroffen.

Merkel meldet sich mit Live-Statement aus Washington

16.42 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Menschen in den Hochwassergebieten in Deutschland Unterstützung des Staates zugesagt. Wo man helfen könne, werde man das tun, sagte sie am Donnerstag am Rande ihres Besuches in Washington. „Dies sind für die Menschen in den Überschwemmungsgebieten entsetzliche Tage. Meine Gedanken sind bei ihnen. Und sie können darauf vertrauen, dass alle Kräfte unseres Staates – von Bund, Ländern und Gemeinden – gemeinsam alles daran setzen werden, auch unter schwierigsten Bedingungen Leben zu retten, Gefahren abzuwenden und Not zu lindern.“

Dass sich die Bundeskanzlerin mit einem Live-Statement aus dem Ausland in der Heimat meldet, ist angesichts des straffen Zeitplans sehr ungewöhnlich und unterstreicht das Ausmaß der Katastrophe. Bisher hatte Merkel sich nur in einem kurzen Statement über Regierungssprecher Steffen Seibert geäußert und den Betroffenen ihr Mitgefühl ausgesprochen.

Die Not werde noch „eine ganze Weile anhalten“, sagte die Kanzlerin. Sie habe mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) deshalb bereits darüber gesprochen, dass man innerhalb der Bundesregierung auch über Hilfe bei den zu leistenden Wiederaufbauarbeiten reden könne. Zunächst stünden aber die akute Situation und die Notwendigkeit, Menschenleben zu retten, im Fokus.

„Friedliche Orte durchleben in diesen Stunden eine Katastrophe, man kann sagen eine Tragödie“, sagte die Kanzlerin. Auch in Washington seien ihre Gedanken immer bei den Menschen in den Hochwassergebieten. „Ihnen will ich auch von hier aus ein Zeichen der Anteilnahme und der Solidarität schicken.“ Solche Botschaften erhalte sich auch von vielen europäischen Regierungschefs.

Sie sei erschüttert von den Berichten aus den Orten, die jetzt ganz unter Wasser stünden. „Ich trauere um die, die in dieser Katastrophe ihr Leben verloren haben. Noch wissen wir die Zahl nicht, aber es werden viele sein.“ Den Angehörigen gelte ihre tief empfundene Anteilnahme. „Und es sind so viele, um die wir noch bangen müssen.“ Es werde alles getan, um die noch Vermissten zu finden.

Die Kanzlerin berichtete, dass sie mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und mit dem nordrhein-westfälischen Regierungschef Armin Laschet (CDU) telefoniert und sich über die Situation informiert habe. Diese hätten auch vom unermüdlichen Einsatz von Feuerwehren, Polizei, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk und vieler anderer Helfer berichtet. „Ich möchte den Helfern von ganzem Herzen für ihren Einsatz danken, von dem wir wissen, dass er zum Teil wirklich sehr, sehr gefährlich ist.“

Kriminelle wollen Hochwasserlage für Plünderungen nutzen

16.31 Uhr: In Stolberg bei Aachen nutzen bereits Kriminelle die Hochwasserlage aus: Dort sei es zu einzelnen Plünderungsversuchen von Geschäften gekommen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Demnach hatten in drei Fällen Zeugen gemeldet, dass sich Personen in überschwemmten Läden befänden. Die Polizei nahm an einem Juweliergeschäft einen Verdächtigen fest.

Als die Beamten an den anderen Tatorten – einem Supermarkt und einer Drogerie – eintrafen, sind demnach mehrere Unbekannte geflüchtet. Ob etwas gestohlen wurde, war zunächst unklar. Eine Hundertschaft der Polizei sei nun in Stolberg, um die verlassenen Wohnhäuser und Geschäfte vor Plünderungen zu schützen.

FDP-Chef: Bundesregierung sollte Nothilfe für Opfer beschließen

16.25 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner hat schnelle Unterstützung des Bundes für die Opfer der Unwetterkatastrophe im Südwesten gefordert. „Dafür kann der Bundesfinanzminister den Aufbauhilfefonds neu aktivieren, der nach der Flut 2013 gebildet wurde. Damit stünden erprobte und bereits eingeführte Instrumente bereit, die schnell und unkompliziert wirken können“, erklärte Lindner. „Sollte dafür ein Beschluss des Deutschen Bundestages nötig sein, so wäre die FDP jederzeit zu einer Sondersitzung bereit.“

Die Bilder der Katastrophe sind „schockierend und machen uns betroffen“, sagte der Parteivorsitzende, der sich am Donnerstag in Leichlingen in seinem Wahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis über die Lage informierte und mit Mitarbeitern der örtlichen Feuerwehr sprach.

„Die Einsatzkräfte leisten in diesen Stunden Großes. Die Opfer verdienen unser Mitgefühl und unsere Solidarität“, sagte er zuvor. Auch nach der akuten Not dieser Stunden dürften die Betroffenen nicht allein gelassen werden. „Gegen einen solchen Schicksalsschlag kann sich niemand allein schützen, weshalb wir als staatliche Solidargemeinschaft gefordert sind“, so Lindner. „Hier steht auch der Bund in der Verantwortung, denn es handelt sich um eine Katastrophe nationaler Dimension. Eine Bundesnothilfe sollte umgehend von der Bundesregierung beschlossen werden.“

Mindestens vier Tote im Nachbarland Belgien

16.00 Uhr: Die schweren Unwetter machen auch vor Ländergrenzen nicht Halt. Auch im Osten Belgiens sind infolge dieser mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Belga am Donnerstag unter Berufung auf die zuständige Staatsanwaltschaft. Die Leichen seien im Bezirk Verviers gefunden worden. Die Identität der Opfer sei noch nicht geklärt. Bereits am Morgen gab es Berichte über zwei Tote. Ob die nun vier gefundenen Leichen zu diesen zählen, war zunächst unklar.

Der öffentlich-rechtliche Sender RTBF berichtete unter Berufung auf die Gouverneurin Catherine Delcourt, die beiden Toten seien in der Provinz Lüttich ums Leben gekommen. Die Fundorte liegen Medienberichten zufolge im Bezirk Verviers, der zur Provinz Lüttich gehört. Laut „Grenzecho“ starb im belgischen Eupen in der Nähe von Aachen ein 22-Jähriger. „Wie von offizieller Seite bestätigt wurde, ist der junge Mann im Eupener Ortsteil Nispert mit einem Schwimmreifen in den reißenden Stadtbach gesprungen und wurde seitdem vermisst“, heißt es in dem Bericht. Rettungskräfte hätten seine Leiche gefunden.

Menschen waten durch das Wasser, das ihnen teilweise bis zum Hals reicht
Auch in Belgien steht den Menschen das Wasser buchstäblich bis zum Hals

In Limburg sind nach Angaben der Bürgermeisterin knapp 3000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Manche Orte könnten wegen zu starker Strömung nicht einmal per Boot erreicht werden, Hubschrauber könnten wegen des Wetters nicht eingesetzt werden.

Ministerpräsident Alexander De Croo schrieb auf Twitter: „Belgien steht vor noch nie da gewesenen Regenfällen.“ Mithilfe von Innen- und Verteidigungsministerium sollen alle Rettungsdienste mobilisiert werden. Belgien erhalte internationale Unterstützung. Die EU-Kommission teilte mit, dass als Teil einer Sofortreaktion ein Rettungsteam und ein Hubschrauber aus Frankreich mobilisiert worden seien. Auch Italien und Österreich hätten Hilfe angeboten. Der Einsatz werde von der Kommission koordiniert und bis zu 75 Prozent der Transportkosten übernommen.

Rhein-Erft-Kreis ruft Katastrophenfall aus – Landrat appelliert

15.50 Uhr: Der Krisenstab im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen hat nach den andauernden starken Regenfällen den Katastrophenfall ausgerufen. Wegen der Hochwasserlage entlang der Erft bestehe die Gefahr, dass sich die bisher örtlich begrenzte Lage neben Erftstadt auch auf Kerpen, Bergheim und Bedburg ausweiten könnte, heißt es in einer Pressemitteilung von Donnerstag. Die kreisangehörigen Kommunen wurden aufgefordert, „die notwendigen Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes wie insbesondere Evakuierungen und Unterbringungen vorzubereiten und vorzunehmen“.

Ein Wohnwagen hängt im Uferbereich der Erft an einer Brücke.
Wegen der Hochwasserlage wurde an der Erft der Katastrophenfall ausgerufen.

„Wir durchleben gerade eine Krise, deren Dimensionen heute noch nicht abschätzbar sind“, sagte Landrat Frank Rock. Die extreme Wetterlage fordere schon jetzt den massiven Einsatz von Feuerwehr, Polizei, Städten, Stadtwerken, Technischem Hilfswerk und vielen anderen Helfern im ganzen Rhein-Erft-Kreis. „Der soziale Zusammenhalt und die Solidarität aller Bürgerinnen und Bürger ist in dieser schwierigen Zeit nun wichtiger mehr denn je. Helfen Sie bitte Nachbarn, Kindern, Älteren und mobilitätseingeschränkten Personen“, sagte der Landrat.

Über 300 THW-Kräfte aus Niedersachsen und Bremen helfen in NRW

15.44 Uhr: Über 300 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) aus Niedersachsen und Bremen sind bereits in der vom Hochwasser getroffenen Katastrophenregion in Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Sieben Trupps mit Pump-Ausrüstungen zum Kampf gegen Wasserschäden unterstützten die THW-Kräfte in NRW, teilte das Hilfswerk in Hannover mit. Sie übernähmen Pumparbeiten, um das Hochwasser zu bekämpfen und den Menschen vor Ort schnell zu helfen.

„Hunderte unserer Helferinnen und Helfer aus dem Landesverband Bremen/Niedersachsen sind im Einsatz, um der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen schnell und unkompliziert zu helfen und um unsere Kameraden und Kameradinnen vor Ort zu unterstützen“, sagte THW-Einsatzleiter Michael Matrian.

Am Donnerstag bricht außerdem ein auf Räumarbeiten spezialisierter Fachzug mit Helfern aus verschiedenen Teilen Niedersachsens nach NRW auf. Diese THW-Kräfte werden vor allem mit Räumgeräten wie Radladern und Teleskopladern im Krisengebiet unterstützen, um dort Straßen von Gegenständen zu befreien, wieder zugänglich zu machen und Trümmer zu beseitigen.

Das Land Niedersachsen bot ebenfalls Unterstützung an. Das Land habe bereits den Einsatz von Rettungshubschraubern mit Winden angeboten, teilte das Innenministerium mit. Angesichts der dramatischen Entwicklungen hätten sich die Innenministerien der SPD-geführten Länder kurzfristig darauf geeinigt, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sofortige und uneingeschränkte Unterstützung bei der Bewältigung der Katastrophenlage anzubieten.

„Die Bilder aus den Kreisen Euskirchen und Ahrweiler sind erschreckend“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). „Wir hoffen, dass der Regen bald nachlässt und die Rettungs- und Bergungsarbeiten schnell voranschreiten. Unsere Gedanken sind bei den Betroffenen.“

Hamburger Polizei schickt Unterstützung nach Nordrhein-Westfalen

Um den Einsatzkräften in den vom Hochwasser betroffenen Regionen in Nordrhein-Westfalen zu helfen, schickt die Hamburger Polizei Einheiten der Bereitschafts- und Wasserschutzpolizei. Damit komme man einer Anfrage nach Unterstützung nach, teilte die Hamburger Polizei auf Twitter mit

20 Tote in Nordrhein-Westfalen – insgesamt 42 Opfer

15.05 Uhr: Nach dem schweren Unwetter in Nordrhein-Westfalen hat die Polizei Köln von 20 Toten in der Region berichtet. Neben zwei in Köln gefundenen Toten seien bislang aus Euskirchen 15 und aus Rheinbach drei Tote gemeldet worden, teilte die Polizei am Donnerstagnachmittag mit. Noch seien nicht alle gesichteten Leichen geborgen. „Aussagen zur Identität, zu Alter, Auffindort und Todesumständen wird die Polizei zum Schutz der Angehörigen nicht veröffentlichen“, erklärten die Beamten.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass im Zusammenhang mit dem Unwetter auch in anderen Landesteilen Nordrhein-Westfalens Menschen starben. In Kamen (Kreis Unna) kam ein 77-Jähriger im unter Wasser stehenden Keller seines Hauses ums Leben. In Solingen starb ein 82 Jahre alter Mann nach einem Sturz ebenfalls im überfluteten Hauskeller. Zudem starben zwei Feuerleute. Ein 52 Jahre alter Feuerwehrmann kollabierte bei einem Unwettereinsatz im sauerländischen Werdohl und starb trotz Reanimationsversuchen. Wenige Stunden zuvor war in Altena im Sauerland ein Feuerwehrmann bei der Rettung eines Mannes ertrunken.

Dachziegel und Schutt liegen auf einem zerstörten PKW.
Das Unwetter sorgte nicht nur für Zerstörung, es kostete auch zahlreiche Menschen das Leben.

Viele Flüsse und Bäche in der Eifel, im Bergischen Land, im Rheinland und Sauerland führten am Donnerstag Hochwasser und waren am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag über die Ufer getreten. Straßen wurden überschwemmt, Keller liefen voll.

Zahl der Todesopfer steigt auf 33

14.15 Uhr: Im Zusammenhang mit der schweren Hochwasserkatastrophe hat sich die Zahl der Toten im Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler auf mindestens 18 erhöht. Das teilte die Polizei Koblenz am Donnerstag mit. Somit stieg die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit dem schweren Unwetter auf insgesamt 33. In Nordrhein-Westfalen waren nach ersten Erkenntnissen 15 Menschen ums Leben gekommen.

„Leider müssen wir bestätigen, dass sich die Zahl der Todesopfer in Zusammenhang mit der Hochwasserkatastrophe im Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler auf derzeit insgesamt 18 erhöht hat“, teilte die Polizei am Nachmittag bei Twitter mit. „Unser tiefes Mitgefühl gilt allen Betroffenen.“ In Rheinland-Pfalz waren mehrere Orte in der Eifel besonders schwer von dem Hochwasser betroffen, Dutzende Menschen werden noch vermisst.

In der Katastrophenregion waren mehrere Häsuer noch vom Einsturz bedroht. „So eine Katastrophe haben wir noch nicht gesehen. Es ist wirklich verheerend“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in Mainz.

Auch in Nordrhein-Westfalen bleibt die Lage angespannt. Nach dem Abklingen des Starkregens kämpfen Feuerwehr und andere Einsatzkräfte an vielen Orten mit einer sich verschärfenden Hochwasserlage.

Wegen Hochwasser-Lage: Baerbock beendet ihren Urlaub vorzeitig

14.00 Uhr: Wegen der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kehrt die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock vorzeitig aus dem Urlaub zurück. „Das zerstörerische Ausmaß der Überschwemmungen ist erschütternd“, teilte die Parteivorsitzende in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung mit. „Meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei den Menschen, die um Angehörige trauern, sich um Vermisste sorgen und um Verletzte kümmern.“ Ursprünglich war nach Angaben der Partei geplant gewesen, dass sie ab kommendem Dienstag wieder öffentliche Termine wahrnimmt.

Als „unglaubliche Leistung“ würdigte die Grünen-Chefin die Arbeit der Rettungskräfte. Gleichzeitig betonte Baerbock, wie wichtig nun die Unterstützung von Bund und Ländern sei: „Den Menschen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, weil ihr Hab und Gut, ihre Häuser einfach weggeschwemmt wurden, muss nun schnell und unbürokratisch geholfen werden.“

„Jetzt ist der Moment der Nothilfe“, sagte ein Grünen-Sprecher. Baerbock und Robert Habeck informierten sich laufend über die Situation vor Ort. Habeck und Baerbock bilden zusammen das Spitzenduo der Grünen für die Bundestagswahl im September.

WDR räumt Lücken in der Berichterstattung ein

13.45 Uhr: Der Westdeutsche Rundfunk hat Lücken in der Berichterstattung über die Starkregen-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen eingeräumt – zugleich wies der Sender aber darauf hin, dass er selbst von dem Unwetter betroffen gewesen sei. Der WDR reagierte damit auf Vorwürfe in sozialen Netzwerken und Kritik aus der Medienbranche.

„Wir teilen die Einschätzung, dass der WDR noch umfangreicher aus Wuppertal hätte berichten müssen, allerdings war das dortige WDR-Studio selbst so stark vom Unwetter betroffen, dass es ab 3 Uhr in der Nacht nicht mehr selber senden konnte“, sagte eine WDR-Sprecherin in Köln am Donnerstag auf dpa-Anfrage.

„Übernommen haben die Studios in Düsseldorf und Köln, um mit Regionalnachrichten die Bevölkerung im Bergischen Land informieren zu können. Dafür liefern WDR-Reporter, die in Wuppertal unterwegs sind, die Informationen zu. Das Studio Wuppertal wird gerade mit Hilfe alternativer Übertragungswege wieder livefähig gemacht.“

Der WDR steht wegen seiner Berichterstattung aus Nordrhein-Westfalens Unwetterregionen in der Kritik. Der größte ARD-Sender hatte sein Nachtprogramm im Fernsehen und auf der Hauptwelle WDR2 trotz sich zuspitzender Lage in Wuppertal und anderen Orten in der Nacht zum Donnerstag nicht unterbrochen. In sozialen Netzwerken mehrten sich Vorwürfe. Der WDR kündigte für Donnerstag „Sondersendungen im Radio und Fernsehen zu Auswirkungen des Unwetters in NRW“ an.

Seehofer: Unwetter sind Folge des Klimawandels

13.36 Uhr: Das Technische Hilfswerk (THW) hat den Katastrophenschutz in den von Überschwemmungen betroffenen Ländern am Donnerstag mit rund 2100 Einsatzkräften unterstützt. In Rheinland-Pfalz seien zudem Hubschrauber aus mehreren Bundesländern zur Rettung von Menschen aus Überflutungsgebieten unterwegs, teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage mit. Weitere Hubschrauber der Bundespolizei stünden in Bereitschaft.

„Ich biete den Ländern jegliche Unterstützung an. Jetzt ist die Stunde der Einsatzkräfte und der Solidarität“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) der „Bild“. „Diese extremen Wetterkapriolen sind die Folgen des Klimawandels“, fügte er hinzu. „Wir müssen uns viel besser darauf vorbereiten, auch beim Hochwasserschutz.“ Nach Angaben seines Ministeriums waren am Donnerstag insgesamt mehr als 15.000 Kräfte von Feuerwehr, Polizei, Hilfsorganisationen, THW und Bundeswehr im Einsatz, um Menschen zu retten sowie Wohnungen, Betriebe und Infrastruktur vor den Wassermassen zu schützen.

Das Dach eines zerstörten VW Käfer ragt in dem Ort im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter mit Hochwasser aus dem Schutt heraus
Das Unwetter zerstörte Autos, Häuser und Straßen.

Die Verantwortung für den Katastrophenschutz liegt in Deutschland bei den Ländern. Sie können bei besonders schweren Unglücksfällen oder Naturkatastrophen aber Unterstützung von anderen Ländern und vom Bund anfordern, etwa vom Technischen Hilfswerk, der Bundeswehr oder der Bundespolizei. Laut Ministerium gab es seit der gestrigen Nacht über 60 behördliche Warnmeldungen und Hinweise an die Bevölkerung.

„Auch unsere Nachbarn in Belgien und den Niederlanden waren stark betroffen“, hieß es aus dem Bundesinnenministerium. Derzeit werde geprüft, wie Deutschland dort Hilfe leisten könne.

Kein Trinkwasser: Krankenhaus bei Aachen evakuiert

13.20 Uhr: Wegen der Hochwasserlage wird das Krankenhaus in Eschweiler bei Aachen evakuiert. Intensivpatienten würden per Rettungshubschrauber vom Dach abgeholt und in andere Kliniken gebracht, sagte eine Sprecherin der Städteregion am Donnerstag. Nach Angaben der ADAC-Luftrettung ist der Hubschrauber «Christoph Europa 1» aus Würselen im Einsatz. Die anderen der rund 300 Patienten sollen im Laufe des Tages in umliegende Krankenhäuser verlegt werden oder seien vorzeitig nach Hause entlassen worden, sagte die Sprecherin.

Ein Feuerwehrwagen steht am Seiteneingang des Krankenhauses in Eschweiler
Das Krankenhaus in Eschweiler musste evakuiert werden.

Im Krankenhaus sei – wie im Großteil der Innenstadt von Eschweiler – die Trinkwasser- und Stromversorgung ausgefallen. Nach Angaben der Sprecherin ist infolge des Starkregens eine Trinkwasserleitung gebrochen, die die Innenstadt versorgt. Die Einwohner wurden aufgerufen, auf unnötigen Wasserverbrauch durch Duschen oder Toilettenspülungen verzichten.

Schlimmste Niederschläge wohl überstanden

12.50 Uhr: Die gute Nachricht: Der Höhepunkt der extremen Niederschläge in Teilen Deutschlands ist nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) überschritten. Der DWD-Meteorologe Marco Manitta erwartete am Donnerstag „eine Entspannung der Wetterlage“. Zwar könne es weiterhin „punktuellen Starkregen“ geben, dieser sei aber nicht mehr so verbreitet wie in der vergangenen Nacht, sagte Manitta. „Das Unwetterpotenzial sinkt deutlich.“

Die größten Niederschlagsmengen gab es Manitta zufolge in einem breiten Streifen vom Sauerland über das Bergische Land und die Eifel, den Großraum Köln/Bonn bis zur Grenze nach Luxemburg. Spitzenreiter war Rheinbach-Todenfeld (Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen) mit 158 Millimeter Wasser im Messzeitraum 24 Stunden – wobei das meiste davon in kürzerem Zeitraum vom Himmel fiel, wie der Experte erklärte. Danach folgte Köln-Stammheim mit 154 Millimetern. Der gemessene 24-Stunden-Zeitraum hatte um 8 Uhr am Mittwochmorgen begonnen.

Laut DWD gab es die meisten Niederschläge in Rheinland-Pfalz in Gerolstein (124 Millimeter) und in Lissendorf (119 Millimeter). Beide Orte liegen im Landkreis Vulkaneifel. Die Angaben Millimeter und Liter pro Quadratmeter sind laut DWD identisch. Die unterschiedlichen Angaben zu den Niederschlagsmengen erklären sich laut DWD vermutlich dadurch, dass der vom Ministerium genannte Zeitraum nicht exakt 24 Stunden umfasst.

Bisherige Bilanz: Mindestens 19 Tote

12.37 Uhr: Die schweren Unwetter in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben mindestens 19 Menschen das Leben gekostet. Im besonders betroffenen Kreis Ahrweiler in der Eifel (Rheinland-Pfalz), wo es zu Hauseinstürzen kam, starben mindestens vier Menschen. Das erklärte die Polizei in Koblenz am Morgen. Der Kreis Euskirchen in NRW vermeldet acht Tote. In Solingen stürzte ein 82-Jähriger in seinem überfluteten Keller und ertrank, in Kamen kam ein 77-Jähriger in seinem voll gelaufenen Keller ums Leben.

Merkel erschüttert über Unwetter-Meldungen

12.36 Uhr: Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich entsetzt angesichts der Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. „Ich bin erschüttert über die Katastrophe, die so viele Menschen in den Hochwasser​gebieten durchleiden müssen“, erklärte Merkel laut einem Tweet von Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag. „Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten und Vermissten. Den vielen unermüdlichen Helfern und Einsatzkräften danke ich von Herzen.“

Die Menschen schauen in dem Ort im Kreis Ahrweiler nach dem Unwetter auf die Zerstörungen
Bewohner des Kreises Ahrweiler schauen auf ihre zerstörten Häuser.

Mann in Tagebau vermisst

12.17 Uhr: Nahe Aachen hat der Hochwasser führende Fluss Inde einen Deich in der Nähe des Braunkohletagebaus Inden überspült und läuft seit dem Morgen in den Tagebau. Ein Sprecher des Energieunternehmens RWE sagte am Donnerstag, ein Mitarbeiter dort werde vermisst. Nach dem Mann werde mit einem Hubschrauber gesucht. Der Abbaubetrieb sei eingestellt worden. Der Zufluss des Wassers dauere an.

Der Sprecher sagte, der Fluss sei gegen 6.30 Uhr bei Lamerdorf über den Deich geschwappt. Die Inde ist nach heftigen Regenfällen in den vergangenen Tagen stark angeschwollen. Der Fluss verläuft in der Nähe des Tagebaus. Die oberhalb an der Inde liegenden Städte Eschweiler und Stolberg sowie Aachen-Kornelimünster sind ebenfalls heftig von Hochwasser betroffen.

Tote in Kölner Keller entdeckt

11.57 Uhr: In Köln sind zwei Menschen ebenfalls tot in ihren mit Wasser vollgelaufenen Kellern entdeckt worden. Die Feuerwehr habe die Frau sowie den Mann am späten Mittwochabend gefunden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. „In beiden Fällen hat die Polizei Ermittlungen zur genauen Todesursache aufgenommen“, erklärten die Ermittler.

Tote Passantin auf Straße gefunden

11.45 Uhr: In Rheinbach bei Bonn ist am frühen Donnerstagmorgen eine tote Frau auf einer Straße entdeckt worden. Ein Zusammenhang mit dem Unwetter, von dem auch Rheinbach mit überfluteten Straßen stark betroffen war, sei wahrscheinlich, erklärte die Bonner Polizei.

Häuser sind einsturzgefährdet

11.30 Uhr: Im stark betroffenen Ort Schuld sind zudem mehrere Häuser einsturzgefährdet, dies sagte ein Sprecher der Polizei in Koblenz am Donnerstagmorgen der Nachrichtenagentur AFP. Zudem befinden sich „sehr viele“ Menschen auf den Hausdächern, um von dort gerettet werden zu können. Die Rettungseinsätze laufen derzeit auf Hochtouren.

Armin Laschet trifft in betroffenen Gebieten ein

11.10 Uhr: Am Donnerstagmorgen traf Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im Märkischen Kreis ein, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Er informierte sich in Altena in der Leitzentrale des Kreises beim Landrat und beim Kreisbrandmeister über die Lage, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Anschließend fuhr er in die besonders von den Unwettern betroffene Stadt Hagen.

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Der CDU-Chef hatte wegen der dramatischen Hochwasserlage im Westen Deutschlands seinen geplanten Besuch bei der Klausur der CSU-Landesgruppe in Seeon abgesagt.

Erste Aufräumarbeiten nach dem Unwetter

10.08 Uhr: Mehr als 1000 Einsatzkräfte waren in der Nacht zum Donnerstag allein im Kreis Trier-Saarburg im Unwettereinsatz. In Rheinland-Pfalz sollen im Kreis Vulkaneifel und in der Ortsgemeinde Kordel im Landkreis Trier-Saarburg am Donnerstag die Schulen geschlossen bleiben. Und vielerorts dürfte es nun an die Aufräumarbeiten gehen. (alp/mik/prei/vd/dpa)

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