Ein Häftling auf dem Hof des berüchtigten Gefängnisses.
  • Ein Häftling auf dem Hof des berüchtigten Gefängnisses.
  • Foto: imago UPI Photo

Häftling berichtet von Guantanamo-Folter: „Ich dachte ich würde sterben“

Er wurde nackt aufgehängt, geschlagen, missbraucht, mit Einläufen gequält. Das, was Majid Khan im US-Knast in Kuba angetan wurde, nennen die Verantwortlichen „verstärkte Verhöre“. Erstmals überhaupt gibt es nun einen detaillierten Bericht zu solchen Praktiken.

„Ich dachte, ich würde sterben“: Majid Khan muss Unvorstellbares erlebt haben. Am Donnerstag (Ortszeit) spricht der heute 41-Jährige vor einer Militärjury in Guantánamo Bay von seiner Zeit im benachbarten, umstrittenen US-Gefängnis. Er verliest eine 39-seitige Erklärung, aus der mehrere Medien zitieren.

Darin berichtet Khan, dass man ihn nackt an der Decke aufgehängt und mit Eiswasser übergossen habe. Man zwang ihn zum Hinkauern „wie einen Hund“, ließ ihn tagelang hungern und im Dunkeln. Mehrfach wurde Waterboarding an ihm vollzogen, das vorgespielte Ertränken.

Guantánamo-Häftling Majid Khan war Kurier für Al Qaida

Ein Teil dessen, was Khan angetan wurde, ist auch in einem 2014 veröffentlichten Bericht des US-Geheimdienstausschusses beschrieben. Khans Aussage vor der Jury ist jedoch das erste Mal, dass ein Ex-Häftling öffentlich von seinen Qualen erzählt.

Der Pakistaner kam mit seiner Familie in den 90ern in die USA, erhielt Asyl. Bei einem Besuch in der Heimat nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde er durch seine Verwandtschaft radikalisiert. „Ich bin zu Al Qaida gegangen“, sagt er. „Ich war so unglaublich dumm. Aber sie versprachen (…), meine Sünden zu reinigen, mich zu erlösen – und ich habe es geglaubt.“

Majid Khan (nicht verwandt mit der Autorin) verbrachte mehrere Jahre in Guantanamo.
Majid Khan (nicht verwandt mit der Autorin) verbrachte mehrere Jahre in Guantanamo.

Bei der Terrororganisation war Khan für Kurierdienste zuständig. So überbrachte er 2003 Geld an einen Al-Qaida-Mann, der damit ein Bombenattentat finanzierte. Wenig später wurde Khan in Pakistan verhaftet und nach Guantánamo gebracht. 2012 verurteilte man ihn, jetzt allerdings erst setzt die Jury das Strafmaß fest – in der Zwischenzeit kooperierte Khan mit den Ermittlern.

„Je mehr ich kooperierte, umso mehr wurde ich gefoltert“

Bereits kurz nach der Inhaftierung, sagt der 41-Jährige, habe er alles erzählt, was er wusste – in der Hoffnung auf Freilassung. „Stattdessen wurde ich umso mehr gefoltert, je mehr ich kooperierte.“ Als er in den Hungerstreik trat, habe man ihm angedroht, sein Mittagessen zu pürieren und anal einzuführen. Nachdem Khan auch nichts mehr getrunken habe, sei er mit Gartenschläuchen gequält worden: „Sie haben ein Ende an den Hahn angeschlossen, das andere in mein Rektum gesteckt und das Wasser aufgedreht.“


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Bevor die CIA ihn in ein anderes Gefängnis verlegte, habe ihm ein Sanitäter einen Einlauf gemacht und ihn dann in eine Windel gesteckt, die mit Klebeband befestigt war, damit er während des Fluges keine Toi­lettenpause brauchte, erzählt Khan weiter. In dem anderen Gefängnis sei er dann geschlagen und sexuell missbraucht worden.

Trotz allem: „Ich vergebe denen, die mich gefoltert haben“, sagt Khan. Gleichzeitig bitte er „die um Vergebung, denen ich Unrecht getan und wehgetan habe“. Die Jury wird ihn wohl am Freitag zu 25 bis 40 Jahren Haft verurteilt haben. Schon 2025 könnte er aber vorzeitig freikommen – er hat umfänglich kooperiert.

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