World Trade Center
  • Wolken, Staub und Rauch über den eingestürzten Türmen des World Trade Centers in Manhattan.
  • Foto: (c) dpa

In Hamburg geplant: Der schlimmste Anschlag der Geschichte

Ein junger gut aussehender Mann mit dunklen Haaren, dunklem Teint, der ziemlich grimmig dreinschaut. Jeder hat dieses Foto noch vor Augen. Wer seinen Namen hört – Mohammed Atta – sieht wieder die Flugzeuge ins World Trade Center rasen. Erst eins, dann zwei. Eine weitere entführte Maschine bohrt sich ins Pentagon, eine andere stürzt in Pennsylvania auf einen Acker. Die Erinnerung an dieses Grauen ist so präsent, als wäre es vergangenes Jahr gewesen. Dabei sind genau 20 Jahre vergangen, seit die Angst vor einem Dritten Weltkrieg die Runde machte – und dann auch noch herauskam, dass die Verschwörer ihre Pläne in Hamburg geschmiedet hatten. Ein Schock, der tief sitzt. Bis heute.

Wir sind zu Besuch in der TU Harburg. Bei dem Mann, bei dem Mohammed Atta studierte und seine Diplomarbeit schrieb. Städtebau-Professor Dittmar Machule (80) ist längst emeritiert, kann aber immer noch im selben Büro wie damals forschen, im Dachgeschoss eines Uni-Nebengebäudes. Wir wollen von ihm wissen, was der 11. September 2001 zwei Jahrzehnte danach für ihn bedeutet.

Ein besonderer Student: Attentäter Mohammed Atta

„Es gibt da so Momente, an die ich häufiger denke“, erzählt Machule. „Da ist der Tag, an dem Mohammed – sein Diplom lag schon einige Zeit zurück – überraschend auf dem Flur stand und durch die offene Tür grüßend zu mir blickte, als ich gerade im Gespräch mit einem Studenten war. Er sah irgendwie ernst aus.  Ich sagte erfreut: ,Hallo Mohammed, lange nicht gesehen, was machst du denn …?‘ – Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass er an diesem Tag wohl nur aus einem Grund hier war: um von mir Abschied zu nehmen. Ich habe ihn nie wieder gesehen.“

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Ob Atta sein Lieblingsstudent war? Nein, das zu sagen, wäre übertrieben, findet Machule. „Aber unter den ausländischen Studenten ist er mir schon besonders aufgefallen. Er saß immer in der ersten Reihe, hörte besonders aufmerksam zu.“ Ein kluger, sensibler Mensch sei er gewesen und, ja, streng religiös. „Er weigerte sich, Frauen die Hand zu geben. Das hat uns schon gewundert, aber wir haben gedacht: „Er ist eben ein strenggläubiger Moslem.“

Machule sagt, es habe ihm imponiert, dass Atta einerseits so fromm war, andererseits auch so offen dem Westen gegenüber. „Für mich war er einer, von dem ich hoffte, dass er – wenn er zurückgeht in seine Heimat – ein Bindeglied sein könnte zwischen der muslimischen und unserer kapitalistisch-westlichen Kultur. Aber da habe ich falsch gelegen.“

Hinweis auf Gefährlichkeit von Mohammed Atta in seiner Diplomarbeit?

Im August 1999 legt Atta seine Diplomarbeit vor. Die Widmung, die er darin hinterlassen hat, lässt sich rückblickend als versteckte Drohung interpretieren: „Mein Gebet und meine Opferung und mein Leben und mein Tod gehören Allah, dem Herrn der Welten.“

In der Arbeit selbst deutet nichts auf extremistisches Denken oder gar Terrorpläne hin. Atta beschäftigt sich vielmehr sehr konstruktiv mit einem Altstadtviertel der syrischen Stadt Aleppo und unterbreitet Vorschläge, wie es am besten zu sanieren sei. Hier wird das Profil eines Menschen sichtbar, der aufbauen will, nicht zerstören.

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Dieser Widerspruch ist es, über den sich Machule auch heute noch den Kopf zermartert: „Wie das möglich ist? Dass da einer Stadtplanung studiert, sich damit auseinandersetzt, das Lebensumfeld von Menschen zu verbessern und Städte zu erneuern – und dass derselbe Mann zwei Jahre später ein Flugzeug kapert und den schlimmsten Terroranschlag der Geschichte verübt?“

Mohammed Atta: Wer war er? Was hat ihn und seine Komplizen zu Massenmördern gemacht?

Geboren wird er am 1. September 1968 in der kleinen ägyptischen Stadt Kafr al-Sheik. Er studiert an der Universität Kairo Architektur und macht seinen Abschluss als Bauingenieur. 1992 kommt er 24-jährig nach Deutschland und immatrikuliert sich an der TU Harburg für Städtebau und Stadtplanung.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Atta schon Terrorpläne hat, als er in Deutschland eintrifft. Für ihn und wohl auch alle anderen Mitglieder der späteren Hamburger Terrorzelle gilt: Nicht in ihren Heimatländern, erst in Deutschland radikalisieren sie sich.

Radikalisierung: Begann es mit einer Zugfahrt?

Alles beginnt – so die offizielle Version – 1999 mit einer Zugfahrt durch Deutschland. Dabei treffen zwei aus der späteren Hamburger Terrorzelle auf einen ihnen bis dahin unbekannten bärtigen Glaubensbruder. Es kommt zu einem Gespräch, bei dem es auch um den Krieg in Tschetschenien und den dortigen Kampf gegen die „Ungläubigen“ geht.

Einige Zeit später rufen die beiden Hamburger – es sind der Jemenit Ramzi Binalshibh und Marwan al-Shehhi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten – ihre Zugbekanntschaft an, weil sie sich entschieden haben, beim Dschihad in Tschetschenien mitzumachen. Gemeinsam mit einem Freund, dem Libanesen Ziad Jarrah, fahren sie anschließend nach Duisburg und treffen einen Kontaktmann Al Kaidas, der ihnen dazu rät, zunächst eine Kampfausbildung in Afghanistan zu absolvieren. Die drei reisen Ende 1999 zusammen mit einem vierten Araber aus Hamburg, es ist Mohammed Atta, nach Afghanistan. Und damit ist die Hamburger Terrorzelle geboren.

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Wie gesagt: Das ist die offizielle Version, wie sie im 567 Seiten langen 9/11-Bericht der Untersuchungskommission des US-Kongresses von 2004 nachzulesen ist. 

Begann die Radikalisierung schon viel früher?

Der Haken an dieser Darstellung: Sie beruht auf der Aussage Ramzi Binalshibhs, mutmaßlich in einem CIA-Verlies unter Folter erzwungen. Deutsche Behörden zweifeln an der Glaubwürdigkeit. Die Zufallsbegegnung in der Eisenbahn – sie habe, so heißt es schon 2008, wohl eher „Legendenstatus“.

Inzwischen gibt es Hinweise, dass möglicherweise alles schon viel früher begonnen hat.

Osama bin Laden
Al-Kaida-Chef Osama bin Laden gilt als Initiator der Anschläge des 11. September 2001.

Sicher ist, dass die Idee, ein Passagierflugzeug als Bombe gegen ein markantes Gebäude der USA einzusetzen, 1994 erstmals aufkommt. Zunächst winkt Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ab, wohl weil er glaubt, ein solcher Anschlag sei nicht umsetzbar. 1998 kommt der Gedanke mit der Flugzeug-Bombe erneut auf. Und im Frühjahr 1999 lässt sich der Terrorchef überzeugen. Chalid Scheich Mohammed, der Chefplaner Al Kaidas, wird beauftragt, alles in die Wege zu leiten.

Rekrutierung der Attentäter

Worauf es bei einem solchen Plan vor allem ankommt: dass es dafür geeignete Rekruten gibt. Hoch intelligente, technisch versierte, körperlich fitte und der englischen Sprache mächtige junge Männer. So wie Atta und die anderen. 

Als sicher gilt, dass es der Deutsch-Syrer Muhammad Haydar Zammar aus Hamburg ist, der Atta & Co. rekrutiert. Zammar, gelernter Kfz-Schlosser aus Alsterdorf, ist so etwas wie der Statthalter der Terrororganisation in Hamburg. Er geht in der Al-Quds-Moschee am Steindamm in St. Georg ein und aus, und dort verkehren bald auch Atta & Co.

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Die Al-Quds-Moschee – sie nimmt eine Schlüsselposition in der Geschichte ein: Hier passiert die Gehirnwäsche, hier werden die Täter zu Killern gemacht. Hassprediger wie der aus Marokko stammende Mohammed al-Fasasi fanatisieren hier ihr Publikum mit Parolen wie „Du hast die Aufgabe, die Herrschaft der Ungläubigen zu beseitigen, ihre Kinder zu töten, ihre Frauen zu erbeuten und ihre Häuser zu zerstören“.

Im Ausbildungslager von bin Laden

Nicht erst 1999, bereits Ende 1997 verschwindet Mohammed Atta für Monate von der Bildfläche. Attas Professor Dittmar Machule fragt Anfang 1998 nach der Rückkehr: „Mohammed, was ist passiert? Wo warst du?“ Atta antwortet, er sei in der Heimat gewesen, es gebe Familienprobleme. Mehr wolle er dazu nicht sagen.

Auch Binalshibh und al-Shehhi verschwinden 1998 für längere Zeit aus Hamburg, ohne dass ihr Aufenthalt bekannt ist.

Hamburger Terrorzelle
Die Hamburger Terrorzelle. Erste Reihe von links: Zakariya Essabar, Abdullah Binalshibh, Said Bahaji. Untere Reihe von links: Mounir El Motassadeq, Mohammed Atta und Abdelghani Mzoudi.

Wo sie sind, ist heute klar: in einem Ausbildungslager von Osama bin Ladens Terrororganisation in Afghanistan. Ob sie zu diesem Zeitpunkt schon erfahren, welchen unfassbaren Auftrag sie haben?

Im Wesen der künftigen Terroristen gehen Veränderungen vor sich, die aber niemand bemerkt oder niemanden misstrauisch machen: Atta gründet 1999 eine Islam-AG und verlangt von der TU Harburg, sie möge einen Betraum für muslimische Studenten zur Verfügung stellen – ein Wunsch, der auch sofort erfüllt wird. Attas Argument lautet: „Wenn ich nicht beten kann, kann ich auch nicht studieren.“

Die Terror-WG in Harburg

Bereits seit November 1998 ist das Haus Marienstraße 54, ein trister Nachkriegsbau, Sitz der Terror-WG: drei Zimmer, Küche, Bad. Eine 58 Quadratmeter große Wohnung mit einer Fußmatte vor der Eingangstür, auf der „Moin Moin“ steht.

Atta ist es, der in der Gemeinschaft das Sagen hat, der die anderen indoktriniert, sie wieder auf Spur bringt, wenn sie zweifeln. Und der sich bei Nachbarn harsch beschwert, wenn die zu laut Musik hören.

Marienstraße
Marienstraße 54 in Harburg: der Wohnsitz der Terror-WG. Atta & Co. bewohnten 58 Quadratmeter. Vor der Tür lag eine Matte, auf der stand: „Moin Moin“.

Hauptmieter der Wohnung ist Said Bahaji. Atta überweist seinen Mietanteil monatlich und schreibt als Verwendungszweck stets diese Worte auf das Formular: „Dar el-Ansar“, was zu Deutsch „Haus der Unterstützer“ oder „Haus der Anhänger“ bedeutet.

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In den endlosen Gesprächen, die in der Terror-WG stattfinden, spielen Verschwörungstheorien und Antisemitismus eine große Rolle. Später, im Prozess gegen Mounir al-Motassadeq, sagen Zeugen aus, es habe sich alles nur noch um „die Juden“ und um Amerika gedreht und darum, dass es Frieden mit Israel niemals geben werde.

Terror-Anschläge auf drei verschiedene Orte beabsichtigt

Der letzte Akt in diesem schauerlichen Drama beginnt im Jahr 2000: Da brechen Atta und Marwan al-Shehhi in die USA auf, wo sie für sechs Monate die Flugschule Huffman Aviation in Florida besuchen und schon im Dezember 2000 erfolgreich ihre Pilotenprüfung bestehen.

Untereinander kommunizieren die Angehörigen der Terrorzelle von da an nur noch verschlüsselt. Ist in ihren E-Mails von „Kunstakademie“ die Rede, ist das Pentagon gemeint. „Fakultät für Stadtplanung“ steht für das World Trade Center. „Juristische Fakultät“ ist das Codewort für den US-Kongress. Das sind die drei Ziele, auf die sie es abgesehen haben.

Im Spätsommer 2001 sind alle Vorbereitungen getroffen. Kurz vor dem Attentat telefoniert Atta ein letztes Mal mit Ramzi Binalshibh in Hamburg, dem „Bankier“ der Terrorzelle, und teilt ihm mit, wann es so weit ist. Binalshibh sagt später aus, Atta habe kein Datum genannt, sondern ihn stattdessen gefragt: „Was sind zwei Stöcke und ein Strich mit einem Kuchen?“ – „Da wusste ich, es wird am 11.9. geschehen“, so Binalshibh.

Der Tag des Grauens

An diesem Tag ist in New York der Himmel wolkenlos und stahlblau. Die Sonne lacht. Alles spricht dafür, dass es ein herrlicher Spätsommertag werden würde. 

Aber es wird ein Tag unvorstellbaren Grauens.


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Es ist 8.46 Uhr Ortszeit, als Mohammed Atta American-Airlines-Flug 11 in den Nordturm des World Trade Centers lenkt. 17 Minuten später, um 9.03 Uhr, rammt Marwan al-Shehhi als Pilot von United-Airlines-Flug 175 den Südturm. Ziad Jarrah, der an der Fachhochschule Hamburg Flugzeugbau studiert hat, sitzt im Cockpit von United-Airlines-Flug 93 – das ist die Maschine, die um 10.03 Uhr im US-Bundesstaat Pennsylvania auf einem Acker aufschlägt. Nur der vierte Todespilot, Hani Handschur aus Saudi-Arabien, kommt nicht aus Hamburg: Er sitzt am Steuerknüppel von American-Airlines-Flug 77. Endstation: das Pentagon.

Mehr als 3000 Tote beim Anschlag auf das World Trade Center

Unvergesslich sind die Bilder der Menschen, die aus dem brennenden World Trade Center in den sicheren Tod springen. Unvergesslich sind die letzten SMS, die die Menschen aus den Twin Towers und den Flugzeugen senden, sind die letzten Telefonate, die sie führen. Alle wollen ihren Nächsten noch mal sagen: „Ich liebe dich.“ Unvergesslich sind die Bilder der einstürzenden Wolkenkratzer.  Sie gehören zum kollektiven Gedächtnis der Menschheit.

Anschlag World Trade Center
Der erste Turm ist schon getroffen und brennt, da rast eine Maschine auch in den zweiten Turm des World Trade Centers.

Mehr als 3000 Männer, Frauen und Kinder sterben bei den Anschlägen des 11. September 2001. Ein terroristischer Massenmord, der weitreichende Folgen hat: US-Präsident Georg W. Bush erklärt dem weltweiten Terror den Krieg, schickt seine Truppen nach Afghanistan, wo sie 20 Jahre bleiben werden. Erst vor wenigen Tagen ging der Einsatz dort unrühmlich zu Ende.

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Hauptziel der USA: die Verantwortlichen der Terroranschläge zu finden und zu bestrafen. Als am 2. Mai 2011 eine US-Spezialeinheit der „Navy Seals“ Osama bin Laden in Pakistan aufspürt und exekutiert, ist längst George W. Bushs Nachfolger im Amt: Barack Obama.

Noch zwei Männer von der „Hamburger Terrorzelle“ am Leben

Von den sieben Männern, die zur „Hamburger Terrorzelle“ gezählt werden, sind zwei noch am Leben: Ramzi Binalshibh setzt sich nach Pakistan ab, wo er im September 2002 festgenommen wird. Er befindet sich wahrscheinlich  nach wie vor im US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba.

Mounir al-Motassadeq steht als Helfer der Terroristen in Hamburg vor Gericht, wird in einem jahrelangen Verfahren zu 15 Jahren Haft verurteilt und 2018 nach Marokko abgeschoben.  

Said Bahaji taucht wenige Tage vor den Anschlägen des 11. September unter. Im September 2013 soll er im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gestorben sein.


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Schließlich: Zakariya Essabar, ein Marokkaner, der zeitweise mit Atta & Co. in der „Terror-WG“ lebt. Er setzt sich schon vor dem Anschlag nach Pakistan ab. Der Generalbundesanwalt erlässt gegen ihn im Oktober 2001 Haftbefehl. Es soll in Afghanistan einem Terror-Ausbildungscamp beigetreten und dort angeblich ums Leben gekommen sein.

Das heutige Leben in der der Marienstraße 54

In der Wohnung in der Marienstraße 54, wo die Terroristen ihre furchtbaren Pläne schmiedeten, leben heute andere Menschen. Lust, die Reporter reinkommen zu lassen, haben sie nicht. „Kein Interesse“, so einer der Bewohner, dann knallt er unwirsch die Tür zu. Verständlich. In den vergangenen Jahren haben immer wieder Leute geklingelt. Journalisten. Oder auch nur Neugierige. Das nervt.

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Eine Etage drüber lebt ein junger Asiate, den wir fragen, wie es für ihn ist, in dem Haus zu leben, in dem Atta & Co. einst wohnten. Er runzelt nur die Stirn. „Wer?“ Na, die Terroristen, die das World Trade Center zum Einsturz brachten … Er zuckt mit den Schultern. „Davon habe ich noch nie gehört.“

Leben des Professors von Terrorist Mohammed Atta hat sich seit dem Anschlag verändert

Der Professor eines Top-Terroristen gewesen zu sein, das hat Dittmar Machules Leben verändert. Eine große Belastung sei es für ihn allerdings nicht. „Hätte ich das Gefühl, ich hätte mich an dieser oder jener Stelle anders verhalten sollen oder wenn ich mir vorwerfen müsste, dass es Hinweise auf den Terrorakt gab, die ich ignoriert hätte, dann wäre es schlimm. Aber dem ist nicht so.“

Dittmar Machule
Professor Dittmar Machule (80) von der TU Harburg: Bei ihm hat Todespilot Mohammed Atta seine Diplomarbeit im Fach Städtebau geschrieben.

Aber eine Lehre hat er aus den Ereignissen von vor 20 Jahren gezogen, das schon. „Nämlich die, dass der Mensch das grausamste aller Tiere sein kann. Es ist ihm wirklich alles zuzutrauen.“

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