Als gäbe es kein Corona: Der Andrang auf die deutschen Skigebiete (hier Winterberg) war am Wochenende enorm.
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Dreiste Schnee-Touris: Wieder Ansturm auf deutsche Winter-Orte – Behörden verzweifelt

Winterberg/Willingen/Torfhaus –

Trotz Corona sind die deutschen Wintersportgebiete auch an diesem Wochenende wieder hoffnungslos überfüllt gewesen. Vielerorts reagierten die verzweifelten Behörden mit harten Maßnahmen und riegelten Zufahrtsstraßen ab. Doch auch danach schafften es einige dreiste Schneeliebhaber auf die abgesperrten Pisten. Es gab teils verstörende Szenen.

Am dramatischsten war die Lage am Wochenende wohl im nordrhein-westfälischen Winterberg: Die dortigen Skipisten wurden von schneehungrigen Tagestouristen geradezu überrannt. „Die aktuellen Wetterverhältnisse (…) haben dazu geführt, dass täglich zehntausende Touristen den Weg nach Winterberg suchen“, erklärte die Stadt in einer aktuellen Allgemeinverfügung. Dadurch sei es zu Menschenansammlungen gekommen, eine Einhaltung von Mindestabständen sowie die Kontrolle der Maskenpflicht sei nicht mehr möglich gewesen. So sah die Stadt sich gezwungen, beliebte Skigebiete, -lifts und Parkplätze zu sperren. 

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In Winterberg musste die Polizei zahlreiche Menschen von den Skipisten begleiten. Sie hatten die Sperrungen einfach ignoriert.

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dpa

Trotz Sperrungen: Touristen-Ansturm in Winterberg

Einige besonders dreiste Touris konnten es dennoch nicht lassen und zogen am Sonntag auf die abgesperrten Skipisten, wie die Kreispolizeibehörde in einer Pressemitteilung erklärte. „Trotz des Betretungverbotes gelang es einigen Ausflüglern auf die gesperrten Pisten zu gelangen. Diese wurden gezielt von den eingesetzten Kräften angesprochen und von der Piste begleitet“, so die Polizei.

Demnach hätte man 150 Verwarngelder wegen Parkverstößen verhängen und 63 Platzverweise erteilen müssen sowie 6 Verstöße gegen die Maskenpflicht, 19 Verstöße gegen das Betretungsverbot und 5 Verstöße gegen Kontaktbeschränkung festgestellt. 

Weil der Ansturm jedoch weiter anhielt, sahen die Beamten sich gezwungen, „Winterberg abzusperren“, wie es auf Twitter hieß.

Zur Mittagszeit wurden zahlreiche Zufahrtsstraßen abgeriegelt, Fahrzeuge auf dem Weg nach Winterberg umgeleitet. Die Straßensperrungen seien „das finale Mittel, das wir als Kommune zur Verfügung stehen haben“, erklärte Bürgermeister Michael Beckmann, der die Polizei um Amtshilfe gebeten hatte, gegenüber der „Westfalenpost“.

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Die Stadt Winterberg appelliert auf ihrer Webseite und Social Media an die Vernunft der Schneehungrigen. „Der Drang nach (Bewegungs)Freiheit ist menschlich und verständlich“ heißt es da. Doch das Gebot heiße „Kontaktvermeidung!“ Und weiter: „Helft uns!“

Willingen: Zufahrtsstraßen wegen Verkehrschaos gesperrt

Etwa 30 Kilometer weiter im hessischen Willingen sah es am Wochenende nicht besser aus. Wie die „Waldeckische Landeszeitung“ informierte, wird die dortige Polizei „im Laufe der Woche sämtliche Skipisten, Rodelhänge und auch die Parkplätze im Skigebiet“ schließen. Wie in Winterberg soll diese Maßnahme vorerst bis kommenden Sonntag greifen. „Wir sehen aufgrund der Erfahrungen keine andere Lösung“, bestätigte Bürgermeister Thomas Trachte (parteilos) am Montag. Der Landkreis arbeite an einer Verfügung auf Grundlage des Infektionsschutzrechts wegen der Corona-Pandemie. Ordnungsamt und Polizei würden das Verbot dann durchsetzen.

Laut Trachte hatte die Gemeinde über die Festtage zunächst gute Erfahrungen mit dem Besucherandrang gemacht. Allerdings seien nach der Schließung der Parkplätze und Pisten des benachbarten Wintersportgebietes Winterberg in Nordrhein-Westfalen Tausende nach Willingen ausgewichen. Das Touri-Chaos in Willingen sei durch die Sperrungen in Winterberg zusätzlich verschärft worden, bestätigte auch die Ettelsberg-Seilbahn GmbH gegenüber der „Waldeckischen Landeszeitung“.

Neben Problemen mit fehlenden Parkplätzen und Toiletten sei dadurch auch der Infektionsschutz nicht mehr gewährleistet gewesen. So hätte es am Samstag in der Ortslage ein Verkehrschaos, übervolle Straßen und Verstöße gegen die Corona-Regeln gegeben. Deshalb wurden die Zufahrtsstraßen nach Willingen gesperrt – und damit die Zugänge ins Skigebiet.

„Auch wenn es viele nicht glauben wollen: Auch bei uns in Willingen gilt der Lockdown“, schreibt das Skigebiet Willingen auf seiner Webseite und appelliert an die Vernunft der Besucher: „bitte bleibt zuhause, damit Corona keine Chance bekommt.“ Die Webcam aus Willingen wurde deaktiviert.

Andere Wintersport-Orte in Deutschland ebenfalls heillos überrannt

Auch andernorts ziehen die Verantwortlichen Konsequenzen: Thomas Schulz, der Bürgermeister des thüringischen Oberhof, will die für Wintersport bekannte Stadt weitgehend abriegeln. „Es sollen nur noch Leute Zugang haben, die hier wohnen oder arbeiten oder ein berechtigtes Interesse daran hat, hierher zu kommen“, sagte Schulz am Montag auf Anfrage. Er habe dies dem Thüringer Innenminister Georg Meier (SPD) bereits unterbreitet. Auch in Oberhof waren am Wochenende Straßen zugeparkt, Feuerwehrzufahrten versperrt und Rettungswege blockiert worden. 

Er sehe die Sperrung der Stadt als alternativlos an, sagte Schulz. „Ich habe Verständnis dafür, dass es die Menschen, die Familien mit Kindern in der Pandemie nach draußen drängt. Doch wir wurden überrannt, für den Ort ist die Menschenmasse nicht zu bewältigen.“ Es habe sich gezeigt, dass es nicht ausreiche, auf die Vernunft der Menschen zu setzen. 

Oberhof: Ein Hinweisschild mit der Aufschrift «Ausnahmegenehmigung Anwohner und Lieferverkehr frei» steht an einer Straße.

Ein Hinweisschild in Oberhof. Angesichts eines Ansturms von Ausflüglern will Bürgermeister Thomas Schulz die Stadt weitgehend abriegeln.

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Nach einem extrem hohen Besucheraufkommen sperrte auch die Eifel-Gemeinde Hellenthal in Nordrhein-Westfalen am Montag die Zufahrt zu Parkplätzen an den Ausflugszielen mit Bauzäunen ab. Laut einem Sprecher der Stadt hätten dort am Sonntag auf einem einzigen Parkplatz etwa 1.300 Autos geparkt. Die Besucher seien „in Strömen“ gekommen und erstmals auch auf die Dörfer und Weiler der 8000-Einwohner-Gemeinde ausgewichen. Wiesen und die Seitenränder einer Bundesstraße seien zugeparkt worden. Die Parkverbote werden nun vom Ordnungsamt durchgesetzt.

Trotz Corona: Menschenmassen ohne Abstand auf Skipisten

Und noch weitere Skiregionen in Deutschland haben trotz Corona mit einem hohen Besucheraufkommen zu kämpfen, der Feldberg im Taunus zum Beispiel: Auch hier reichten die Parkplätze nicht aus, die Autos würden kreuz und quer geparkt, wie Bürgermeister Hartmut Müller der „Frankfurter Neuen Presse“ erklärte. Die Region wurde daraufhin für Autos gesperrt, der öffentliche Personennahverkehr eingestellt.

Chaos herrschte am Wochenende auch im Schwarzwald: Laut „PZ-news“ wurden am Sonntag die Zufahrtsstraßen nach Dobel in Baden-Württemberg gesperrt. In den Orten Bad Wildbad, Sprollenhaus und Schömberg-Langenbrand waren demnach große Menschenmassen an den Schlittenhängen und achteten dabei weder auf die Einhaltung der Maskenpflicht, noch des Mindestabstandes.

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Falls einige Wintersportfreunde den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen haben, macht die Stadt Winterberg ihn auf ihrer Webseite relativ deutlich: „Wir lieben unsere Berge. Ihr auch. Aber in diesen Zeiten müssen wir diese Liebe ruhen lassen, denn der Ansturm führt zu Stau und zu Menschenaufläufen. Verstopfte Straßen, fehlende Parkplätze und viele potenzielle Kontakte. Wer will das schon! Tu Dir das doch nicht an.“

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