Esel Kasper auf dem Dannwisch-Hof in Horst bei Elmshorn.
  • Esel Kasper auf dem Dannwisch-Hof in Horst bei Elmshorn.
  • Foto: Bettina Blumenthal

Kasper, Held der Hühner, sucht dringend eine Frau

Kasper trägt eine große Verantwortung: Er wacht über 1100 Hühner. Er macht das sehr gern. Und er macht das auch richtig gut. Doch etwas Wichtiges fehlt in seinem Leben: Der sechs Jahre alte Zwergesel sucht dringend eine Frau.

Er hätte einer Eseldame viel zu bieten: ruhige Lage, großer 3000 Quadratmeter Außenbereich im Grünen, 300 Quadratmeter Wintergarten und Gras, soviel Frau möchte. Die Herzensdame hätte Kasper aber nicht für sich allein: Seit vier Jahren wacht er auf dem Demeter-Hof Dannwisch in Horst (Holstein) über 1100 Hühner.

„Kasper macht das klasse,“ sagt Thomas Scharmer (62), gelernter Landwirtschaftsmeister. „Seit wir Kasper bei unseren Hühnern haben, verlieren wir nachts kein Huhn mehr an Marder oder Fuchs. Die haben Angst vor Eseln.“ Denn Esel treten, beißen und machen mit ihren lauten „Iah“-Rufen richtig Alarm, berichtet Scharmer.

Esel Kasper mit seinem Chef, dem Bio-Landwirt Thomas Scharmer.
Esel Kasper mit seinem Chef, dem Bio-Landwirt Thomas Scharmer.

Esel als Hühner-Schützer auf Bio-Hof bei Hamburg

Das Gelände der Hühner liegt direkt an einem Waldrand. So musste ein Schutz für die Hühner her. Denn die können auf dem Hof Dannwisch immer rein und raus, gerade so wie sie es möchten. „Unsere Hühner mussten sich an die Esel erst gewöhnen“, erzählt Scharmer. „Die haben anfangs gemeckert und sind alle rein in ihren Stall. Aber Kasper strahlt viel Ruhe aus. Außerdem verteidigt er die Hühner auch tagsüber gegen Raubvögel. Nun sitzen einige Hühner sogar auf seinem Rücken.“

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Der Hof hat mit seiner Esel-Strategie großen Erfolg. Insgesamt leben auf dem Demeter-Hof 2300 Hühner der Rasse „Lohmann Bio.“ Die beiden Gruppen werden in ihren mobilen Ställen jeweils von Eseln bewacht. Dieses Jahr startete der Hof mit der „Bruderhahn“-Initiative: Vier Cent pro Ei gehen nun in die Aufzucht der Brüder der Hennen. Thomas Scharmer: „Kein Tier sollte sinnlos getötet werden. Darum haben wir uns dazu entschlossen.“ Ab dem nächsten Jahr wird diese Abgabe für Demeter-Höfe bindend.

Fuchs und Marder haben Angst vor Eseln

Als Auslauf haben die Hühner auf dem Biohof abwechselnd drei Flächen zur Verfügung. So haben die Tiere immer wieder frisches Grün, wenn ihr mobiler Stall umgesetzt wird. Ein Huhn kommt so auf fünf Quadratmeter Auslauf.

Esel Kasper passt gut auf seine 1100 gackernden Schützlinge auf.
Esel Kasper passt gut auf seine 1100 gackernden Schützlinge auf.

Und die Hühner müssen bei Thomas Scharmer auch klettern können. Denn zu ihren Nestern in ihrem mobilen Stall, kommen die Hennen nur mit Gehopse. Sie müssen dabei über Sitzstangen in drei verschiedenen Höhen klettern.

Esel Kasper vertreibt auch Raubvögel vom Hühner-Gehege

Außerdem haben die Tiere immer Zugang zu einem großen Wintergarten mit Sandboden. Das tägliche Sandbad ist für die Gefiederpflege sehr wichtig. Und da Frauen unter sich nicht unbedingt das Gelbe vom Ei sind, sorgen 25 Hähne für die soziale Ordnung.

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„Es gibt unter den Hennen ganz verschiedene Typen: freche, vorlaute, scheue und auch Einzelgängerinnen“, erklärt Scharmer. „Und wenn sich eine Henne aufregt, regen sich oft alle mit auf. Ein Hahn bringt da Struktur in die Herde.“ Doch nun muss für Kasper erst mal eine Partnerin gefunden werden: „Unsere Eselin ist leider plötzlich verstorben.“

Und alleine soll und kann Kasper nicht bleiben. Da sind auch all die Hühner kein Ersatz.

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