Dänemark, Rodbyhavn: Eine Visualisierung des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels zwischen Deutschland und Dänemark mit dem Tunneleingang auf dänischer Seite bei Rodbyhavn.
Dänemark, Rodbyhavn: Eine Visualisierung des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels zwischen Deutschland und Dänemark mit dem Tunneleingang auf dänischer Seite bei Rodbyhavn.
  • Dänemark, Rodbyhavn: Eine Visualisierung des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels zwischen Deutschland und Dänemark mit dem Tunneleingang auf dänischer Seite bei Rodbyhavn
  • Foto: ICONO A/S/Femern A/S/dpa

Das kosten die Verkehrs-Großprojekte im Norden

Tunnel, Autobahnen, Nord-Ostsee-Kanal – der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Norden verschlingt Milliarden. Auch im Jahr 2022 wurde fleißig erweitert und modernisiert. Wie viel werden die Großprojekte kosten? Und wann werden sie fertiggestellt?

Der Fehmarnbelt-Tunnel

Dänemark arbeitet eifrig an dem Straßen- und Eisenbahntunnel, der ab 2029 Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden soll. Dann muss auch der Anschluss auf deutscher Seite fertig sein. Für die Arbeiten am Fehmarnsund und die Baustellen zur Hinterlandanbindung des Tunnels gibt es mit dem Unternehmensberater Carsten Behnk, Ex-Bürgermeister von Eutin, jetzt einen zentralen Ansprechpartner. Zu koordinieren ist viel: Die Schienenverbindung Lübeck-Puttgarden und die Bundesstraße 207 werden ausgebaut. Eine 380-Kilovolt-Stromtrasse wird verlegt. Der Tunnel soll die Fahrzeiten zwischen den Boom-Regionen Hamburg und Kopenhagen deutlich verkürzen.

„Nach über zehn Jahren Planung sind alle verfahrensrechtlichen Hindernisse beseitigt“, sagt Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen. „Ich hoffe, dass wir jetzt durchstarten und die Chancen, die der Tunnel bietet, endlich nutzen können.“ Naturschutzverbände waren mit Klagen beim Bundesverwaltungsgericht gescheitert.

Fehmarnsund-Querung

Die alte Brücke („Kleiderbügel“) zwischen dem Festland und Fehmarn wird den Verkehr nach Eröffnung des Belt-Tunnels nicht bewältigen. Die Kosten für einen Tunnel als Ersatz bezifferte die Bahn ursprünglich auf 714 Millionen Euro. Angesichts dramatisch gestiegener Preise wird die Summe höher ausfallen.

Die Fehmarnsundbrücke soll saniert werden. dpa | Christian Charisius
Die Fehmarnsundbrücke
Die Fehmarnsundbrücke soll saniert werden.

Das gilt auch für die Sanierung der Sundbrücke, die zunächst mit rund 30 Millionen Euro veranschlagt war. 2024 soll die Sanierung fertig sein. „Im Frühjahr 2023 werden alle 80 Tragseile aus Stahl ausgetauscht“, sagt Bahnsprecher Peter Mantik. Viel zu tun sei auch beim Korrosionsschutz. Die Sundbrücke soll für Fußgänger, Radfahrer und langsame Fahrzeuge erhalten bleiben.

Autobahn 20

Die unendliche Geschichte. Der Landtag hat sich klar zum Weiterbau der A20 bekannt, die seit 13 Jahren östlich von Bad Segeberg endet. Für die Befürworter ist die Nordwestumfahrung Hamburgs als Bestandteil des europäischen Straßennetzes von herausragender Bedeutung. Umweltschützer und Grüne halten sie für zu teuer und klimaschädlich.

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In den kommenden Jahren stehen wichtige Entscheidungen an, aber nach aktuellem Stand erwartet Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) eine Fertigstellung samt Querung der Elbe nicht vor 2030. Gegen mehrere Abschnitte gibt es Klagen. Der nächste Planfeststellungsbeschluss – für die Querung der Elbe – sollte im November kommen. Nun ist der Januar im Visier. Im ersten Halbjahr 2023 steht der Beschluss für die Trasse von Glückstadt zur A23 an. Für Weede-Wittenborn (inklusive Umfahrung Bad Segeberg) und den anschließenden Abschnitt bis zur A7 werden die Planfeststellungsbeschlüsse 2024 erwartet. Der Rest in Schleswig-Holstein ist für 2026 terminiert.

Für Madsen ist klar: Die A20 werde als Teil der Infrastruktur gebraucht. „Die Anbindung der Westküste ist ein entscheidender Faktor sowohl für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand als auch für soziale Teilhabe der Menschen.“

Nord-Ostsee-Kanal

Die knapp 100 Kilometer lange Wasserstraße bleibt eine Großbaustelle. In Brunsbüttel ist der Bau der fünften Schleusenkammer im Zeitplan. Sie soll Ende 2026 fertig sein. Kosten: 1,2 Milliarden Euro. Beim Ausbau der Oststrecke soll der erste Abschnitt Großkönigsförde-Schinkel 2024 fertig sein. Die Gesamtkosten für den Ausbau zwischen Großkönigsförde und Kiel betragen voraussichtlich 500 Millionen Euro.

In Rendsburg fährt ein Schiff unter der Hochbrücke auf dem Nord-Ostsee-Kanal hindurch. Daniel Reinhardt/dpa
In Rendsburg fährt ein Schiff unter der Hochbrücke auf dem Nord-Ostsee-Kanal hindurch.
In Rendsburg fährt ein Schiff unter der Hochbrücke auf dem Nord-Ostsee-Kanal hindurch.

Für den Ersatzneubau der ersten Levensauer Hochbrücke westlich von Kiel sei das Gesamtprojekt gut im Zeitplan, teilt das zuständige Amt mit. Hier soll für 215 Millionen Euro gebaut werden. Für die Erneuerung der Kleinen Schleuse in Kiel laufen die Vorbereitungen. Ein Datum für die Inbetriebnahme nennt die Kanalverwaltung noch nicht.

Rader Hochbrücke

Die Planungen für eine sechsspurige Zwillingsbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal im Zuge der A7 laufen. Der Auftrag für die östliche Brückenhälfte ist vergeben. Die Bauarbeiten sollen Anfang 2023 beginnen. Die alte Brücke ist so marode, dass sie nach derzeitigem Stand nur bis 2026 halten wird. Dann soll die erste Ersatzbrücke freigegeben werden.

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Für die zweite Brücke, die Richtung Hamburg führen wird, ist die Freigabe für 2029 vorgesehen. Über 62.000 Fahrzeuge täglich nutzen die Querung. Die Projektgesellschaft Deges gibt allein die Kosten für das erste Teilbauwerk mit 307 Millionen Euro an. Zuvor sollten die Gesamtkosten 380 Millionen betragen. Wegen des wachsenden Verkehrs soll die A7 auch zwischen dem Anschluss Rendsburg/Büdelsdorf und dem Kreuz Rendsburg auf sechs Spuren erweitert werden – für 300 Millionen Euro.

Autobahn 21

Der Ausbau der B404 zur A21 soll die Erreichbarkeit Kiels aus dem Südosten Schleswig-Holsteins sowie aus den südlichen und östlichen Bundesländern verbessern. Auch das geht mühsam voran. Die Freigabe eines 6,2-Kilometer-Abschnitts zwischen Klein Barkau und Nettelsee – nordöstlich von Neumünster – ist für 2026 geplant. Dann wird die A21 durchgängig vom Dreieck Bargteheide bis Klein Barkau befahrbar sein. Von dort fehlen dann noch ein paar Kilometer bis Kiel. Für diesen Anschluss rechnet die Deges noch einmal mit maximal drei Jahren Bauzeit. 1972 war es mit der A21 losgegangen.

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