Ein Schild des Designer Outlets. Nike, Starbucks und Esprit-Schilder sind zudem zu sehen.
Ein Schild des Designer Outlets. Nike, Starbucks und Esprit-Schilder sind zudem zu sehen.
  • Das Designer Outlet Center in Soltau plant eine Erweiterung von ca. 5000 Quadratmetern. Das trifft in der Region allerdings nicht nur auf Zuspruch. (Archivfoto)
  • Foto: dpa | Peter Steffen

Region im Norden zittert um Einzelhandel – großes Designer Outlet in der Kritik

Das „Designer Outlet“-Center im niedersächsischen Soltau soll vergrößert werden – zumindest wenn es nach den Betreibern geht. Von ursprünglich 9900 Quadratmeter soll es nun auf 15.000 Quadratmeter erweitert werden. Was das für den regionalen Einzelhandel bedeutet und wer davon profitieren würde.

Luxusmarken zu Schnäppchenpreisen, präsentiert wie ein romantisches Heidedorf mit reetgedeckten Fachwerkhäusern – das „Designer Outlet”-Center in Soltau ist ein gigantischer Kundenmagnet, der jährlich 1,4 Millionen Menschen anzieht. Nun soll das „Shopping Village“ noch größer werden, zum Leidwesen der Geschäftsleute in der Umgebung: Die geplante Erweiterung des Centers riefe „erhebliche Sorgen“ bei den Händlergemeinschaften im Einzugsbereich vor, teilte der Handelsverband Niedersachsen-Bremen in einer Stellungnahme mit.

2009 wurde im Genehmigungsverfahren eine maximale Verkaufsfläche von 9900 Quadratmetern festgelegt – schon damals gab es große Bedenken. Nun soll die Fläche noch einmal um fast die Hälfte erweitert werden. Während Soltau dafür ist, fürchtet Lüneburg, dass seine Kunden demnächst statt in der Altstadt lieber im nahen Outlet shoppen gehen.

Raumordnungsprogramm des Landes müsste geändert werden

Für die geplante Erweiterung müsse weiter das Raumordnungsprogramm des Landes Niedersachsen geändert werden. Das Programm mit dem sperrigen Namen soll eigentlich dafür sorgen, dass sich keine „Monopole“ bilden, die die kleinen Einzelhändler platt machen.

Hierzu kritisierte der Handelsverband in seiner Stellungnahme weiter, dass das „Designer Outlet Soltau“ zwar im Vergleich zu der umliegenden Outlet-Konkurrenz eine kleinere Verkaufsfläche habe, die Kunden allerdings – auch ohne die Erweiterung – bereits jetzt von überall aus der Region kämen, eine Erweiterung also nicht unbedingt erforderlich sei.

Erweiterung soll „attraktiven Anziehungspunkt“ für die Region liefern

Ein Gutachten der ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH prognostiziert, dass nach der Erweiterung rund 1,8 Millionen Kunden jährlich ins das Outlet-Center kommen würden. Die Aussicht: Wenn die Shoppingtouristen länger in der Region bleiben und dort übernachten, hätte auch Lüneburgs Tourismusbranche etwas davon.

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Und was sagt das Outlet-Center? „Es ist uns wichtig, dass wir nach wie vor keinen nennenswerten negativen Einfluss für die Region (…) entstehen lassen, sondern, im Gegenteil zusätzlichen Tourismus und Kaufkraft in die Region binden und holen“, sagt Center-Manager Christian Antholz zur MOPO. Um das zu gewährleisten, habe die Politik unabhängige Gutachten erstellen lassen.

Antholz sprach zudem davon durch die Erweiterung der Lüneburger Heide einen „attraktiven Anziehungspunkt“ zu liefern, der die Kaufkraft in der Region anziehen und weitere Arbeitsplätze schaffen würde.

Einzelhandel leidet seit der Corona-Pandemie

Zustimmung für das Vorhaben kommt aus Soltau: „Es besteht die Sorge, dass große Marken den Standort Soltau ohne Erweiterung nicht attraktiv finden“, sagte Daniel Gebelein, Leiter der Abteilung Stadtplanung in Soltau, im „Hamburger Abendblatt“.

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Das Raumordnungsverfahren soll im ersten Quartal 2023 abgeschlossen sein.

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