• Arzt Gerhard Steinort trägt eine gekühlte Kiste mit Impfstoff auf die Hallig Hooge.
  • Foto: picture alliance/dpa/Christian Charisius

Impfstart auf der Hallig: Die ungewöhnliche Mission des Inselarztes

Hooge –

Zwei Tage früher als auf allen anderen Halligen und nordfriesischen Inseln beginnt auf Hooge (Schleswig-Holstein) das Impfen gegen Corona. Am Dienstagmorgen kam der Arzt mit dem Impfstoff auf die Hallig. 

Vorsichtig trägt Gerhard Steinort eine graue Kiste auf die „Seeadler“. „Das ist das Kostbarste, was ihr je transportiert habt“, ruft der Mediziner der Besatzung zu.

Kampf gegen Corona: Auf Hooge wird schon geimpft

Dieses Kostbarste sind vier kleine Ampullen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer, die gut geschützt und gekühlt in der Kiste lagern. Steinort ist mit seiner wertvollen Fracht an diesem Dienstag auf dem Weg nach Hooge.

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Hier wird er gemeinsam mit den beiden Halligpflegern Guido Dommershausen und Thomas Hedderich gut zwei Dutzend Halligbewohner impfen. Bis 16 Uhr haben sie Zeit, dann fährt Steinort mit der Fähre zurück aufs Festland.

Hallig Hooge: 60 Hooger haben sich zur Impfung beworben

Eigentlich sollen die Insel- und Halligbewohner erst ab Donnerstag geimpft werden. Aber Hooge ist schon zwei Tage früher dran. „Das hat ganz einfach mit den Fährverbindungen zu tun“, sagt Steinort. Nur dienstags fährt im Winterfahrplan die Fähre nach Hooge richtig früh. Nur so wäre im Fall der Fälle genug Zeit geblieben, um auch auf Unvorhergesehenes reagieren zu können.

„Insgesamt haben sich gut 60 Hooger zum Impfen beworben sozusagen. Und ich hatte eigentlich ursprünglich gehofft, dass wir das in einem Rutsch machen können“, sagt Steinort. 

Impfen gegen Corona: Auch hier gibt’s Priorisierungsgruppen

Man müsse, um den Halligen keine Sonderstellung einzuräumen, auch hier die Priorisierungsgruppen einhalten. Und so werden an diesem Dienstag die über 80-Jährigen, Bezugspersonen und andere Berechtigte der Gruppe eins geimpft.

Hooges Bürgermeisterin Katja Just, die an diesem Morgen ebenfalls mit der Fähre zurück auf die Hallig fährt, freut sich, dass das Impfen beginnt. 

Hallig Hooge: Zuerst wird bei Hausbesuchen geimpft

„Gerade wenn wir wissen, dass es demnächst vermutlich wieder mit dem Tourismus losgeht, wenn viele Menschen auf die Hallig kommen.“ Und es sei auch wichtig, dass gerade sensible, anfällige Menschen, die aus verschiedenen Gründen aufs Festland fahren müssen, „einen gewissen Schutzmantel“ mit sich tragen können.

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 Zuerst stehen zwei Hausbesuche auf dem Programm. Der erste Weg führt sie zu Bernhard und Anke Diedrichsen. Der 94 Jahre alte Diedrichsen ist der älteste Halligbewohner und der erste Impfling des Tages. Das Paar freut sich über den Besuch seines Arztes und der Halligpfleger.

Halligpfleger Thomas Hedderich (rechts) impft die Halligbewohnerin Anke Diedrichsen (92).

Halligpfleger Thomas Hedderich (rechts) impft die Halligbewohnerin Anke Diedrichsen (92) unter Aufsicht des Arztes Gerhard Steinort.

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Vertraut, fast liebevoll kümmern sich die drei um die beiden Hochbetagten, erklären noch einmal, warum sie da sind, bevor die Spritze gesetzt wird. Nach der Impfung misst Steinort den Blutdruck des Paares, er und die Halligpfleger fragen nach dem Befinden der alten Leute.

Impfen auf der Hallig: Im Infozentrum ist mehr Platz

Die restlichen Impfungen des Tages werden im Infozentrum der Schutzstation Wattenmeer gesetzt. Hier, zwischen Aquarien mit Wattenmeerbewohnern, ausgestopften Tieren und Infomaterial, ist die provisorische Impfstation aufgebaut. Es ist einfach mehr Platz als in der Krankenstation im Nachbarhaus.

Die Hallig-Bewohner werden im Infozentrum auf Hooge gegen Corona geimpft.

Die Hallig-Bewohner werden im Infozentrum auf Hooge gegen Corona geimpft.

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Einer der Impfberechtigten ist Werner Boyens. Für ihn sei es ganz wichtig, „dass wir geimpft werden“. Wegen der Sicherheit, wenn man mal wieder „auf den Kontinent“ wolle. „Wir waren seit Mitte November nicht mehr auf dem Festland. Durch die erste Impfung fühlen wir uns sicherer.“

Corona-Impfung auf der Hallig: Für Steinort ist es wie ein Abschiednehmen

Der Mediziner ist froh, dass das Impfen reibungslos klappt und er seine Risikopatienten zu einem noch möglichst frühen Zeitpunkt impfen konnte. Für ihn selbst ist die Impfaktion so etwas wie ein Abschiednehmen.

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Sechs Jahre lang ist der 75-Jährige alle zwei Wochen nach Hooge gekommen, hat sich um die Halligbewohner gekümmert, ein besonderes Verhältnis zu ihnen aufgebaut. In drei Wochen kommt Steinort nun das letzte Mal als Arzt nach Hooge — um die zweite Impfung zu setzen. Danach geht es für ihn in den Ruhestand. (dpa)

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