Zu viele Drogenprozesse-Hamburger Justiz am Limit
  • Ende Oktober startet der größte der der Enchrochat-Prozesse in Hamburg.
  • Foto: picture alliance / Volker Hartmann/dpa

Zu viele Drogenprozesse – Hamburger Justiz am Limit

Vor einem Jahr knackten französische Fahnder die Verschlüsselungssoftware „Encrochat“ und konnten so tausende von kriminellen Chats aufdecken – die auch von Hamburg aus geführt wurden. Jetzt ist die Hamburger Justiz so stark mit den „Encrochat-Verfahren“ belastet, dass andere Fälle dadurch verdrängt werden.

Wie der NDR berichtete, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die „Encrochat-Verfahren“ die Hamburger Justiz noch mindestens fünf weitere Jahre lang beschäftigen werden. Zu diesem Zweck hat sie extra noch eine Abteilung für Drogendelikte bekommen. Viele Strafkammern könnten seit Beginn der „Encrochat-Verfahren“ fast nichts anderes mehr bearbeiten, erklärte Gerichtssprecher Kai Wantzen gegenüber dem NDR. Die Hamburger Justiz arbeitet am Limit.

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Mehr als 50 weitere Stellen in Polizei und Justiz wurden seit Beginn der Ermittlungen in Hamburg geschaffen, um die organisierte Kriminalität, besonders im Drogen- und Waffenhandel, effektiver bekämpfen zu können. Hierfür stellt der Senat insgesamt neun Millionen Euro zur Verfügung. Ende Oktober beginnt am Hamburger Landgericht der vorerst größte „Encrochat-Prozess“ in dem elf mutmaßliche Kokaindealer angeklagt sind.

Größter „Encrochat-Prozess“: Elf mutmaßliche Dealer angeklagt

Die „Encrochat-Software“ galt lange als unentschlüsselbar. Kriminelle, vor allem Drogenhändler, fühlten sich dadurch so sicher, dass sie in Chats ihren echten Namen verwendeten und sich gegenseitig Fotos ihrer illegalen Waren zu schickten. Mit Hilfe dieser eindeutigen Beweise konnten in Hamburg bereits große Waffen- und Drogennetzwerke aufgedeckt werden. Laut Innensenator Andy Grote geben die aktuellen Ermittlungen die einmalige Chance, die Hintermänner der organisierten Kriminalität zu identifizieren und so Teile de Drogenmarktes zu zerschlagen.


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Das von Ermittlern als „WhatsApp für Gangster“ bezeichnete Chat-Programm wurde von bis zu 60.000 Kunden genutzt. Die Firma Encrochat soll Smartphones mit verschlüsselter Chat-Software an Kriminelle verkauft haben. Aus diesem Grund leitete Europol 2020 ein Ermittlungsverfahren gegen „Encrochat“ ein, und Ermittler hackten in diesem Zusammenhang das „Encrochat-Verschlüsselungssystem“.

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Wie der Hamburger Senat bereits im Juni bekannt gegeben hatte, seien knapp 900 „Encrochat-Telefone“ in Hamburg benutzt worden. Bis jetzt konnten über 400 Nutzer identifiziert werden. Nachdem „Encrochat“ seinen Dienst eingestellt hatte, versuchten andere Kommunikationsdienstleister den Markt zu übernehmen. Mittlerweile laufen auch gegen die Nutzer der Verschlüsselungssysteme anderer Anbieter Ermittlungsverfahren. (ck)

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