Aktivisten besetzen einen Parkplatz in der Innenstadt.
  • Aktivisten besetzen einen Parkplatz in der Innenstadt.
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Parkplatz-Protest in der City

Ganz so weit hatten sie es nicht: Direkt vor der BUND-Zentrale an der Langen Reihe besetzten sechs Klimaaktivisten am Freitag Parkplätze, um für eine autofreie Innenstadt zu demonstrieren. Ein Thema, das immer wieder für Diskussionen in Hamburg sorgt. 

Denn in Sachen Autofreiheit hat sich bereits einiges getan – und das nicht ohne Widerstände. Am Jungfernstieg sind Pkw mittlerweile ausgesperrt (auch, wenn sich nicht jeder daran hält), die Mönckebergstraße ist zumindest temporär busfrei (zum Ärger einiger Geschäftsleute und Anwohner) und der Burchardplatz wird wohl als nächstes ohne Autos auskommen. 

Zahl der Autos in Hamburg steigt

Im rot-grünen Koalitionsvertrag heißt es: „Wir knüpfen an Entwicklungen der letzten Jahre an und wollen die Innenstadt weiter verkehrlich beruhigen und autoarm gestalten.“ Und mit Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) gibt es jemanden im Senat, der dieses Anliegen auch fleißig vorantreibt. 

Dabei fahren die Hamburger gar nicht weniger Auto, sondern mehr als früher. Seit 2010 ist die Zahl der angemeldeten Autos in der Stadt um 90.000 gestiegen. Die Emissionen, die der Autoverkehr verursacht, sinken ebenfalls nicht. 

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Darauf wiesen auch die Aktivisten am Freitag hin. „Der Verkehrssektor in Deutschland ist zu etwa 19 Prozent für die CO₂-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Und er ist der einzige Sektor, dessen CO₂-Emissionen seit 1990 nicht sinken“, hieß es in einer Mittelung des BUND. Noch ärgerlicher aus seiner Sicht: Autos werden immer größer, verbrauchen öffentliche Fläche und stehen den größten Teil des Tages einfach nur herum. Durch die Besetzung der Parkplätze wollen die Aktivisten darauf aufmerksam machen. 

Burchardplatz bald ohne Autos?

Wie Parkplätze umfunktioniert werden können, soll bald der Burchardplatz zeigen. Hier sollen die Autostellplätze verschwinden und stattdessen Platz entstehen, der nach der Vorstellung der Politik zum „lebendigen Aufenthaltsort“ wird. Im September soll verkündet werden, welcher Entwurf das Rennen gemacht hat.

Weiter ist man bereits auf dem Jungfernstieg, wo Autos nicht mehr fahren dürfen. Allerdings ist das noch nicht bei allen Hamburger:innen angekommen, immer wieder brettern dort noch Autos entlang. Auch hatten sich Händler nach dem Auto-Verbot im vergangenen Oktober darüber beschwert, dass weniger Kund:innen kämen. Die Verkehrsbehörde weist die Kritik zurück und verweist auf die Corona-Pandemie und eine deutlich gestiegene Aufenthaltsqualität. 



Ebenfalls für Zwist sorgte die Verlegung der Busse von der Mönckebergstraße in die Steinstraße. Auch hier befürchten Händler:innen eine schlechtere Erreichbarkeit ihrer Geschäfte. Aber auch Anwohner:innen in der Steinstraße klagen über Lärm und eine Kita über verschlechterte Verkehrssicherheit. Die Verkehrsbehörde will bald auswerten, ob sie die Verlegung beibehalten will oder nicht. 

Wenn es nach den Aktivisten geht, ist jedoch klar: Sie wollen Autos gegen mehr Lebensqualität in der City tauschen.

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