Lidia und Joachim Güstel haben seit der Busverlegung keine Ruhe mehr und können nicht mehr schlafen.
  • Lidia und Joachim Güstel haben seit der Busverlegung keine Ruhe mehr und können nicht mehr schlafen.
  • Foto: Florian Quandt

Bus-Krach in der Steinstraße: Hilfe, wir haben keine ruhige Minute mehr!

Altstadt –

Es quietscht laut, dann fährt der Bus ab. Und der nächste, und der nächste und der nächste. Durch die Steinstraße fahren seit Ende Februar die Busse, die sonst durch die Mönckebergstraße geleitet wurden. Tag und Nacht düsen hier nun rund 1600 Busse entlang. Bei einigen Anwohner:innen in der Altstadt liegen die Nerven blank.

„Es ist katastrophal. Wir können nicht mehr schlafen“, erzählen Lidia und Joachim Güstel. Sie haben seit der Verlegung wegen der Baustelle in der Mönckebergstraße eine Haltestelle direkt vor der Haustür. Die beiden waren es zwar gewohnt, dass vor ihrer Wohnung in der Steinstraße reger Verkehr lief. Doch seitdem der Busverkehr wegen einer Sperrung in der Mönckebergstraße vor ihr Haus verlegt wurde, sei es nicht mehr auszuhalten.

Hamburg: Bus-Krach in der Steinstraße

„Wenn man im Bett liegt spürt man die Vibrationen von unten. Lüften im Home-Office kann man wegen des Lärms vergessen.“ Sechs Buslinien wurden verlegt und fahren tagsüber hier entlang, sieben Linien sind es in der Nacht. Die derzeit gültige nächtliche Ausgangssperre, die auch den Nachtbusverkehr aussetzt, ist deshalb für sie fast schon ein Segen. Auch bei anderen Nachbar:innen in ihrem Wohnhaus ist der Unmut groß.  

„Wenn die Verlegung nur temporär wäre, dann gäbe es zumindest ein Ende“, sagt Lidia Güstel, die befürchtet, dass nun dauerhaft die Busse in der Steinstraße fahren werden. Ihren Angaben zufolge wurden ihr Mann und sie nicht einmal über die Verlegung der Busse vor ihre Haustür informiert. Über Umwege hätten sie einen Flyer des HVV erhalten, auf dem zwar steht, dass der „Busverkehr temporär in die Steinstraße verlegt wird“ – parallel wird jedoch evaluiert, und das geht nicht aus dem Flyer hervor, ob sich eine dauerhafte Verlegung der Busse von der Mönckebergstraße in die Steinstraße anbietet, um der autofreien Innenstadt ein Stückchen näher zu kommen.

Ordentlich Bus-Betrieb in der Steinstraße. Beim Anfahren quietscht es laut.

Ordentlich Bus-Betrieb in der Steinstraße. Beim Anfahren quietscht es laut.

Foto:

Florian Quandt

Und das erste Fazit der federführenden Verkehrsbehörde fällt positiv aus: „Der Busbetrieb funktioniert auf der neuen Streckenführung bislang sehr reibungslos, wir sind also zufrieden“, heißt es auf MOPO-Anfrage. Die Evaluierung mit Einbezug von Anwohner:innen starte jedoch erst in Kürze, noch sei es also „zu früh für finale Entscheidungen“. Laut einer schriftlichen kleinen Anfrage von Richard Seelmaecker (CDU) sind bislang sieben Beschwerden bei der Verkehrsbehörde eingegangen, was intern nicht als allzu viel bewertet werden dürfte.

Richard Seelmaecker (CDU): Busse sollen durch Mönckebergstraße fahren

Laut Behörde werde ein Gutachten erstellt, um das aktuelle Niveau der Geräuschemissionen im Bushaltestellenbereich festzustellen. „Auf der einen Seite sind zwar Buslinien in der Steinstraße dazu gekommen, gleichzeitig ist der Pkw-Verkehr hier aber deutlich reduziert worden“, sagt Sprecher Dennis Heinert. Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Seelmaecker tobt: „Ich empfinde es als skandalös, was da durch die Hintertür eingeführt werden soll.” Seiner Meinung nach sei es besser, die Busse künftig wieder durch die Mönckebergstraße fahren zu lassen, auch damit Kund:innen die Geschäfte besser erreichen könnten.

Doch nicht nur die direkten Anwohner:innen und die Opposition sind genervt. Die Kita der Hauptkirche St. Petri ist ebenfalls von der Busverlegung betroffen, weil eine Ersatzhaltestelle direkt vor der Kindertagesstätte errichtet wurde. Eltern und Leitung fürchten Abgase, Lärm und gefährliche Situationen. „Wir sind in einem intensiven Austausch”, so Sprecher Dennis Heinert. Konkret: Die Hochbahn hat nun Straßenposten abgestellt, die während der Kita-Öffnungszeiten Busse per Hand anweisen zu warten, sollten schon zu viele an der Haltestelle stehen. Die Personalkosten liegen bei rund 10.000 Euro im Monat.

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„Das ist alles nicht durchdacht”, sagt Lidia Güstel. Sie müsse hier wegziehen, wenn die Situation so bleibt. Noch hoffen ihr Mann und sie auf ein Einlenken von Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). „Wir laden Herrn Tjarks gerne auf eine Übernachtung bei uns ein. Vielleicht nimmt er ja dann von einer dauerhaften Verlegung Abstand.“
 

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