Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck
  • Die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck
  • Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Wenn die Grünen Laschet zum Kanzler krönen, ist das völlig absurd!

Stellen Sie sich einen Politiker vor, der im wichtigsten Wahlkampf der vergangene Jahrzehnte als Spitzenkandidat fast alles falsch macht. Der ohne klares Profil in die Schlacht zieht und sich im Katastrophengebiet scheckig lacht. Einen Mann, der für seine Partei das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten einfährt und am Wahlabend als großer Verlierer dasteht. Und dann stellen Sie sich vor, dieser Mann wird Bundeskanzler. Gekrönt von den Grünen. Ein absurde Vorstellung? Absolut!

Und wenn die Grünen das wirklich tun sollten, wenn sie Armin Laschet (CDU) zum Kanzler machen nach all dem Murks und all den Pannen, dann ist das nicht nur Verrat am Wähler. Die Partei würde sich damit in der Stunde ihres bisher größten Erfolgs selbst Schaden zufügen. Denn dann wäre von ihrer großen Sehnsucht nach Wandel, die sie im Wahlkampf immer wieder betont haben, nichts mehr übrig. Dann wären die Grünen nur noch eine Truppe von Opportunisten.

Die Grünen sollten das Poker-Spiel nicht zu weit treiben

Dass Armin Laschet trotz herber Niederlage und einem fetten Minus noch am Wahlabend den Anspruch zur Regierungsbildung erhoben hat: geschenkt. Der CDU-Chef klammert sich naturgemäß an den letzten Strohhalm – landet die Union in der Opposition, ist seine politische Karriere mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit am Ende. Inzwischen soll Laschet selbst zurückgerudert sein – trotzdem steht ein Jamaika-Bündnis aus Union, Grünen und FDP als Option für die nächste Bundesregierung im Raum. Liberale und Grüne wollen nun in ersten Gesprächen aushandeln, in welche Richtung die Reise gehen könnte. Ausschließen wollen sie nichts. Die Grünen sollten es mit ihrem taktischen „Alles ist offen“ allerdings nicht zu weit treiben.


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Die Partei hinter Spitzenkandidatin Annalena Baerbock hat ihr großes Ziel bei dieser Bundestagswahl klar verfehlt, trotzdem konnten die Grünen ein historisches Spitzenergebnis einfahren. Sie können also selbstbewusst auftreten. Die Schnittmengen des Team um Baerbock und Habeck mit dem SPD-Programm sind deutlich größer als mit den Kernanliegen von CDU und CSU. Nur 15 Prozent der Grünen-Anhänger halten ein Jamaika-Bündnis unter einem Kanzler Laschet für erstrebenswert, wie der „Spiegel“ schreibt. Darüber hinaus zeigt das knappe Ergebnis dieser Bundestagswahl eins doch ziemlich deutlich: Der Trend geht in Richtung Veränderung.

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Die Grünen müssen jetzt abliefern und zeigen, dass sie mit aller Macht das anstreben, was sie im Wahlkampf so gebetsmühlenartig gepredigt haben: den echten Wandel. Denn eins ist klar: Mit der Profillosigkeit und der Zerrissenheit der Truppe um Laschet bliebe dieser Wandel nur ein Versprechen. Und die Grünen würden als Steigbügelhalter in die Geschichte eingehen. Für einen Kanzler, den kaum einer will.

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