Christoph Ploß (CDU) hat bei der Bundestagswahl eine herbe Schlappe hinnehmen müssen.
  • Christoph Ploß (CDU) hat bei der Bundestagswahl eine herbe Schlappe hinnehmen müssen.
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Ausgegendert: Wahl-Debakel für Hamburgs CDU-Chef

Er ist die große Lichtgestalt der Hamburger CDU, hat die Partei geschlossen hinter sich und gilt als große Zukunftsversprechung. Doch der Wahlabend ist für Parteichef Christoph Ploß (36) ein Desaster. 

Was war er für ein Held im Jahr 2017 – die erste Bundestagskandidatur und gleich holte er für die CDU in Hamburg-Nord das Direktmandat. Seitdem wurde Christoph Ploß nicht nur Chef seines Landesverbandes, sondern auch durch seine ablehnende Haltung zum Thema Gendern bundesweit bekannt. Ablehnung trifft Ploß nun im Jahr 2021 aber selbst, ausgerechnet an der Wahlurne.  

Christoph Ploß verliert Hamburg-Nord

In seinem Wahlkreis Hamburg-Nord verliert er nicht nur deutlich Prozentpunkte und gegen seine SPD-Rivalin Dorothee Martin. Es reicht hinter Katharina Beck (Grüne) sogar nur noch für Platz 3. Ein Fiasko für den CDU-Chef, der zwar bereits im Vorfeld einen Wahlkreissieg für unwahrscheinlich hielt und über die Landesliste abgesichert ist. Aber diese Niederlage wird er nicht nur mit dem schlechten Bundestrend der CDU und Armin Laschet anlasten können, der natürlich auch seinen Teil zur Niederlage beigetragen hat. 

Die Hochrechnung für die Erststimmen im Wahlkreis Hamburg-Nord.
Die Hochrechnung für die Erststimmen im Wahlkreis Hamburg-Nord.

Ganz offensichtlich sind Ploß‘ polarisierenden Themen nicht besonders gut bei den Menschen zwischen Eppendorf und Langenhorn angekommen. Stattdessen weist ihn sogar eine Grüne in die Schranken. 

Ploß setzt auf polarisierende Themen – und wird abgestraft

Ploß ist ein Konservativer mit zurückhaltend progressiven Einsprengseln. Wenige wissen, dass er sich durchaus über Chancengerechtigkeit, Klimaschutz oder soziale Fragen Gedanken macht – er hat gar ein Buch zum ersten Thema herausgegeben. Doch öffentlich bekannt ist er vor allem für das Besetzen klassisch konservativer Aufregerthemen. Er lehnt das Gendern überdeutlich ab, streitet für eine repressivere Migrationspolitik und wiederholt mantraartig Warnungen vor einer linken Verbotspolitik, die Deutschland heimsuchen könne. Bei seiner Themensetzung beruft er sich dann darauf, dass eine „Mehrheit der Bevölkerung“ hinter seinen Forderungen stünde. 

Die Mehrheit der Großstadt Hamburg, das macht dieser Abend klar, steht aber offenbar doch woanders – oder sie weiß leider nicht, dass Christoph Ploß ihre Meinung vertritt. 

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