Dieser Entwurf für die Neue Bornplatzsynagoge vereint Neubau und Mahnmal.
  • Dieser Entwurf für die Neue Bornplatzsynagoge vereint Neubau und Mahnmal.
  • Foto: Axel Spellenberg/hfr

Lösung im Streit um Bornplatzsynagoge?: Architekt macht Kompromissvorschlag

Rotherbaum –

Die Zeichnung zeigt ein Gotteshaus aus rotem Backstein. In seinem Innenhof ist ein Bodenmosaik zu sehen. Nebenan steht ein Bunker. Und viele Bäume. Es ist ein Bild, das Frieden ausdrückt. Und das soll es auch! Der Worpsweder Architekt Axel Spellenberg hat diesen Entwurf für die Bornplatzsynagoge als Kompromissvorschlag erstellt. Als mögliche Lösung für den Streit um das viel diskutierte jüdische Gotteshaus im Grindelviertel.

Kommt die Bornplatzsynagoge oder kommt sie nicht? Noch ist der Wiederaufbau gar nicht entschieden. Eine Machbarkeitsstudie soll demnächst erst einmal die Bedingungen ausloten. Dennoch wird gestritten: Wiederaufbau oder Erhalt des leeren Platzes als Mahnmal? Rekonstruktion oder Neubau? Groß oder klein? Abriss des Bunkers nebenan oder nicht? 

Seit Monaten wird über Hamburger Bornplatzsynagoge diskutiert

Die Diskussion reicht bis in die jüdische Gemeinde selbst hinein. Es geht um die Bedürfnisse der religiösen Gemeindemitglieder und der weniger oder gar nicht religiösen. Um die Gefühle der Holocaustüberlebenden. Um Erinnerungskultur. Um Denkmalschutz. Um die Interessen der Anwohner. Eine komplexe Gemengelage.

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Der Worpsweder Architekt Axel Spellenberg, der sich einen Namen beim Wiederaufbau von Kirchen oder historischen Stadtkernen gemacht hat, möchte helfen, die verschiedenen Interessen zusammenzuführen.

„Ich habe nach einem machbaren Weg gesucht, der die Probleme zu lösen vermag: ein Synagogenneubau umschließt mit zwei Flügeln, offenen Armen gleich, das Kunstwerk des Synagogengrundrissmusters, ergänzt durch eine Arkadenmauer, so dass der Gedenkort schützend umrahmt wird“, so Spellenberg zur MOPO.

Hamburger Bornplatzsynagoge: Neues Konzept

Das von der Künstlerin Margit Kahl 1988 geschaffene Bodenmosaik auf dem Joseph-Carlebach-Platz, das die Kuppel der 1938 zerstörten Bornplatzsynagogee nachzeichnet, bliebe nach dem Entwurf des Architekten erhalten. Auch der Weltkriegsbunker, dessen Abriss umstritten ist, würde nach Spellenbergs Konzept bleiben.

Die Bornplatzsynagoge in Hamburg, erbaut 1906

Die Bornplatzsynagoge wurde 1906 eingeweiht und 1938 von Nazis geschändet und in Brand gesetzt. Ihre Ruine wurde 1939 abgerissen – auf Kosten der jüdischen Gemeinde.

Foto:

Staatsarchiv Hamburg

„Den denkmalgeschützten Bunker wegen des Wiederaufbaus der Synagoge am ehemaligen Bornplatz abzureißen, ist ein brachiales Unternehmen“, meint der Architekt. „Zum anderen würde mit dem Überbauen des in den Platzboden eingelassenen Gedenkorts gleich ein zweiter Zeuge des verbrecherischen Naziregimes beseitigt.“

Bornplatzsynagoge Hamburg: Konzept erinnert nur entfernt an Original 

Zwar wäre Spellenbergs Synagoge mit 450 Sitzplätzen deutlich kleiner als das Original und erinnert in der Architektur auch nur entfernt an den 1906 eingeweihten, neoromanischen Vorgänger, der der Pogromnacht zum Opfer fiel. Dennoch betont Spellenberg: „Der Bau ist durchaus so repräsentativ wie der Vorgängerbau und zeigt Anklänge an die ehemalige Architektur von 1906 in Fassaden, Turm und Kuppel. Im Detail sind die Stilformen jedoch nicht historisierend romanisch, sondern aus den Figuren Quadrat und Dreieck abgeleitet.“

Die Geometrie dieser Formen bestimme alle Teile seines Baus, sagt Spellenberg. Sowohl die Architektur, den Grundriss und den Aufbau als auch das Objektdesign. In Fassadendetails und im Innenraum würden maurische Formen zitiert, wie es in vielen historischen Synagogen üblich war.

Neuer Entwurf für Bornplatzsynagoge in Hamburg mit historischem Bezug

„Mit dem Neubau wären die Wünsche der Gemeinde nach einem historischen Bezug in neuen Formen interpretiert“, so der Architekt. Und nicht zuletzt würde sein Vorschlag erheblich kostengünstiger in der Realisierung als eine Rekonstruktion. 

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Schließlich hätten auch Sicherheitsaspekte bei seinem Entwurf eine große Rolle gespielt, betont Spellenberg. Massive Tore und eine Einfriedungsmauer würden den umschlossenen Hof schützen. Der Zugang zur Synagoge erfolge ausschließlich über den Hof.

„Wegen des zunehmenden Antisemitismus und der wieder aufkeimenden Bedrohung der Juden in Deutschland ist mir die Sicherheit der jüdischen Gemeinde wichtiger, als einen offenen und frei zugänglichen Platzraum zu schaffen“, so Spellenberg.

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