Polizei und Bezirksamt kontrollieren auf dem Kiez.
  • Die Polizei kontrolliert auf dem Kiez. Die meisten Clubs dort halten sich an die Regeln.
  • Foto: Marius Roeer

Hamburgs lückenhafte Corona-Kontrollen

Immer mehr Hamburger Betriebe setzen inzwischen auf das 2G-Modell. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat sich jetzt dafür ausgesprochen, das 2G-Optionsmodell in ganz Deutschland anzuwenden. Nur, wer kontrolliert das alles? In Hamburg machen Geimpfte und Genesene in Restaurants, beim Friseur und auf Events sehr unterschiedliche Erfahrungen.

Gerade in kleineren Imbissen und auch bei manchen Frisören wird häufig weder Test noch Impfzertifikat verlangt. Kontaktverfolgung? Auch schnuppe. In Restaurants und Bars dagegen muss man schon häufiger den Impfpass zeigen – ein Personalausweis zur Überprüfung wird aber so gut wie nie verlangt, auch die Erhebung der Kontaktdaten fällt flach. Richtig streng dagegen sind Hamburgs Kinos, Theater und vor allem die Clubs: Ohne Ausweis zum Impfpass geht hier nichts, auch das einloggen per Kontaktapp wird meist überwacht.

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2G-Modell: Hamburgs Bürgermeister fordert Ausweitung

Dass sich vor allem kleine Betriebe wie Imbissbuden oder der Friseur um die Ecke mit den den Kontrollen schwer tun, hat Gründe. Schließlich gehörte das Prüfen einer Zugangsberechtigung vor der Pandemie nicht zu ihren täglichen Aufgaben. Häufig fehlen schlicht die Zeit und das Personal.


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Bürgermeister Tschentscher sieht das 2G-Modell offensichtlich trotzdem als Erfolg. „Wir haben in Hamburg im August schon die 2G-Regel eingeführt. Das muss jetzt in ganz Deutschland umgesetzt werden“, sagte er am Sonnntagabend im „heute journal“ (ZDF). Auf die Frage, ob zwei 2G-Modelle letztlich nicht eine Art Lockdown für Ungeimpfte bedeuteten, sagte der SPD-Politiker: „Wir können diese Pandemie nicht immer aus der Sicht der Ungeimpften beurteilen.“ Die große Zahl der schon geimpften Personen habe schließlich auch Rechte. Auch der ehemalige Leiter des Hamburger Impfzentrums, Dirk Heinrich, begrüßte der MOPO gegenüber ein 2G-Modell für alle Restaurants und Veranstaltungen.

„Ohne Impfung geht es nicht“

In vielen Bundesländern gebe es bisher eine zu niedrige Impfquote – „und dort eskaliert jetzt auch die Situation“, so der Bürgermeister. Die Erkenntnis der vergangenen Wochen sei, dass es ohne die Impfungen „nicht geht – und dass es auch für die Ungeimpften schwer wird jetzt in den nächsten Monaten, am öffentlichen Leben teilzunehmen.“ 1741 Betriebe nutzen in Hamburg mittlerweile das 2G-Modell, Ende September waren es noch 788. Auch für Veranstaltungen wird 2G immer beliebter: Von 597 registrierten Veranstaltungen stieg die Zahl auf 2240.

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Tschentscher rief dazu auf, energisch den Kontakt zu den bisher nicht gegen Corona geimpften Menschen zu suchen. „Wir müssen unterschiedlichste Wege gehen, um die noch nicht Geimpften zu erreichen. Die Wege müssen so unterschiedlich sein wie die Menschen unterschiedlich sind, die bisher noch skeptisch sind“, sagte der Bürgermeister. Auf die Frage wie häufig und in welcher Form die Behörden die Einhaltung der Corona-Kontrollen überprüfen, gab es am Montag bis Redaktionsschluss keine Antwort aus der Behörde.

Hört man sich in den Bezirken um, zeigt sich: Für flächendeckende Überprüfungen fehlt das Personal. Mehr als für Stichproben reicht es nicht, häufig sind Kontrolleure nur am Wochenende unterwegs, um etwa Bars und Restaurants zu prüfen.

Inzidenz steigt dramatisch: Länder verschärfen Regeln

Das Bundesland Sachsen hat am Montag bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 491,3 die Notbremse gezogen. In Restaurants, Bars und zu Großveranstaltungen dürfen jetzt vorerst nur noch Geimpfte und Genesene. In Thüringen (427, 5) gilt ab Montag in allen Kreisen und kreisfreien Städten eine Testpflicht an Schulen. In Bayern (316,2) haben jetzt nur noch Geimpfte, Genesene und Menschen mit negativem PCR-Test Zutritt zu Gasthäusern und Veranstaltungen in geschlossenen Räumen. Außerdem muss generell wieder eine FFP2-Maske getragen werden.

Nachbarland Österreich hat am Montag für das gesamte Land eine 2G-Pflicht unter anderem in Restaurants, Hotels und beim Friseur durchgesetzt. Allein schon die Ankündigung dieser Maßnahme ließ die Schlangen vor den österreichischen Impfzentren deutlich wachsen. Auch aus Deutschland gibt es bereits Berichte, dass die Impfbereitschaft angesichts verschärfter Maßnahmen in manchen Regionen steige.

Das sagt der Hotel- und Gaststättenverband

„Einer Vereinheitlichung der Regeln ist absolut wünschenswert“, sagte Nikolaus Kaiser von Rosenburg, Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) zur MOPO. Tourismus stoppe nicht an Landesgrenzen, in Hamburg nicht mal die Gastronomie. Eine Regelung, die PCR Tests für 3G vorschreibe wie in Bayern, sei allerdings nicht sinnvoll.

„Gastronomie lebt vom spontanen Besuch. PCR-Tests sind dafür weder zeitlich noch kostentechnisch leistbar“, so Kaiser von Rosenburg. Das Gleiche gelte in weiten Teilen für den Seminar- und Konferenzbereich. „Wenn der Staat die Impfpflicht will, dann muss er sie auch anordnen und nicht versuchen, dies durch Druck auf dem Rücken von Unternehmen durchzusetzen.“

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Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, dass selbst 2G und Kontrollen nicht ausreichen. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit warnte, 2G gebe eine „Scheinsicherheit“. Auch Geimpfte könnten sich infizieren und das Virus übertragen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit geringer sei. Wenn man wirklich Sicherheit wolle, helfe nur 1G weiter – also alle zu testen, egal ob geimpft, ungeimpft oder genesen. 

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