Impfpass
  • Der Sticker für die dritte Impfung soll in Niedersachsen die Testpflicht ersetzen (Symbolbild).
  • Foto: dpa

Booster-Impfung: Deshalb ist Hamburg langsamer als Bremen oder Berlin

2,8 Prozent der Hamburger Bevölkerung haben bisher eine Auffrischungsimpfung erhalten. Das entspricht zwar dem Bundesdurchschnitt, die anderen Stadtstaaten sind aber fast doppelt so schnell – und das hat einen Grund.

Warum geht das Boostern in Hamburg nicht schneller voran? Eine konkrete Antwort dazu gibt es auf Nachfrage der MOPO aus der Sozialbehörde nicht. „Unter den über 60-Jährigen haben in Hamburg bereits 7,6 Prozent der Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten“, sagt Sprecher Martin Helfrich.

Hamburg: Warum sind andere beim Boostern weiter vorn?

Bundesweit sind 7,2 Prozent der über 60-Jährigen geboostert. Klingt für Hamburg also nach viel, allerdings muss man sich weitere die Relationen ansehen. Berlin hat schon 16,5 Prozent der über 60-Jährigen eine Auffrischungsimpfung gegeben. In Bremen sind es 10,6 Prozent.

Ein Grund für die höhere Geschwindigkeit könnte sein, dass in Berlin und Bremen an den offiziellen Impfstellen einfach alle Personen eine Booster-Impfung erhalten, deren Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegt. Nach der Impfverordnung ist das generell möglich. Hierfür wirbt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der die Impfkampagne gemeinsam mit den Ärzteverbänden dahingehend vereinheitlichen will.

Hamburg: Boostern streng nach StiKo-Empfehlung

Hamburgs offizielle Impfstellen wie Krankenhäuser und mobile Impfteams müssen sich bisher streng an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (StiKo) halten. Sie empfiehlt die Booster-Impfung aktuell nur für einen engen Kreis an Personen wie über 70-Jährige, Pflegekräfte und Menschen mit einer Immunschwäche.

Das könnte Sie auch interessieren: Wo bekomme ich in Hamburg jetzt eine Booster-Impfung?

Ein zweiter Grund könnte sein, dass Berlin noch geöffnete Impfzentren hat und Bremen ebenfalls feste Impfanlaufstellen betreibt. In Hamburg sind die Anlaufstellen für die Schutzimpfungen „in erster Linie die Arztpraxen“, heißt es aus der Sozialbehörde. Die Verantwortung für die Impfungen liege wieder schwerpunktmäßig im Regelsystem. In den Praxen können die Ärzte übrigens in individuellen Fällen auch außerhalb der StiKo-Empfehlung eine Booster-Impfung verabreichen.

Booster-Impfung: Hamburgs Ärzte sind zuversichtlich

Zusätzlich sind in Hamburg auch mobile Impfteams an wechselnden Standorten unterwegs und es gibt die Möglichkeit sich in zehn Hamburger Kliniken einen Termin zu holen. „Deren Kapazitäten sind nicht voll ausgeschöpft, und können bei Bedarf gegebenenfalls gesteigert werden“, so der Sprecher der Sozialbehörde.

„Es bestehen insofern Vorbereitungen, um das Angebot bei Bedarf auszuweiten“, sagt er weiter. Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg zeigt sich ebenfalls zuversichtlich, dass die Arztpraxen die ausstehenden Booster-Impfungen gemeinsam mit den weiteren Impfangeboten der Stadt leisten können.

Kampf gegen Corona: Welche Bedeutung hat die Booster-Impfung?

Welche Bedeutung die Booster-Impfung für den Verlauf der vierten Welle hat, ist unter Experten umstritten. Dirk Heinrich, der ehemalige Leiter des Hamburger Impfzentrums, sieht den Anteil der Ungeimpften als vordingliches Problem an. Sie würden den Hauptanteil der Infizierten und Erkrankten ausmachen. „Alle Anstrengungen müssen sich darauf konzentrieren. Auffrischungsimpfungen sind dazu nachranging“, schreibt er am Donnerstag auf Twitter.

Das könnte Sie auch interessieren: Nach Ende der kostenlosen Schnelltests: So hoch könnte die Dunkelziffer sein

Doch die Rolle die Geimpften in der vierten Corona-Welle ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Laut einer aktuellen Studie aus Katar betrage der Schutz von Geimpften schon vier Monate nach der letzten Impfung nur noch 52 Prozent, berichtet die „Zeit“. Dies würde bedeuten, dass Geimpfte ohne die dritte Spritze weiterhin einen hohen Anteil an der Verbreitung des Virus hätten. Für die Studie wurden fast 100.000 Menschen beobachtet, die mit Biontech und Moderna geimpft worden waren. Der Schutz vor einer Hospitalisierung oder dem Tod durch eine Coronainfektion bleibe laut der Studie bei mehr als 90 Prozent.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp