Schnelltest
  • Ein Schnelltest in einem Corona-Testzentrum. (Symbolfoto)
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Nach Ende der kostenlosen Schnelltests: So hoch könnte die Dunkelziffer sein

Corona-Teststationen gab es in Hamburg bis vor wenigen Wochen auf fast jedem Supermarkt-Parkplatz. Nach dem Ende der kostenlosen Bürgertests haben die meisten den Betrieb eingestellt. Gleichzeitig besteht für Geimpfte vielerorts keine Testpflicht mehr – obwohl sie das Virus weitergeben können. Welchen Einfluss hat das alles auf die Infektionszahlen?

265 Schnelltest-Stationen gab es Ende September in Hamburg. Jetzt sind es nach Angaben der Sozialbehörde noch 85, darunter 48 Apotheken und 24 Labore. Zusätzlich bieten auch Arztpraxen Testmöglichkeiten an – gegen eine Gebühr. Der Grund für den Schwund ist einfach: Für die meisten Betreiber lohnt sich das Geschäft nicht mehr. Seit dem 10. Oktober gibt es vom Bund keine kostenlosen Bürgertests mehr. Heißt: Wer sich jetzt testen lassen will, muss selbst dafür zahlen.

Weniger Testzentren gleich weniger Schnelltests?

Fast zeitgleich hat Hamburg festgelegt, dass nur Tests zur Teilnahme an 3G-Veranstaltungen berechtigen, die von einem medizinischen Anbieter durchgeführt worden sind. Wie wirkt sich das Ende der kostenlosen Schnelltests aus? Wie viele Tests werden jetzt also noch durchgeführt? Darauf gibt es keine Antwort, denn Vergleichszahlen gibt es aus Hamburg nicht. Die Sozialbehörde teilte auf MOPO-Anfrage mit, dass die Anzahl der durchgeführten Schnelltests an den offiziellen Teststellen nicht erhoben wurde und wird.

Einen Hinweis bringt der Blick ins Nachbarland Niedersachsen. Hier brach die Zahl der Corona-Schnelltests nach dem Ende er kostenlosen Tests ein. Laut des dortigen Gesundheitsministeriums sei die Anzahl der Schnelltests um zwei Drittel gesunken. Für die erste Oktoberwoche waren rund 275.000 Schnelltests gemeldet worden – in der ersten Woche mit Testgebühr seien es noch rund 86.000 gewesen.

Corona: Hohe Dunkelziffer ohne Bürgertests?

„Zum Schutz vor dem Coronavirus sind vor allem die vollständige Impfung und die Einhaltung der Maßnahmen entscheidend“, sagt Intensivmediziner Stefan Kluge auf MOPO-Anfrage. Das Risiko müsse weiterhin ernst genommen werden und man sollte sich auch als geimpfte Person bei Erkältungssymptomen testen lassen. „Nach dem Wegfallen der kostenlosen Bürgertests ist von einer hohen Dunkelziffer unter den Erwachsenen auszugehen.“

Ein Corona-Schnelltest-Schild vor einer Apotheke.

Der Epidemiologe Hajo Zeeb sieht das etwas anders. „Die Größenordnung stimmt trotzdem noch“, sagt er zur MOPO. Der Anteil an Infektionen, die bei Bürgertests entdeckt wurden, sei schon immer klein gewesen. Nach Zeebs Einschätzung fehlten durch den Wegfall der Schnelltests nur etwa fünf Prozent der Viren-Funde. Die größte Frage sei derzeit, welche Rolle die Geimpften bei all dem spielen.

Geimpfte: Ohne Test und infektiös?

Genau hier liegt der Knackpunkt. Geimpfte müssen sich fast nirgendwo mehr testen, obwohl sie sich ebenfalls mit dem Virus infizieren können. Sie zeigen oft zwar keine Symptome und sind vor einem schweren Verlauf geschützt, können aber weiterhin andere anstecken.

Die Inzidenz in Hamburg könnte in den vergangenen Wochen im Schnitt um etwa 25 Prozent zu niedrig gelegen habe, weil Geimpfte nicht getestet wurden. Dies ergab eine Berechnung der Wochenzeitung „Die Zeit“ auf Basis einer aktuellen Studie des „New England Journal of Medicine“. Und: Je länger die Impfung her ist, desto schwächer wird der Impfschutz, Geimpfte können sich also eher infizieren.

Wo kann ich mich noch auf Corona testen lassen?

Eine ausführliche Übersicht aller verbliebenen Teststellen in Hamburg gibt eine Online-Karte der Stadt. Für den Zugang zu einer 3G-Veranstaltung dürfen Schnelltestergebnisse weiterhin nur maximal 24 Stunden alt sein, ein PCR-Test ist 48 Stunden gültig. Der Nachweis einer Genesung darf höchstens sechs Monate alt sein.

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Ein Testbefund muss von einer Arztpraxis, einer Apotheke oder einem Labor ausgestellt sein (hierzu zählen auch alle PCR-Tests), so die Sozialbehörde. Andere Testzentren können zwar weiter öffnen und testen, dürfen aber keine Zertifikate mehr ausstellen. Somit sei auch eine Abrechnung mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) nicht mehr möglich.

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