Aida-Chef Borris Brandt
  • Lassen es gerne krachen: Borris Brandt und seine Ehefrau Kirsten bei einem Event auf der Reeperbahn 2011
  • Foto: imago/Lars Berg

Jetzt geht’s um seine Frau: Neues vom Aida-Protzer

Anderthalb Jahre waren sie in Kurzarbeit. Jetzt sollen 50 der 85 Angestellte der Reederei Aida Cruises in Hamburg vor die Tür gesetzt werden. Nun kommt heraus: Während all der bangen Monate, in denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die reduzierte Lohnersatzleistung vom Staat erhielten, durfte ausgerechnet eine weiterarbeiten, als wäre nichts geschehen – die Ehefrau des Aida-Entertainment-Chefs Borris Brandt!

Die Corona-Pandemie hat die Kreuzfahrt-Branche stark getroffen. Die Schiffe standen lange Zeit still, der gesamte Bordbetrieb kam zum Erliegen und damit auch die Shows. Nur eins lief weiter: das wöchentliche Aida Prime Time Magazin, mit dem die Reederei Aida Cruises Kreuzfahrt-Fans bei Laune hält.

Mitarbeiter in Kurzarbeit – Ehefrau des Chefs darf weiterarbeiten

Es sind zehnminütige Filmbeiträge aus der schönen, bunten Aida-Welt – Eindrücke von Bord, Interviews mit Prominenten, Bilder von paradiesischen Reisezielen – die jeden Sonntag auf Facebook und auf YouTube veröffentlicht werden. Produziert werden sie von der Ehefrau von Aida-Entertainment-Chef Borris Brandt, der zuletzt als Gucci-Poser Schlagzeilen machte, und einem weiteren Freiberufler, der für Kamera und Schnitt zuständig ist.

Borris Brandt bei Gucci
Wie gut es ihnen finanziell geht, zeigt Aida-Entertainment-Chef Borris Brandt auf Facebook: Seine Ehefrau und er bei Gucci in Cannes.

Der MOPO liegen Unterlagen vor, aus denen hervorgeht, dass Frau Brandt und ihr Kollege auch nach der Einführung von Kurzarbeit bei Aida weiter auf freiberuflicher Basis das Aida Prime Magazin produzierten. Nur: Das hätten auch die festangestellten Mitarbeiter, unter ihnen mehrere TV-Profis, übernehmen können. Sie waren nach der Stilllegung des Schiffs- und Showbetriebs nach Hause geschickt worden und hatten nichts zu tun. Wahrscheinlich hätte Aida ihnen die Produktion des Magazins sogar übertragen müssen. Denn laut Gesetz darf Kurzarbeit nur beantragt werden, wenn die Arbeitnehmer nicht mehr oder nicht mehr im üblichen Umfang beschäftigt werden können.

Arbeitsagentur: Betrieb muss alle Maßnahmen ergreifen, um Kurzarbeit zu beenden

Laut einem Sprecher der Bundesarbeitsagentur muss „ein Betrieb alle zumutbaren Maßnahmen ergreifen, um die Kurzarbeit zu beenden oder den Umfang zu reduzieren“. Den Einzelfall könne man aber nicht beurteilen. Hierzu wären „vor Ort weitere Ermittlungen erforderlich“.

Auch die Gewerkschaft Verdi bezeichnet die Vorgehensweise von Aida als „außergewöhnlich“. Stephan Gastmeier, Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Verkehr bei Verdi Hamburg: „Dass ein Unternehmen, in dem Kurzarbeit gilt, Aufgaben an Freiberufler überträgt, habe ich noch nie erlebt.“ Die stellvertretende Landesbezirksleiterin Sieglinde Frieß fordert: „Aida hat in den letzten Monaten eine vollständige Entlastung von den Lohnkosten durch die Sozialversicherung erfahren. Jetzt ist es Zeit, den Beschäftigten bei Aida eine Perspektive aufzuzeigen, statt sie vor die Tür zu setzen.“

Linksfraktion plant Senatsanfrage zum Umfang von Aida mit Steuergeldern

Möglicherweise ist es auch in anderen Abteilungen zur Übertragung von Aufgaben an Freiberufler gekommen. Doch selbst wenn das rechtens gewesen wäre: Dass ausgerechnet die Ehefrau des Entertainment-Chefs, auf den das Restrukturierungsprogramm mit 50 bevorstehenden Entlassungen zurück geht, davon profitierte, hat zumindest ein Geschmäckle. Die Reederei Aida Cruises will das nicht kommentieren. Nur so viel: „Wir sind derzeit in Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung zu Interessenausgleich und Sozialplan. Diese Gespräche verlaufen konstruktiv, sachlich und die Ergebnisse werden bis zum Abschluss vertraulich behandelt. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zum derzeitigen Zeitpunkt keine weiteren Informationen teilen“, so ein Sprecher.  

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Die Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft plant eine Senatsanfrage zum Umgang von Aida mit Steuergeldern. Denn auch die Stadt Hamburg hat die Reederei mit dem Bau des Aida-Entertainment-Hauses sowie mit der Unterbringung des Firmensitzes in einem städtischen Gebäude an der Seilerstraße (St. Pauli) unterstützt. Der Abgeordnete Norbert Hackbusch erklärte dazu kürzlich in der MOPO: „Aida gehört zum Carnival Konzern, einem der Spezialisten darin, keine Steuern zu zahlen. Der jetzige Kahlschlag bei Aida Entertainment hat darüber hinaus einen bösen Geschmack.“ 

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