Borris Brandt und seine Liebe zu Gucci
  • Auf Facebook betont Aida-Entertainment-Chef Borris Brandt immer wieder seine Liebe zu Gucci.
  • Foto: Facebook/Borris Brandt

Mitarbeiter in Job-Angst – und der Chef protzt mit Gucci

Wie soll ich meine Miete bezahlen? Kann ich noch jemals in Urlaub fahren? Wovon soll ich leben? Diese Fragen stellen sich derzeit die Hamburger Mitarbeiter der Reederei Aida Cruises. Rund 50 oft langjährige Mitarbeiter sollen bei der Abteilung Aida Entertainment abgebaut werden. Ihr Chef zeigt wenig Mitgefühl: In den sozialen Medien protzt er mit Gucci, Tesla und Rolex.

„Und natürlich haben wir den Gucci Store in Cannes besucht!“, mit diesen Worten meldete sich Aida-Entertainment-Chef Borris Brandt am 6. Juli auf Facebook aus Südfrankreich. Fotos zeigen ihn beim Shoppen mit seiner Frau in dem Luxus-Laden am Boulevard de la Croisette.

600 Euro für ein Paar Gucci-Schuhe: Facebook-Post zeigt das teure Exemplar

Gucci. Immer wieder Gucci. Mit seiner Liebe zu der italienischen Edel-Marke hält der 60-Jährige, der früher Deutschland-Chef von Endemol sowie Programmdirektor bei ProSieben war, nicht hinterm Berg. Regelmäßig postet er Fotos seiner teuren Neu-Errungenschaften. Vor allem Turnschuhe haben es ihm angetan.

Aida-Entertainment-Chef protzt mit Gucci
Auch dieser Facebook-Post sorgt bei den Aida-Angestellten für Unmut.

Auch daraus, wie viel ihm der Spaß wert ist, macht Borris Brandt keinen Hehl: 600 Euro kostet so ein Paar Edel-Sneaker, verrät Brandt dem YouTuber „Lion“, der in dem Video-Kanal das Format „Wie viel ist dein Outfit wert?“ betreibt.

Aida-Entertainment-Chef in Hamburg: Zum Einkaufen an den Neuen Wall

Dem Fashion-Blogger Lion Salijevic war Brandt am Neuen Wall vor die Kamera gelaufen. Bereitwillig beantwortet der Aida-Chef dabei die Fragen zu seinem Outfit: Neben den Gucci-Schuhen trägt Brandt an dem Tag auch eine Hose von Gucci (700 Euro), einen Gucci-Pullover (800 Euro), eine Jacke von Lululemon (350 Euro) sowie eine Rolex-Uhr (6000 Euro). „Outfitpreis: 8450 Euro“, resümiert der YouTuber. Auch die Mailänder Firma Palm Angels, deren Hoodies schon mal 1000 Euro kosten können, gehöre zu seinen Favoriten, verrät Brandt. Und: „Ich kriege gute Laune, wenn ich geile Klamotten anziehe!“

Gucci Turnschuhe
Auf Facebook postet der Aida-Chef seine Gucci-Turnschuhe.

Fast bescheiden zeigt Brandt in dem Clip auf sein am Straßenrand abgestelltes Auto. „Ich hab mein Leben mit spektakulären Autos verbracht. Das hab ich jetzt alles abgelegt. Heute fahre ich brav meinen Tesla.“ Der dürfte ihn allerdings auch an die 50.000 Euro gekostet haben.

Kreuzfahrt-Mitarbeiter fühlen sich brüskiert

Es sind Summen, von denen die seit anderthalb Jahren in Kurzarbeit befindlichen Aida-Angestellten nur träumen können. Seitdem bekannt wurde, dass eine ganze Reihe von ihnen gehen müssen, regt sich im ganzen Konzern die Empörung über die Selbstdarstellung des Aida-Chefs in Hamburg.

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Von Geschmacklosigkeit ist die Rede. Von Arroganz. Von fehlender Empathie. Besonders provoziert fühlen sich die Mitarbeiter von einem Zitat Brandts aus dem Interview mit dem YouTuber, in dem der Aida-Chef zu maßvollem Konsum aufruft: „Kauft wenig, aber kauft euch richtig gute Sachen!“, mahnt Borris Brandt die Zuschauer. Und: „Gucci ist ein fairer Laden!“ Ein Unternehmen mit einer „fairen Produktion“, das in Europa produziere und „gute Löhne“ zahle, so der 60-Jährige, der für seinen Lobgesang auf die Luxus-Firma auch schon mal eine Torte aus Florenz zugeschickt bekommen hat, wie Brandt treuherzig zugibt.

Aida-Chef deaktiviert seinen Facebook-Account

Faire Arbeitsbedingungen? Nach anderthalb Jahren Kurzarbeit, in denen Aida auf Staatskosten ein Restrukturierungsprogramm ausgearbeitet hat, um die Mitarbeiter nun vor die Tür zu setzen, fühlt sich das für viele an wie blanker Hohn. Auf die MOPO-Anfrage zu seinem Facebook-Verhalten hat Borris Brandt nicht reagiert. Das Unternehmen wollte sich ebenfalls nicht dazu äußern. Nur so viel: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir die Privatsphäre unser Kolleginnen und Kollegen achten und schützen“, so ein Aida-Sprecher. Einen Anflug von Gewissensbissen scheint Borris Brandt aber doch zu haben: Seit Dienstagnachmittag ist sein Facebook-Account deaktiviert.

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