Zabek Sediqi aus Afghanistan lebt in Hamburg
  • Zabek Sediqi aus Afghanistan lebt seit mittlerweile 20 Jahren in Hamburg und arbeitet als Schneider.
  • Foto: Olaf Wunder

Hamburger klagt an: „Afghanistans Präsident hat das Volk verkauft“

„Meine Frau weint nur noch. Ihre Mutter und ihre Geschwister leben in Kabul. Und ich mache mir auch große Sorgen. Meine Onkel und Tanten sind dort. Wir telefonieren oft. Wir schreiben per WhatsApp und ich verfolge per Facebook, wie die aktuelle Lage ist im Land. Alle haben Angst, von den Taliban massakriert zu werden. Vor allem die Frauen. Alle wollen nur noch raus.“

Der das sagt, lebt seit 20 Jahren in Hamburg, ist inzwischen deutscher Staatsbürger: Zabek Sediqi, von Beruf Schneider. Als 14-Jähriger floh er aus seiner Heimat. Vor den Taliban! „Und dass die jetzt wieder die Macht übernehmen – ich kann das nicht begreifen. Die Europäische Union muss was unternehmen. Das ist doch unmenschlich, was da passiert!“

Kein Verständnis für den Abzug von US-Armee und Bundeswehr

Warum die Armee – obwohl ausgebildet durch Bundeswehr und US-Armee – sofort kapituliert hat – Zabek Sediqi glaubt den Grund zu kennen: „Ich habe bei Facebook Videos gesehen, wo Soldaten unter Tränen sagten, sie hätten ja kämpfen wollen, und sie hätten gewiss auch gesiegt, der Verteidigungsminister habe die Anweisung gegeben, sich zu ergeben.“

Für Sediqi steht fest: „Der korrupte Präsident, der jetzt mit viel Geld ins Ausland abgehauen ist, der hat Afghanistan an die Taliban verkauft. Anders ist das nicht zu erklären: Die afghanische Armee ist modern ausgerüstet – und da kommen ein paar Taliban auf alten Mopeds und mit Kalaschnikows und übernehmen die Macht? Das gibt es doch gar nicht.“

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Für den Abzug der US-Armee und der Bundeswehr hat Sediqi kein Verständnis. „So viel Geld und so viele Menschenleben wurden geopfert, um aus Afghanistan ein halbwegs stabiles Land zu machen – und dann überlassen sie das Volk mit einem Mal wieder sich selbst? Ja, dann war doch alles umsonst!“

Exil-Afghanen wollen am Samstag in Hamburg demonstrieren

Für die nächste Zukunft befürchtet Sediqi das Schlimmste: „Die Taliban warten noch ab. Sie warten, bis die letzten westlichen Vertreter das Land verlassen haben. Wenn dann keiner mehr zuguckt, dann werden sie ihr wahres Gesicht zeigen. Dann wird jeder sterben, der nicht so will wie sie.“

Exil-Afghanen wollen am Samstag, dem 28. August, ab 13 Uhr am Hauptbahnhof demonstrieren. Motto: „Global Movement for Peace in Afghanistan – Stop Killing Afghans!“

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