Auch in diesem Eckgebäude Mönckebergstraße/Kreuslerstraße gibt es Leerstand. 
  • Auch in diesem Eckgebäude Mönckebergstraße/Kreuslerstraße gibt es Leerstand. 
  • Foto: Florian Quandt

Einzelhandel in Not: Leere Geschäfte: In Hamburg kreist der Pleitegeier

Erst Online-Shopping, jetzt Corona und Dauer-Lockdown: Der Handel steckt in einer tiefen Krise. Diverse Ketten kündigen Insolvenzen und Filialschließungen an, gerade erst hat Modegigant H&M mitgeteilt, 800 Stellen in Deutschland abzubauen. Der Einzelhandel ist in Not, Branchenvertreter fürchten eine beispiellose Pleitewelle. Wer durch Hamburg fährt, sieht immer wieder leer stehende Geschäfte. 

Die Liste der Geschäfte in Hamburg, die geschlossen sind oder in argen finanziellen Schwierigkeiten stecken, wird immer länger. Galeria Kaufhof und Karstadts Sports an der Mönckebergstraße – dicht. Die Hamburger Modekette Tom Tailor hat im Sommer Insolvenz angemeldet. Die Parfümerie Douglas will Filialen schließen. Bijou Brigitte, Hamburger Anbieter von Modeschmuck, machte im vergangenen Jahr 40 Prozent weniger Umsatz und gab Filialen auf. Der Süßigkeiten-Kette Arko hat Corona gerade den Rest gegeben. Nicht immer haben die Schwierigkeiten hauptsächlich mit Corona zu tun, aber vielfach sind sie der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. 

Einzelhandel in Hamburg: Leerstand und Rabattschilder

Wer durch die Hamburger Innenstadt spaziert, dem begegnen leere Geschäftsflächen und viele Rabatt-Schilder. Zum Beispiel am Jungfernstieg. Bis Ende März 2020 hatte der Kunsthandel „Langhagen & Harnisch“ hier seinen Sitz – seit 1908! Nun bedeckt das Schaufenster eine Werbung des zuständigen Immobilienmaklers. 

Leerstand am Jungfernstieg

Jungfernstieg 44: Bis Ende März vergangenen Jahres war hier der Kunsthandel „Langhagen & Harnisch“ untergebracht. 

Foto:

Florian Quandt

Ein paar Meter weiter ist der Klamottenladen „My Brand Store“. In den Schaufenstern hängen Schilder mit Aufschriften wie „Total Räumungsverkauf. Alles muss raus“. Sollte dieser Laden tatsächlich komplett schließen, hätte er sich an diesem Standort nicht besonders lange gehalten. Erst im Januar 2020 hatte die Luxus-Modemarke „René Lezard“ diese Fläche wegen Insolvenz verlassen. 

Laden MBS am Jungfernstieg 34

Jungfernstieg 34: Der Laden „My Brand Store“ wirbt mit totalem Räumungsverkauf. Bis Ende Januar 2020 war hier „René Lezard“. 

Foto:

Florian Quandt

Ein paar Hundert Meter weiter in den Colonnaden sieht man gleich mehrere Geschäfte, die verrammelt sind. Ein Schuhhändler wirbt mit 70 Prozent Nachlass in seinem Schaufenster. 

Leerstand in den Colonnaden

Auch in den Colonnaden gibt es Leerstand. 

Foto:

Florian Quandt

Auch beim Kinderbekleidungsgeschäft Jako-o nahe der Mönckebergstraße, das im vergangenen August geschlossen hat, ist noch kein Nachmieter sichtbar. Für Salamander und Benetton, die im vergangenen Jahr den Standort an der Europapassage verlassen haben, gibt es ebenfalls noch keine Nachfolger. 

Salamander an der Europapassage

So sah es genau vor einem Jahr an der Europapassage aus: Hier gab es noch Salamander, damals gerade im Räumungsverkauf, und Benetton. Heute stehen beide Flächen leer. 

Foto:

Florian Quandt

Leerstand Salamander und Benetton

Wo einst Salamander und Benetton waren, ist heute – nichts. 

Foto:

Florian Quandt

Auch außerhalb der Innenstadt stehen viele Geschäfte leer, etwa an der Osterstraße (Eimsbüttel). Hier sieht man immer wieder verwaiste Flächen und verrammelte Schaufenster. Auch der Laden von „Schuh Kay“ an der Hausnummer 124 steht zur Vermietung. Das Unternehmen hatte im Oktober 2020 Insolvenz angemeldet. 

Schuh Kay an der Osterstraße

Osterstraße 124 in Eimsbüttel: Die Fläche von „Schuh Kay“ sucht einen Nachmieter. 

Foto:

Patrick Sun

Eine Zahl, wie viele Läden im vergangenen Jahr in Hamburg geschlossen haben, hat Brigitte Nolte nicht. Die Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord in Hamburg hat jedoch andere, beunruhigende Zahlen. „Die wirtschaftliche Situation wird für den Einzelhandel Woche für Woche schlimmer“, sagt sie.

Corona-Lockdown in Hamburg: Pleite von 1000 Geschäften befürchtet

Es gibt Schätzungen, wonach bundesweit 50.000 Geschäfte die Corona-Pandemie nicht überleben werden. In Hamburg geht man von 1000 Pleiten aus. In der Innenstadt sind ein Drittel der Geschäfte in ihrer Existenz gefährdet, sagt sie. 

Leerstehende Gewerbeflächen werden den Vermietern derzeit nicht gerade aus der Hand gerissen. „Es ist für Eigentümer zur Zeit ausgesprochen schwer, gewerbliche Flächen zu vermieten“, sagt Torsten Flomm, Vorsitzender des Grundeigentümer-Verbands Hamburg. Viele Gewerbemieter würden derzeit ihre Flächen zeitweilig oder dauerhaft schließen. „Nach unserer Einschätzung wird dieser Effekt wahrscheinlich anhalten. Denn vielfach hat die Pandemie die vorhandenen Probleme nicht ausgelöst, sondern lediglich verstärkt“, so Torsten Flomm.

Corona-Hilfen werden aufgestockt

Kleiner Trost für Einzelhändler in Not: Die Bundesregierung hat Nachbesserungen bei den Coronahilfen angekündigt. Nach deutlicher Kritik an schleppenden Hilfen für Unternehmen sowie zu viel Bürokratie planen Finanz- und Wirtschaftsministerium einfachere Bedingungen. Außerdem sollen Förderhöchstbeträge aufgestockt werden. 

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp