Fast 19.000 Wohnungslose leben in Hamburg in Unterkünften – mehr als im Bundesschnitt. (Symbolbild)
  • Fast 19.000 Wohnungslose leben in Hamburg in Unterkünften – mehr als im Bundesschnitt. (Symbolbild)
  • Foto: dpa

In diesem Bezirk leben fast dreimal so viele Wohnungslose wie in Eimsbüttel

Fast 19.000 Menschen leben in Hamburg in staatlichen oder kirchlichen Unterkünften, weil sie keine eigene Wohnung haben. Das ergab eine Erhebung von Januar 2022, deren Auswertung nun veröffentlicht wurde. Der Anteil ist in Hamburg demnach viel höher als im Rest Deutschlands – und in einem Bezirk leben pro Einwohner sogar fast dreimal so viele wie in Eimsbüttel.

Die Zahl bildet den Stand vom 31. Januar 2022 ab, als an 113 Standorten von Fördern & Wohnen und 41 Einrichtungen von freien und kirchlichen Trägern Befragungen durchgeführt wurden. Damit sind die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine noch nicht mitberücksichtigt. Wie viele Menschen auf Hamburgs Straßen leben wurde nicht erfasst. Der NDR berichtete zuerst.

Hamburg: In Eimsbüttel leben am wenigsten Wohnungslose

Fast die Hälfte von ihnen lebten in Einrichtungen in Hamburg Mitte und Wandsbek. Relativ wenige waren dagegen in Eimsbüttel (8,3 Prozent) und Harburg (7,9 Prozent) untergebracht.

Auf die Einwohnerzahl der Bezirke gerechnet ergibt sich aber ein anderes Bild: Da brachte Bergedorf statistisch gesehen mit 16,5 Wohnungslosen auf 1000 Einwohnern am meisten in Hamburg unter, danach der Bezirk Mitte mit 14,6. Der große Anteil in Bergedorf liegt daran, dass hier Hamburgs größte Unterkunft liegt, aber insgesamt am wenigsten Hamburger:innen leben. Doch auch nach dieser Aufschlüsselung lebten in Eimsbüttel mit 5,8 auf 1000 Einwohnern verhältnismäßig wenige Wohnungslose.

Wohnungslose in Hamburg: Auch Geflüchtete mitgezählt

Besonders auffällig: Hamburg bringt nach dieser Erhebung mit zehn Menschen auf 1000 Einwohnern deutlich mehr Wohnungslose in Unterkünften unter als andere Bundesländer. An zweiter Stelle steht Berlin mit sieben Menschen, dann Baden-Württemberg mit 3 Personen. In Bremen ist der statistische Wert mit einem Wohnungslosen auf 1000 Einwohnern auffällig niedrig.

In ganz Deutschland wurden rund 178.000 untergebrachte Wohnungslose gezählt. Damit macht der Anteil in Hamburg mehr als zehn Prozent aus.

Das könnte Sie auch interessieren: Hamburg: Scheichs kaufen Top-Immobilie in Bestlage – das ist geplant

Dass Hamburg mit so einem großen Abstand führt, könnte an der Art liegen, wie die Bundesländer die Daten erhoben haben – das will das statistische Bundesamt nun auswerten. Denn in Hamburg wurden etwa Geflüchtete mit gesichertem Aufenthaltsstatus mitgezählt, die noch keine eigene Wohnung gefunden haben und in den Unterkünften leben – das ist in anderen Bundesländern nicht der Fall.

Hamburg: Mehr als die Hälfte der Wohnungslosen sind unter 25 Jahre alt

Mehr als 37 Prozent der Wohnungslosen sind unter 18 Jahre alt, sogar knapp die Hälfte sind jünger als 25 Jahre. 41,5 Prozent sind Frauen. Auch diese Anteile liegen über dem Bundesschnitt. Die Auswertung der Sozialbehörde begründet das mit einem großen Anteil geflüchteter Familien, die in Hamburgs Unterkünften untergebracht sind. 88 Prozent haben keine deutsche Staatsbürgerschaft. Nur fünf Prozent sind 60 Jahre oder älter.

Das könnte Sie auch interessieren: Anwohner erstreiten historisches Urteil gegen Falschparker – das sind die Folgen

In einer anderen Sache stimmt Hamburger allerdings mit anderen Bundesländern überein: Ist jemand erst einmal in einer Unterkunft untergebracht, dauert es für den Großteil zwei Jahre oder länger, bis er oder sie eine eigene Wohnung findet. 54,4 Prozent der Wohnungslosen lebt in Hamburg länger als zwei Jahre in einer Unterkunft. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sei seit Jahren hoch, erklärte die Sozialbehörde der MOPO. Das betreffe auch Geflüchtete, die 2015/16 nach Deutschland kamen. Die Situation am Wohnungsmarkt und das Anhalten von Konflikten in Herkunftsländern tragen demnach dazu bei. Zudem habe Hamburg als Großstadt für Zuzug aus dem In- und Ausland Anziehungskraft.

Die Datenerhebung wurde bundesweit zum ersten Mal durchgeführt. Nun sollen die Verfahren vereinheitlicht und optimiert werden. (ncd)

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp