Auf dieser unscheinbaren Fläche an der Straße Am Diebsteich sollen sich in einigen Jahren die Handwerksbetriebe stapeln.
  • Auf dieser unscheinbaren Fläche an der Straße Am Diebsteich sollen sich in einigen Jahren die Handwerksbetriebe stapeln.
  • Foto: Florian Quandt

Hamburgs Handwerker-Paradies: Hier stapeln sich bald die Werkstätten

Noch steht ein alter Flachbau mit einer Kfz-Werkstatt auf der Fläche an der Straße Am Diebsteich, aber in zwei, drei Jahren soll hier ein Handwerkerhof brummen, mit Werkstätten, gestapelt auf sechs Stockwerken, und Platz für viele Kleintransporter. 20 Unternehmen sollen sich ansiedeln nahe der Kundschaft in den dichtbesiedelten Quartieren rundum. Das Ziel: Die Abwanderung von Handwerkern ins Umland stoppen.

Werkstätten und Handwerksbetriebe in Hinterhöfen – früher ganz normal. Das Gewerbe hatte seinen Platz mitten in den Wohngebieten, Motto: vorne wohnen, im Hinterhof arbeiten. Im Zuge der Verdichtung werden aber immer mehr alte Gewerbehöfe mit Wohnungen bebaut. Parkplätze für die Transporter sind nicht nur bei Kundenbesuchen ein Riesenproblem, sondern auch nach Feierabend. Und: Arbeitslärm unterm Balkon führt in dicht bebauten Vierteln zu Konflikten mit Anwohnern.


Mehr Samstag. Mehr Sonntag. Mehr MOPO!

Unsere extra-dicke MOPO AM WOCHENENDE hat es in sich: Auf 72 Seiten gibt’s aktuelle News, packende Reportagen, spannende Geschichten über Hamburgs unbekannte Orte und die bewegte Historie unserer Stadt, die besten Ausgehtipps für’s Wochenende, eine große Rätsel-Beilage und vieles mehr. Die MOPO AM WOCHENENDE: Jeden Samstag und Sonntag für Sie am Kiosk – oder ganz bequem im Abo unter MOPO.de/abo


Die Folge: Immer mehr Handwerksbetriebe sind gezwungen, sich außerhalb der Stadt anzusiedeln – und die Innenstadtbewohner fluchen, weil sie weder Elektriker noch Klempner mehr in der Nachbarschaft haben und teure Anfahrtskosten berappen müssen.

Hamburg: Neuer Handwerkshof in Altona geplant

Der neue Handwerkshof auf einem städtischen Grundstück an der Straße Am Diebsteich (Altona-Nord), nahe des neuen Fernbahnhofs, soll Abhilfe schaffen – mit Ottensen, Bahrenfeld und der Neuen Mitte Altona als riesigem Einzugsgebiet voller Kundschaft in der Nähe. 6200 Quadratmeter Nutzfläche sowie 60 bis 80 Stellplätze für die Fuhrparks von Fliesenlegern, Installateuren und Co. sollen entstehen. Bauherr ist die „DESA Immobilien Verwaltungsgesellschaft GmbH & Co. KG“.

Handwerkerhof Meistermeile
Vorbild für den Handwerkerhof: die „Meistermeile“ in Lokstedt

Das private Modellprojekt orientiert sich an der (deutlich größeren) städtischen „Meistermeile Offakamp“, die die Stadt Hamburg 2017 in Lokstedt auf drei Etagen gebaut hat – als Norddeutschlands erstes innerstädtisches Zentrum für Handwerk. Auf einem städtischen Grundstück, das zuvor einen Recyclinghof beherbergt hat. Vermarktet wird die Meistermeile von der Handwerkskammer und der städtischen Sprinkenhof GmbH.

Der Start damals: verhalten. Besonders für die oberen Etagen war es schwer, Handwerksbetriebe zu begeistern. Kein Schlosser oder Heizungsbauer will sein Material weiter schleppen als nötig, trotz der Lastenfahrzüge und trotz günstiger Mieten von 7,70 Euro pro Quadratmeter in den oberen Etagen (Flächen im Erdgeschoss 9,20 Euro). Derzeit sind in der Meistermeile 70 Prozent der Flächen vermietet.

Das könnte Sie auch interessieren: Hamburg gehen die Handwerker aus: Es bewirbt sich niemand!

Dass die Stadt ihr Grundstück diesmal nicht selbst bebaut, ist politisch gewollt, wie Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) erklärt: „Die Realisierung beweist, dass die Investition in gestapelte Gewerbe- und Produktionsflächen auch für private Investoren interessant ist.“

Auch Altonas Bezirksamtschefin Stefanie von Berg (Grüne) freut sich: „Durch den neuen Handwerker- und Gewerbehof verhindern wir, dass Betriebe ins Umland abwandern und tun durch kürzere Fahrtwege auch noch etwas Gutes für das Klima.“

Es ist nicht der erste Anlauf, lokalen Handwerksbetrieben einen Standort in Altona zu bieten: Auch in das zukünftige Vorzeigequartier „Kolbenhöfe“ in Bahrenfeld sollen Werkstätten integriert werden.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp