Neubau Eckgebäude Ottensen
  • Das Eckgebäude „Ottensen Corner“ an der Großen Brunnenstraße.
  • Foto: Florian Quandt

2300 Euro kalt im Monat? „Mieter sind auch selber schuld!“

Dort, wo früher Gäste in der Taverna Kreta begrüßt wurden, steht heute ein fünfstöckiger Neubau an der Großen Brunnenstraße/Ecke Donnerstraße. Alle Wohnungen sind verkauft, viele schon vermietet. Das Penthouse kostet stolze 2300 Euro Kaltmiete. Der ganz alltägliche Mieten-Wahnsinn in Ottensen geht weiter. Lässt er sich wirklich durch den geplanten Neubau von jährlich 1500 Wohnungen im Bezirk Altona stoppen? Die Politik hofft drauf. CDU-Fraktionschef Sven Hielscher sagt: „Die Mieter sind aber auch selbst schuld!

„The Corner“ wurde das graue Eckgebäude für die Vermittlung getauft. Entstanden sind 17 Eigentumswohnungen auf fünf Etagen. Das Penthaus ist mit 106 Quadratmetern etwas kleiner ausgefallen als die häufig gewordenen palastartigen 120 bis 150 Quadratmeter verteilt auf drei Zimmer. Es kostet 2300 Euro Kaltmiete. Man liest den Preis und zuckt nur noch mit den Schultern. Alle denken: „Quadratmeterpreis über 20 Euro im Neubau? Ist ja mittlerweile fast normal.“

Hamburg: Miete explodiert bei Neubau in Ottensen

Tun kann die Politik dagegen wenig. Bei kleinen, privaten Neubauvorhaben gilt der Pakt für Wohnen nicht, es gibt also keinen Drittelmix aus Eigentum, Miet- und Sozialwohnungen. „Drittelmix gilt erst ab 30 Wohnungen“, sagt Sven Hielscher, Fraktionschef der CDU Altona. „Wenn es noch viel kleinteiliger würde, wäre der Verwaltungsaufwand gar nicht mehr zu bewältigen“, sagt Hielscher, der beruflich Geschäftsführer einer Immobiliengesellschaft ist und weiß, wovon er redet.

Wohnungsanzeige fürs Penthaus Ottensen
Bis vor Kurzem wurde die Penthouse-Wohnung noch inseriert, ganz so schnell hat niemand zugegriffen.

Hielscher sieht nicht nur die Politik, sondern auch die Mieter selbst in der Pflicht. „In Quartieren wie Ottensen werden reihenweise rechtswidrige Mietverträge abgeschlossen“, sagt er. Die Leute seien leider bereit, Verträge mit viel zu hohen Mieten abzuschließen. Denn immerhin gelte auch dort der Mietenspiegel.


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„Warum unterschreiben die Leute das und holen sich nicht wenigstens hinterher einen Anwalt und setzen niedrigere Mieten durch?“ Das würde auch dem Mietenspiegel langfristig helfen. Denn sonst fließen die überhöhten Mieten dort ein und werden so selbst zu Preistreibern. Hielscher schätzt: „In Ottensen sind die Miethöhen in 60 Prozent der Mietverträge im Bestand rechtswidrig.“ Schon Quadratmeterpreise von 14 Euro seien dort teils zu hoch.

Hamburg: Mietenspiegel greift bei Neubauten nicht

Der Mietenspiegel greift allerdings bei Neubauten wie in der Großen Brunnenstraße nicht. Sonst würden in dieser Straße bei guter Ausstattung maximal Quadratmeterpreise von 13 bis 15 Euro möglich sein. Auch die Mietpreisbremse greift bei Neubauten nicht, wo kein Mietenspiegel, da auch keine Mietpreisbremse.

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Die Politik setzt als Lösung für das Mietenproblem auf zügigen Wohnungsbau. Im Zuge des Wohnungsbaupaktes mit der Wohnungswirtschaft will der Bezirk Altona in Zukunft 1500 Wohnungen jährlich bauen. Und zwar im Drittelmix mit Sozial- und anderen Mietwohnungen. „Angesichts der begrenzten Flächen-Ressourcen ist das eine große Herausforderung“, sagt SPD-Fraktionschef Thomas Adrian.

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Es sei aber möglich, etwa vor dem Hintergrund der Entwicklung des Holstenquartiers und entlang der Magistralen. Zudem sind in Altona die Zahlen bei kleineren Wohnungsbauvorhaben konstant. Aber hilft das gegen den Mieten-Wahnsinn in Gebieten wie Ottensen? Adrian: „Es kann den Anstieg in solch attraktiven Gebieten zumindest verlangsamen.“

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