Hein Lühs pflückt Äpfel in seiner Plantage.
  • Obstbauer Hein Lühs (61) pflückt Äpfel in seiner Plantage in Jork.
  • Foto: / Florian Quandt

Bio-Bauer mit Herz: Der Kunde muss kleine Stellen am Apfel akzeptieren

Mit kleinen grünen Herzen auf einem roten Apfel begann die Erfolgsgeschichte des Herzapfelhofs in Jork (Altes Land). Die in die Frucht gelaserten Motive wurden zum Verkaufsschlager und haben auch den entscheidenden Anstoß dafür gegeben, dass der traditionsreiche Familienbetrieb Lühs auf Bio-Anbau umstellte. Viele schlaflose Nächte und hohe Investitionen später ist Hein Lühs (61) heute froh über das Demeter-Siegel. Das aktuelle Erntejahr und die derzeit angesagteste Apfelsorte bereiten dem Bio-Bauern nicht ganz so viel Freude.

„Du musst damit rechnen, dass du Kunden verlierst. Und du musst rund 200.000 bis 300.000 Euro in die Umstellung investieren.“ Das galt es zu bedenken, als Hein Lühs und sein Sohn Rolf sich 2012 entschieden, vom konventionellen Obstanbau auf ökologisch umzusatteln. Drei Jahre dauert eine solche Umstellung und in dieser Zeit sind viele der Äpfel zwar schon unter Bio-Anbaubedingungen gewachsen, sie haben aber noch kein Siegel und dürfen noch nicht als Bioware verkauft werden. „Der Bauer hat also gute Äpfel, die schlechter aussehen – und damit bekommt er weniger Geld dafür“, erklärt Lühs Senior, der den Hof schon in der vierten Generation führt.

Apfel-Bauer Lühs im Alten Land stellte auf Bio-Anbau um

Vor allem Familien mit Kindern lieben den Demeter-Hof. Hier können sie selbst in der Plantage rund 40 verschiedene Sorten ernten, von Topas über Santana bis Cox oder Elstar. Seit neustem können Kunden auch Apfelbaum-Paten werden und am Ende alle Früchte „ihres“ Baumes ernten, und zwar je nach Sorte bis zu 40 Kilo. Die Pflegearbeiten übernimmt natürlich der Fachmann vom Hof.

Familie Lühs aus Jork mit Früchten auf Trecker
Familie Lühs vom Herzapfelhof in Jork hat gute Erfahrung mit dem Bio-Anbau.

Obsthof Lühs: Kunden können Apfelbaum Paten werden

Hein Lühs ist gerührt von den begeisterten Baumpaten. „Man ärgert sich ja oft über Kunden, denen kein Apfel perfekt genug ist, um ihn zu kaufen.“ Die kleinste Schorfstelle störe da manchen schon. „Aber wer hier seinen eigenen Baum erntet, der pflückt noch begeistert den kümmerlichsten Kerl ab. Auch wenn er eigentlich nur noch für Saft taugt.“


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Auf dem Herzapfelhof wünscht man sich mehr Kunden mit einer anderen Einstellung zur Natur und zum Apfel. „Der Verbraucher muss kleine Stellen an der Frucht einfach akzeptieren lernen.“ Das gehöre insbesondere zu einem Bio-Apfel nun einmal dazu. Schließlich verzichte man auf synthetischen Pflanzenschutz. „Es stimmt, dass Äpfel mit Schorfstellen leichter verderben“, räumt der Obstbauer ein. Frisches Obst sei aber nun einmal verderblich. „Früher hat die Oma dann den Speiseplan umgestellt und Apfelpfannkuchen gebacken oder Apfelmus zum Nachtisch gekocht.“ Heute würden leider fast nur noch frische rohe Äpfel gegessen.

Jork: Bio-Äpfel vom Demeter-Hof Herzapfelhof

Wichtig sei auch, dass Verbraucher akzeptierten, dass die Natur launisch sei. „Wenn die eine Apfelsorte wenig Ertrag hatte, dann probiert man halt mal eine anderen aus.“ Auch das sei für manche Kunden offenbar immer noch eine Überwindung.

Äpfel werden in einer Plantage geerntet.
Knackige Jonagold-Äpfel in einer Plantage von Familie Lühs in Jork.

Für die Umstellung des Hofs auf Bio-Anbau entschied sich die Familie, weil die Motiväpfel bei Firmenkunden unheimlich beliebt sind. Unternehmen verschenken gern Lühs Firmenlogo-Äpfel und sie wünschten sich dafür Bio-Qualität. „Bei uns hat die Umstellung auf bio gut geklappt“, so Lühs. „Das liegt daran, dass wir die Hälfte der Ernte auf dem Hof direkt vermarkten. So können wir den Kunden immer erklären, warum sie mehr für den Apfel bezahlen als früher und wieso die Frucht nicht mehr so perfekt aussieht.“ Das funktioniere bei einem Bio-Apfel im Edeka nicht. Daher sei es auch keine Selbstverständlichkeit, dass eine Umstellung auf Bio-Anbau erfolgreich sei.

Demeter: Anbau reduziert sich um 20 Prozent nach Umstellung

Durch den biologisch dynamischen Demeter-Anbau ist der Ertrag der Bäume auf dem Hof um 20 Prozent zurückgegangen. Außerdem hat jeder fünfte Apfel Stellen, die dafür sorgen, dass er nicht regulär vermarktet werden kann. Diese Früchte werden dann zu Apfelmus oder zu Saft. „Wir haben das Glück, dass auch unser Bio-Apfelsaft beliebt ist.“

Über die Ernte kann sich Hein Lühs in diesem Jahr nicht so sehr freuen. Erst war es so warm, dass schädlichen Pilzsporen sich an den Apfelbäumen gut entwickeln konnten. Dann war es so feucht, dass sie auf den Äpfeln gediehen. Lühs: „Ich habe in meinen 40 Jahren Erfahrung noch nie so viel Schorf auf den Äpfeln gesehen.“

Spritzen im Bio-Anbau: Bauern dürfen Kupfer aufbringen

Hein Lühs, Seniorchef vom Obsthof Lühs.
Hein Lühs (61) vom Obsthof Lühs in Jork. Heute führt sein Sohn den Hof mit ihm.

Was zu einem heiklen Thema führt, über das Bio-Bauern nicht gern sprechen. Das Behandeln (das böse Wort Spritzen nimmt niemand in den Mund) der Äpfel mit Kupfer. Eines der wenigen erlaubten Pflanzenschutz-Mittel im Bio-Obstbau. Kupfer wird vor allem beim Obst- und Weinanbau gegen Schadpilze eingesetzt. Ein Drittel der jährlich in Deutschland ausgebrachten Menge von 100 Tonnen bringen Öko-Betriebe aus.

Die Behandlung mit Kupfer sei aber sehr zeit- und personalaufwändig. Man müsse dafür stundenlang durch die Plantage fahren, bis alle Apfelbäume behandelt sind. Familie Lühs hat sich gegen den Schorfpilz jetzt eine neue Sortiermaschine angeschafft. Mit einer Wärmebehandlung, die die Entwicklung des Schorf-Pilzes stoppt, damit er während der langen Lagerung keinen weiteren Schaden an den Früchten anrichtet.

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Familie Lühs setzt auf wenig schorfanfällige Sorten wie Topaz und Santana, die im Anbau weniger Probleme bereiten. Allerdings ist der derzeit beliebteste Apfel der Wellant. „Und ausgerechnet der ist für den Bio-Anbau nicht so geeignet“, so Lühs. Es gibt ihn auf dem Herzapfelhof aber trotzdem.

Doch durch den Verzicht auf synthetischen Pflanzenschutz wird viel mehr Arbeitskraft und Zeit eingesetzt, um die Pflanzen zu schützen. Das macht den ökologischen Obstbau so teuer. Es ist also kein Wunder, dass auf einem Biohof laut Hein Lühs rund 10.000 Arbeitsstunden mehr anfallen als auf einem konventionellen.

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Warum es im Alten Land leider nur 15 Prozent Bio-Anbau gibt? Hein Lühs ist überzeugt, dass das schon eine gute Quote ist, denn mehr Käufer für die teureren und weniger schönen Bio-Äpfel gebe es derzeit nun einmal nicht. „Mehr gibt der Markt einfach nicht her.“

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