Olympia Hamburg
  • Im Hamburger Stadtpark wurden 2015 die Olympischen Ringe gebildet – links daneben aber auch von Protestlern ein „No”.
  • Foto: WITTERS

Nach Hamburg-Desaster: Neuer Olympia-Anlauf nur unter einer Bedingung

Tagelang hatte sich Thomas Weikert in Zurückhaltung geübt. Die Fragen nach einer Bewerbung um Olympische Spiele beantwortete er stets mit einem mehr oder weniger deutlichen: Ja, aber. Nun, am Tag nach den so erfolgreichen European Championships in München, gab sich der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) offener. Das Präsidium des DOSB habe beschlossen, sagte er der FAZ: „Wir wollen Olympia angehen.“

Das ist keine Überraschung mehr – und doch nach wie vor mit einem großen „Aber“ verbunden: Ohne die Unterstützung der Bevölkerung, das ist allen Befürwortern des Vorhabens bewusst, wird es nicht gehen. Wenn die Bevölkerung Nein sage, ergebe es auch „keinen Sinn“, Olympische Spiele in Deutschland zu veranstalten, betont etwa Geschäftsführer Johannes Herber vom Verein Athleten Deutschland. In der Tat ist die öffentliche Meinung schwer einzuschätzen.

Volksbefragung beendete Olympia-Träume in München und Hamburg

Weikert bleibt deshalb eher vorsichtig. „Das Warum steht vor dem Wann, Wo und Wie“, sagte er. Also: Zunächst soll den Deutschen vermittelt werden, warum es wieder Olympia in ihrem Lande braucht. Die vergangenen beiden Versuche einer Bewerbung von München für 2022 und Hamburg für 2024 blieben jedenfalls im Ansatz stecken: Beide Male wurde eine Volksbefragung durchgeführt, beide Male fiel das Urteil der Bürger vernichtend aus.

Das Ziel der Hansestadt war es, sich für die Olympischen Spiele im Jahr 2024 zu bewerben. Die Planungen dafür waren bereits weit fortgeschritten, bis ein Referendum die Pläne der Stadt im Jahr 2015 stoppte. Mit 51,6 Prozent der Stimmen, entschied sich eine knappe Mehrheit der Hamburger gegen das Vorhaben. Ein Desaster für die Macher!


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„Ich habe das Gefühl, dass es in Deutschland Vorbehalte gegen Olympia gibt“, sagte der Schweizer Marc Jörg, einer der beiden Erfinder der European Championships. Jörg ist unabhängiger Sportvermarkter, kein Funktionär. Ihm geht es darum, „ein Event zu kreieren“, das auf eine Stadt und ihre Menschen zugeschnitten ist. Totale Kontrolle wie das IOC will er nicht ausüben: „Wir regulieren so viel wie nötig und so wenig wie möglich.“

Bundesregierung unterstützt Olympia-Vorhaben

Seitens der Politik gibt es derzeit keinen Widerspruch gegen das Bemühen um eine deutsche Olympia-Bewerbung. Die Bundesregierung, sagte Innenstaatssekretär Mahmut Özdemir in München, „begrüßt jede Initiative einer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele“. Wichtig, betonte jedoch auch er, sei die Akzeptanz in der Bevölkerung für ein derartiges Vorhaben. Die Bundesregierung, ergänzte Özdemir, befinde sich im Austausch mit dem DOSB.

Früheste Chance: Winter 2034 oder Sommer 2036

Klar ist schon jetzt: Sollte der DOSB auch auf seiner Mitgliederversammlung im Dezember in Baden-Baden wie zu erwarten dem Präsidiumsbeschluss folgen, ist neben einer zündenden Verkaufsidee auch ein langer Atem gefragt. Ein sehr langer Atem. Für die Winterspiele 2030 ist der DOSB schon zu spät dran, die Sommerspiele sind schon bis 2032 vergeben. Das nächste realistische Datum wäre also 2034, und das hieße: Winterspiele.

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Für Winterspiele in Deutschland wiederum käme nur München mit Partnerregionen infrage. Marion Schöne, Chefin der Olympiaparks und des Organisationskomitees der European Championships, sagte dazu am Sonntag: Das Konzept, mit dem sich München für Winterspiele 2022 hatte bewerben wollen, „liegt noch in der Schublade“. (sid/pw)

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