Handball-Trainer Steffen Birkner verschränkt die Arme
Handball-Trainer Steffen Birkner verschränkt die Arme
  • Steffen Birkner trainierte von 2008 bis 2014 den Buxtehuder SV.
  • Foto: IMAGO/Eibner

Handballerinnen erheben schwere Vorwürfe gegen früheren Buxtehuder Coach

Die Handball-Bundesliga der Frauen kommt nicht zur Ruhe. Nach den Vorwürfen gegen BVB-Trainer André Fuhr gerät nun auch Steffen Birkner, Coach der HSG Blomberg-Lippe, in die Kritik. Der Vorwurf gegen den früheren Trainer des Buxtehuder SV ist der gleiche wie bei Fuhr: willkürliche Beleidigungen und Psychoterror gegen die Spielerinnen.

Spielerinnen und Mitarbeiter:innen erheben in einem Artikel des „Spiegel“, der auch den Fall Fuhr aufgedeckt hatte, schwere Vorwürfe gegen Birkner. „Wenn wir Fehler machten, spielten wir ‚schwule Bälle‘, waren ‚behindert‘, wurden nach Lust und Laune ‚fett‘ und ‚dumm‘ genannt“, berichtet Isabelle Jongenelen, die mittlerweile für Yalikavak Spor Kulübü in der Türkei aufläuft.

Handball: Schwere Vorwürfe gegen Steffen Birkner

Ähnlich geht es auch einer früheren Kollegin, welche anonym bleiben möchte: „Bis heute zieht sich in mir alles zusammen, wenn ich an die Zeit dort denke“, schildert sie. Zudem habe sie sich aufgrund ihrer Erlebnisse in psychologische Behandlung begeben.


MOPO

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Die ehemalige Athletiktrainerin Jessica Bregazzi monierte außerdem eine viel zu hohe Belastung der Spielerinnen im Training, die Birkner egal gewesen sei. Eine weitere anonyme Betreuerin untermauerte das Bild des Coaches. Sie bezeichnete Birkner als „Tyrannen“, der „Spielerinnen bewusst psychisch terrorisierte“. „Vor allem junge, mental weniger starke Frauen bekamen seinen Ärger zu spüren oder wurden völlig ignoriert“, schilderte sie. Die drastischen Vorwürfe gegen Birkner sowie die Aussage Bregazzis, Geschäftsführer Torben Kietsch habe auf entsprechende Hinweise nicht reagiert, sorgen nun in der nordrhein-westfälischen Stadt für mächtig Wirbel.

Blomberg-Lippe und Birkner wehren sich gegen Vorwürfe

Der Verein wies die Anschuldigungen derweil als „nicht fair“ und „überzogen“ zurück, auch Steffen Birkner selbst meldete sich zu Wort. „Ich bedauere sehr, wenn Depressionen auf den Druck bei der HSG zurückzuführen sein könnten“, sagte er und weiter: „Generell ist im Sport die Wortwahl sicher oft gröber als im normalen Alltagsgeschehen, häufig nicht druckreif. Es geht aber nie um persönliche Beleidigungen, sondern geschieht im Eifer des Gefechts und der Emotion. Und Homophobie liegt mir fern. Wenn Spielerinnen mit dem Umgangston allerdings ein Problem haben, können sie das jederzeit äußern. So wurde bereits in der Vergangenheit auf entsprechende Hinweise reagiert und die Wortwahl angepasst.“

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Einzelne Spielerinnen wie Laura Rüffieux, Melanie Veith und Nele Franz stellten sich hinter ihren ehemaligen Trainer. Ein Bild der „Zweiklassengesellschaft“, das auch in Schilderungen von Betreuerinnen deutlich wurde. Ob und welche möglichen Konsequenzen aus den beiden aktuellen Fällen des Umgangs männlicher Trainer mit ihren weiblichen Spielerinnen gezogen werden, ist derzeit noch unklar.

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