Frank Ullrich auf einer Wahlveranstaltung
  • Frank Ullrich war auf der Biathlon-Strecke erfolgreich - nun möchte er sich den politischen Kontrahenten im Bundestag stellen.
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Einer kämpft gegen Maaßen: Drei Olympiasieger wollen in den Bundestag

Erstmals könnten drei Olympiasieger im Bundestag sitzen: Biathlon-Legende Frank Ullrich kämpft gegen CDU-Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen, Eisschnellläuferin Claudia Pechstein und Ex-Bahnradsportler Jens Lehmann haben ebenfalls Chancen.

Bei einem der seltenen Aufeinandertreffen erwies sich Frank Ullrich als Sportsmann. Am Rande einer Talkrunde in Memmingen reichte die Biathlon-Legende dem CDU-Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen die Hand. Sein Widersacher im Kampf um das Bundestagsdirektmandat in Südthüringen blieb sitzen, mied den Blickkontakt, zog aber seine Hand auch nicht zurück.

Waren für Ullrich früher Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele die Saisonhöhepunkte, ist in diesem Jahr der Sonntag sein Stichtag. Für den Olympiasieger von 1980 steht gegen den umstrittenen Ex-Verfassungsschutzchef Maaßen ein Duell an, auf das nicht nur viele Sportfans mit Spannung blicken. Und Ullrich ist nicht der einzige Goldmedaillengewinner, der in den Bundestag will.

Biathlon-Legende Frank Ullrich: Duell mit Maaßen

In seinen Aussagen vor der Wahl klingt er schon wie ein alter Politik-Hase: „Egal, ob ich siege oder nicht, auf jeden Fall werde ich mich immer für die Belange der Thüringer einsetzen“, sagte er der Welt. Dieses Bild vermittelt Ullrich, der für die SPD einen Platz im Sportausschuss anstrebt, auch auf seiner Homepage: „Einer von uns – Einer für uns“, lautet der Slogan. Die Sympathiewerte dürften klar bei dem Ex-Biathleten liegen, ob das jedoch für das Direktmandat reicht, ist fraglich.

Mit hartem Konkurrenzkampf kennt sich Ullrich zumindest aus. Auf dem Weg zu seinen neun WM-Goldmedaillen und zu seinem Olympiasieg musste er sich immer wieder gegen scheinbar übermächtige Sowjets um den großen Alexander Tichonow durchsetzen. Auch als Langlauf-Bundestrainer scheute er keine Auseinandersetzungen und erwehrte sich immer wieder der Attacken seines Vorgängers Jochen Behle.

Das Duell mit Maaßen aber nimmt eine andere Dimension an: Schließlich ist dessen Kandidatur schon lange ein Politikum, das dem CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet im Wahlkampf viele unangenehme Fragen beschert hat.
Die Grünen forderten sogar aufgrund der eigenen Aussichtslosigkeit im Wahlkreis 196 ihre Anhänger auf, für Ullrich (63) zu stimmen, um zu verhindern, „dass eine nach Rechtsaußen offene Stimme in den Bundestag einzieht“, wie Bundesgeschäftsführer Michael Kellner mitteilte.

Pechstein und Lehmann wollen in den Bundestag – Goldenes Trio winkt

Gute Aussichten auf einen Sitz im neuen Parlament haben neben Ullrich zwei weitere Olympiasieger: Sollten sowohl Claudia Pechstein, ihres Zeichens die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin, als auch Ex-Bahnradprofi Jens Lehmann den Einzug schaffen, wären erstmals drei olympische Goldmedaillengewinner im Bundestag vertreten.

Politik-Novizin Pechstein (49) tritt mitten in ihrer Vorbereitung auf Peking, wo die Eisschnellläuferin als erste Athletin zum achten Mal bei Olympischen Winterspielen an den Start gehen will, ebenfalls gegen Prominenz an: Gregor Gysi, früherer Vorsitzender der Linken, gilt im Berliner Wahlkreis Treptow-Köpenick als klarer Favorit, dennoch könnte Pechstein als Sechste der CDU-Landesliste erstmals in den Bundestag einziehen.

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Für Lehmann (53) wäre es schon eine große Enttäuschung, sollte er sein Direktmandat in Leipzig nicht verteidigen. Vor vier Jahren hatte der Olympiasieger im Mannschaftszeitfahren von 1992 und 2000 dort für die CDU gewonnen, seine Arbeit im Verteidigungs-, Petitions- und Sportausschuss gilt als konstruktiv.

Als erster Mensch in Deutschland mit olympischem Gold in der Vita hatte sich 1972 Speerwerferin Ruth Fuchs (PDS) ein Bundestagsmandat gesichert. Lehmann war seither der Einzige, der es ihr gleichtun konnte. Sollte neben Pechstein Ullrich der nächste in der Reihe sein, dürfte das weit über die Grenzen von Thüringen hinaus für Aufsehen sorgen. (dpa)

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