Elena Semechin
Elena Semechin
  • Elena Semechin kämpft gegen den Krebs und hat ein festes Ziel im Blick.
  • Foto: imago/Nordphoto

„Das Leben ist jetzt schöner mit dem Krebs“: Ausnahmesportlerin träumt von Paris

Trotz ihrer kräftezehrenden Krebsbehandlung genießt Paralympics-Siegerin Elena Semechin das Leben – und träumt von Paris 2024. Sonnenstrand statt Weihnachtsbaum, Tropenhitze statt Eiseskälte: Dem deutschen Dezember entflohen, genießt Elena Semechin auf der Trauminsel Bali die pure Erholung. Einfach mal abschalten, endlich zur Ruhe kommen nach einem außergewöhnlich anstrengenden Jahr. „Das Leben“, sagt die sehbehinderte Schwimmerin, „ist jetzt schöner mit dem Krebs.“

Gerade hat Semechin ihren zehnten von zwölf Zyklen der Chemotherapie gegen den Hirntumor durchgestanden, zuvor unter Übelkeit, Hautausschlägen, Juckreiz und Verdauungsproblemen gelitten. Auf der fast eintägigen Flugreise fühlte sie sich „elend“. Doch jetzt tankt die Paralympics-Siegerin mehr als 11.500 Kilometer von ihrer Heimat entfernt Kraft für die letzten Schritte ihrer kräftezehrenden Behandlung – und träumt von großen sportlichen Zielen. Einige andere Träume hat sich Semechin in diesem Jahr bereits erfüllt. Ob der zweiwöchige Bali-Trip, ein Rammstein-Konzert, ein Fallschirmsprung oder ein Tauchschein: „Lauter Dinge, die ich schon immer machen wollte“, sagt sie: „Das erfüllt mich total.“

Elena Semechin: „Für mich ist jeder Tag ein Highlight“

Inmitten der komplizierten Behandlung, die seit der Schockdiagnose und der anschließenden OP im November 2021 ihr Leben verändert hat, greift Semechin nach allem Positiven. „Für mich ist jeder Tag ein Highlight“, sagt sie. Auf diese Weise lebe sie „viel bewusster, schöner“. Ein großes Ziel verfolgt sie dabei in guten wie in schlechten Zeiten: Paris 2024, die nächsten Paralympics, bei denen Semechin ihren Triumph von Tokio wiederholen will. „Ich denke an das, was ich bisher mit Fleiß und Disziplin geschafft habe“, sagt sie: „Ich muss es unbedingt wollen, dann kann ich alle Berge versetzen, wenn es sein muss.“ Dass sie selbst vom Krebs geschwächt international konkurrenzfähig sein kann, untermauerte die 29-Jährige im Sommer: Bei der WM auf Madeira verpasste sie ihren dritten Titel nur knapp, Silber war wie ein Sieg. „Ich hoffe, diese Lust auf die harte Arbeit vergeht nicht“, sagt sie heute.


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Wie schwer das sein kann, erlebt Semechin immer dann, wenn ihr Körper auf die Bestrahlung reagiert. Die Symptome nehmen mit jedem Zyklus zu. Deshalb befindet sie sich im Training bei nur noch „30 bis 40 Prozent“ ihres eigentlichen Levels.

Semechin über Trainingslager: „Wir versuchen, dass ich da oben überlebe“

„Es ist so, als hätte ich jeden Monat eine neue Grippe“, sagt sie. „Das kratzt auch an der Psyche, manchmal zweifle ich an mir selbst, ob ich je wieder an mein altes Leistungsniveau herankommen kann.“ Die Gedanken an Paris trösten in solchen Momenten nicht – im Gegenteil: „Ich bekomme dann eher Panik“, räumt Semechin ein. Stoppen lässt sie sich von all diesen Zweifeln nicht. Lieber plant sie ein Höhentrainingslager im kommenden April. Schließlich steht Ende Juli in Manchester schon die nächste WM an. „Die Mediziner hatten so einen Fall noch nie“, sagt Semechin schmunzelnd: „Wir werden es ausprobieren und versuchen, dass ich da oben überlebe.“

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Zwei Zyklen muss Semechin 2023 noch überstehen. „Ich hoffe, dass mich das mental nicht bricht“, sagt sie. Wenn die Ausnahmesportlerin es zur WM schafft, will sie „selbstverständlich“ wieder um Medaillen schwimmen. „Ich werde Gas geben und genau darauf achten, ob der Körper mitmacht“, sagt sie. Und dann wäre da ja noch Paris.
Erst mal geht es aber nach Weihnachten gemeinsam mit ihrem Ehemann und Trainer Philip weiter nach Thailand. Das Leben ist schön. (sid/nswz)

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