x
x
x
Jogi Bitter ärgert sich über ein Gegentor.
  • Jogi Bitter ärgert sich über ein Gegentor.
  • Foto: Imago / Kolektiff

Corona-Wahnsinn: Was hat diese EM dem deutschen Handball gebracht?

Mit einem Sieg wollen sich Deutschlands Handballer von der EM verabschieden – und dann nichts wie weg. Im heutigen vierten und letzten Hauptrundenspiel gegen Russland geht es nur noch um einen halbwegs versöhnlichen Abschluss des aus deutscher Sicht Wahnsinns-Turniers. Die Zahl der Corona-Fälle im Team ist nochmals gestiegen. Beeindruckend war die große Moral der Mannschaft im Ausnahmezustand. Aber was hat die Immer-weiter-Mentalität des DHB gebracht? 

15. Fünfzehn corona-infizierte deutsche Spieler bei der EM. In dieser traurigen Sonderwertung ist das DHB-Team einsame Spitze. Und die EM ist noch nicht vorbei. Die jüngsten positiven Fälle sind Kreisläufer Patrick Wiencek und Abwehrspezialist Simon Ernst sowie ein Delegationsmitglied.

Von den 17 Spielern, die vor zwei Wochen in Bratislava in die EM gestartet waren, sind vor dem sportlich bedeutungslosen Spiel gegen die Russen, die ebenfalls keine Chance mehr aufs Halbfinale haben, nur noch vier (!) übrig: Kapitän Johannes Golla, Philipp Weber, Julian Köster und Lukas Zerbe.

Drei Siege in der Vorrunde, drei Niederlagen in der Hauptrunde

Drei Siegen in der Vorrunde folgten drei Niederlagen in der Hauptrunde gegen die Topteams Spanien, Norwegen, Schweden. Es ist angesichts der Umstände unmöglich, das Abschneiden der Mannschaft zu bewerten, die sich angesichts der hohen Zahl  nachnominierter Spieler (zehn) im Turnierverlauf extrem verändert hat. War es das wert? Zwischenzeitlich war auch ein Rückzug diskutiert, dann aber verworfen worden.


Was ist in dieser Woche im Volkspark passiert? Jeden Freitag liefert Ihnen die Rautenpost Analysen, Updates und Transfer-Gerüchte – pünktlich zum Wochenende alle aktuellen HSV-News der Woche kurz zusammengefasst und direkt per Mail in Ihrem Postfach. Hier klicken und kostenlos abonnieren.


„Es ist ein unglaublich wertvolles Turnier gewesen“, zog Bundestrainer Alfred Gislason schon vor dem abschließenden Spiel ein betont positives Fazit. Er sei „wahnsinnig stolz auf die Jungs“, die den Widrigkeiten getrotzt und alles versucht hätten. Zudem hätten junge Spieler „wertvolle Erfahrungen“ gesammelt. „Auf lange Sicht ist das ein sehr, sehr tolles Turnier für uns.“

Bundestrainer Gislason bewertet die EM positiv

Ein sehr positiver Blick auf die Dinge. Auch Gislason, der sich bei dieser EM nie beklagt hat, obwohl er allen Grund hatte, weiß: Der dringend erforderliche und mittlerweile überfällige Neuaufbau einer schlagkräftigen Mannschaft für die Heim-EM 2024 kommt nicht richtig voran. Schon die WM 2021 in Ägypten hatte im Zeichen diverser Absagen von Nationalspielern gestanden.

Diese EM war keine Weiterentwicklung einer Mannschaft mit klaren Konturen, sondern eher ein XXL-Casting unter Wettkampfbedingungen voller Widrigkeiten. Ein Julian Köster (21) hat als Zweitligaspieler deutlich mehr Spielzeit bekommen als geplant und ist – obwohl er auch einiges an Lehrgeld ­zahlte – die große Entdeckung im DHB-Team. Keeper Till Klimpke (23) wiederum, der als Nummer eins der Zukunft aufgebaut werden soll, konnte sich bei seinem EM-Debüt nur in einem Vorrundenspiel richtig beweisen, bevor Corona zuschlug. Zu wenig.

Viele Nationalspieler sind kaum bis nicht zu bewerten

Gleiches gilt für Rückraum-Shooter Sebastian Heymann (23), der infektionsbedingt nicht repräsentativ auf internationalem Parkett zeigen konnte, dass er wirklich die große Lösung ist und neben Wurfgewalt auch mentale Stabilität mitbringt. Spielmacher-Talent Luca Witzke (22) oder Linksaußen Lukas Mertens (25) wurden nach Lichtblicken ebenfalls früh vom Virus ausgebremst.

DHB-Sportvorstand Axel Kromer bekannte am Tag nach dem 21:25 gegen Schweden und angesichts der neuesten Corona-Fälle: „Mir tut es für jeden leid, Trainer inklusive, dass es nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Die EM sei eine „Grenzerfahrung“. Beste Beispiele: Das irre Corona-Hin-und-her um Christoph Steinert (32). Oder das Blitz-Comeback von Johannes Bitter (39), der seine DHB-Karriere nach Olympia beendet hatte.

Das könnte Sie auch interessieren: „Kriege keine Luft mehr“: Corona stoppt deutschen Handballer im Spiel

Ob es richtig gewesen sei, die EM angesichts der zu erwartenden Häufung von Corona-Fällen überhaupt durchzuführen, wollte Kromer kurzfristig „nicht bewerten“, sondern erst nach der EM Stellung nehmen. Es gibt so einiges aufzuarbeiten.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp