Trainer Jos Luhukay beim Spiel gegen den VfL Bochum
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Kommentar: Es ist nicht die Zeit für Luhukays Experimente beim FC St. Pauli

Von Abstiegskampf will Jos Luhukay partout nichts wissen. Dabei punktet seine Mannschaft seit dem Re-Start der Liga wie ein Abstiegskandidat und hat ein Torverhältnis wie ein kommender Drittligist. Dass nach vier Spielen ohne Sieg noch nicht die Alarmstufe Rot herrscht, hat der FC St. Pauli ausgerechnet Dynamo Dresden und Luhukays Vorgänger namens Kauczinski zu verdanken. Die immer noch fünf Punkte Vorsprung auf Platz 16 sind nicht selbst erarbeitet oder verdient, sondern Resultat anderer Ergebnisse. Ein parasitäres Polster. Ein trügerisches dazu.

Der Abstand verschleiert den sportlichen Absturz und die spielerische Degeneration. Der Trend ist St. Paulis Feind und die Ignoranz der Dynamik ein gefährliches Spiel. Das gilt auch für die Signale, die der Coach mit seinen immer umfangreicheren und gewagteren Personalwechseln nach außen und nach innen sendet. Sie sorgen längst auch intern für Stirnrunzeln.

FC St. Pauli: Luhukays Debütanten mussten mit Krämpfen ausgewechselt werden

Obwohl St. Pauli in der Krise steckt und mit 35 Punkten längst noch nicht gerettet ist, ließ Luhukay in Bochum mit Marvin Senger und Christian Viet zwei Nachwuchsspieler in der Zweiten Liga debütieren, die den Anforderungen der Spielklasse körperlich noch nicht gewachsen sind. Das ist kein Vorwurf an die Spieler, die ihr Bestmögliches gegeben haben. Es spricht jedoch Bände, wenn Luhukay die Auswechslung der Novizen mit Krämpfen begründet. Das verstärkt nur noch den Schlag ins Gesicht etablierter Kräfte, die nur auf der Bank saßen, wie Marvin Knoll oder Rico Benatelli. Beide hatten zuletzt nicht überzeugt, gar enttäuscht. Andererseits riskiert der Trainer, gestandene Spieler zu brüskieren und zu demotivieren, die möglicherweise an den letzten Spieltagen die Kohlen aus dem Feuer holen müssen, wenn es hart auf hart kommt und Erfahrung gefragt ist.

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FC St. Pauli: Resultate und Leistungen sprechen gegen Luhukay

Luhukay wird seine Gründe für die personellen Maßnahmen haben. Wie plausibel, sei dahingestellt. In dubio pro Coach, meinetwegen. Nur: Weder das Resultat noch die gezeigte Leistung der Mannschaft in Bochum geben ihm recht. Jetzt ist nicht die Zeit für personelle Experimente und Schnupperkurse für Talente und auch nicht für irgendwelche Denkzettel. Kein Stammplatz sei sicher, lautet Luhukays jüngste Botschaft. Es gehe nicht nach Namen und Status, sondern allein nach Leistung. Recht hat der Mann, der seine Spieler in die Pflicht nimmt. Nur sollte dieses Leistungsprinzip den Trainer mit einschließen.

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