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Jonas Boldt und Steffen Baumgart umarmen sich vor dem HSV-Spiel in Paderborn
  • Werden Jonas Boldt (l.) und Steffen Baumgart den HSV in sein siebtes Zweitliga-Jahr führen?
  • Foto: WITTERS

„Vernünftig planen“: HSV-Trainer Baumgart spricht über nächste Saison – bleibt er?

Vergangene Saison war der Nichtaufstieg erst nach dem Relegationsrückspiel gegen den VfB Stuttgart gewiss. 2021/22 ebenfalls, damals gegen Hertha BSC. Jetzt hat der HSV bereits am 33. Spieltag Planungssicherheit, weiß, dass es ein siebtes Zweitliga-Jahr geben wird – und spricht in Person von Steffen Baumgart bereits von der Spielzeit 2024/25. Der Trainer präsentierte sich nach dem Ende aller Rest-Aufstiegshoffnungen angriffslustig und sprach von einem Vorteil. Dabei ist seine eigene Zukunft genauso unklar wie vieles andere.

Den entscheidenden Satz sagte Baumgart, als in etwa die Hälfte der Pressekonferenz bereits rum war. „Beim Aufstieg um die Bundesliga bist du raus.“ Also der HSV. Wieder mal. Zum sechsten Mal. Und es ist klar, dass es einen siebten Anlauf geben wird – aber noch offen, wie groß der Umbruch ausfallen wird. Im Kader, mehr denn je auf der Position des Sportvorstands. Und auf dem Trainerposten, den Baumgart erst seit dem 20. Februar innehat. Auch übers Saisonende hinaus?

HSV-Trainer Baumgart: „Ich möchte mit dem Verein hoch“

Der 52-Jährige lässt keinen Zweifel an seinen Absichten. „Ich möchte gerne mit diesem Verein hoch“, sagte Baumgart nach dem 0:1 in Paderborn bei Sky. „Wir haben es dieses Jahr nicht geschafft.“ Aber, und mit dieser Aussage positionierte sich der Coach eindeutig: „Ich möchte dann im nächsten Jahr klar angreifen. Ich habe meine Ansätze, die ich haben will, um dann wirklich diesen Weg zu gehen.“

Zweifelsfrei waren besagte Baumgart’sche Ansätze, also die Ideen, mit welchem Fußball er den HSV in die Bundesliga führen möchte, zuletzt wöchentlich besser zu erkennen. Das 4:0 in Braunschweig war seriös und das Resultat einer Leistung, die man von einem Aufstiegskandidaten erwarten darf, ja muss. Dem folgenden 1:0 gegen den FC St. Pauli lag ein Matchplan zugrunde, der laut den Profis perfekt aufgegangen sei. Im Alles-oder-Nichts Spiel beim SC Paderborn gab Baumgart seiner Mannschaft nun aber nicht das richtige Rezept mit auf den Weg. Keine sichtbaren Kernmerkmale seiner Philosophie. Kein Fortschritt. Nur Stillstand. Ausgerechnet in dieser Partie.

Baumgart gibt sich nach dem Aufstiegs-Aus selbstkritisch

„Man muss sagen“, gestand dann auch der Trainer, „dass wir, seitdem ich da bin, mindestens zwei, drei Spiele liegen gelassen haben.“ Die Kritik Baumgarts, in die er sich selbst einschließt: „Das darf nicht passieren.“ Das 1:2 gegen den feststehende Absteiger VfL Osnabrück ist aber genauso passiert wie das 0:2 bei der Fortuna aus Düsseldorf, die sich nun auf dem Sofa mit ansehen durfte, dass ihr Relegationsplatz drei nicht mehr zu nehmen ist – weil dem HSV eben auch der Bauchklatscher an der Pader passierte. „Es ist genau der falsche Zeitpunkt, darüber müssen wir nicht reden“, unterstrich der Coach.

Baumgart, der schon in der Winterpause verpflichtet hätte werden können, als Alleinschuldigen für das abermalige Scheitern auszumachen, wäre vermessen. „Es war nicht alles gut, seitdem ich da bin“, räumte er auf der Pressekonferenz ein, sagte aber eben auch zu Recht: „Es war auch vorher einiges nicht gut.“ Baumgarts Folgerung ist diese: „Wir wollen die richtigen Schlüsse aus der Saison ziehen – und das ist die gesamte Saison.“ Inklusive der restlichen Amtszeit von Tim Walter, der den HSV nach dem 22. Spieltag auf dem dritten Rang hinterlassen hatte.

HSV hat jetzt Planungssicherheit – aber nutzt er sie auch?

Baumgart wird ihn aller Voraussicht nach auf Platz vier ins Ziel bringen – und auch in der kommenden Saison wieder anführen? „Im Gegensatz zu den Zeiten vorher kann der HSV vielleicht von Anfang an gleich vernünftig planen – und nicht erst drei Wochen, nachdem die Saison vorbei ist“, hielt er fest. „Vielleicht hilft uns das.“

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Das Szenario des Nichtaufstiegs hat sich seit drei Wochen angedeutet. Schon nach dem 0:1 gegen Kiel, das dem HSV trotz zeitweiser Überlegenheit ebenfalls passierte, sprach Robert Glatzel von „einem Wunder“, das nur noch helfen würde. Es war abzusehen, dass ein solches ausbleiben würde – weil die Konkurrenten das an den Tag legten, was dem HSV auch unter Baumgart abging: Konstanz in den Ergebnissen. Und in der Leistung, die viel zu selten auf dem hohen Niveau war, das der HSV nur situativ hatte, zum Beispiel im Stadtderby. Die Siege gegen Braunschweig und St. Pauli bedeuteten die ersten beiden Erfolge in zwei aufeinanderfolgenden Wochen seit dem 4./5. Spieltag.

Baumgarts Verbleib hängt an dem von HSV-Vorstand Boldt

Sie sind am Ende aber wenig wert – mit Ausnahme einer versöhnlichen Stimmung unter den Fans. Der Anhang hatte sich schon nach dem Derbysieg deutlich positioniert, auf der Nordtribüne stand geschrieben: „Identität und Konstanz, statt große Namen und einfache Lösungen. Strippenzieher entmachten, Kühne verpiss dich.“ Kontinuität beim HSV würde bedeuten: Jonas Boldt bleibt Vorstand und darf in eine sechste Saison im Volkspark gehen – gemeinsam mit Baumgart, an dem der 42-Jährige festhalten würde.

Der Aufsichtsrat, der sich in Gesprächen befindet, ohne bisher eine finale Entscheidung über Boldt getroffen zu haben, ist am Zug. Spätestens jetzt, da endgültige Gewissheit über die Liga-Zugehörigkeit besteht. Andernfalls würde die von Baumgart angesprochene Möglichkeit, den Kader und die allgemeine Ausrichtung nun frühzeitig „vernünftig planen“ zu können (siehe oben), verpuffen. Wenn sie nicht jetzt schon teilweise verpufft ist angesichts des Zögerns von Michael Papenfuß und Co. Weil eben nicht klar ist, wer die sportlichen Geschickte künftig leiten soll.

Boldt selbst sprach am Freitagabend nicht. Dafür aber Baumgart, dessen HSV-Zukunft an der seines Vorgesetzten hängt. „Ich glaube, dass wir uns nächstes Jahr wiedersehen“, sagte der Trainer, schon in Gedanken an die nächste Saison. „Und ich glaube, dass wir gestärkt aus der Situation herauskommen. Ich auf jeden Fall.“

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