Beim Derby zwischen dem HSV und St. Pauli waren 2000 Fans im Volkspark dabei.
  • Beim Derby zwischen dem HSV und St. Pauli waren 2000 Fans im Volkspark dabei.
  • Foto: WITTERS

So will der HSV 30.000 Fans in den Volkspark lassen

Geduld ist gefragt. Während einige Bundesländer, wie Bayern und Baden-Württemberg, ab sofort eigenständig mehr Fans zu Sportveranstaltungen zulassen, stellt sich Hamburgs Senat quer. Maximal 2000 Anhänger dürfen vorerst zu den Heimspielen des HSV und des FC St. Pauli kommen. Im Volkspark regt sich Widerstand. Schon zum Auftritt gegen Heidenheim (12.2.) hofft der Verein auf eine höhere Zahl.

Zumindest in Bezug auf ihre nationale Bedeutung schwimmen sie immer noch im Teich der Großen mit. Erst kürzlich erhielten die HSV-Bosse hohen Besuch aus der Bundesliga, Dortmunds Vorstandsboss Hans-Joachim Watzke schaute vorbei und suchte den Austausch mit den Hamburger Vorständen Thomas Wüstefeld und Jonas Boldt. Eines der Kernthemen des Treffens: Wie können die Vereine gemeinsam gegen die Fan-Beschränkungen der Politik vorgehen? Welche Möglichkeiten bieten sich an, sich zur Wehr zu setzen?

Boldt und Wüstefeld trafen sich mit BVB-Boss Watzke

Watzke zählt, wie auch seine Kollegen aus Leipzig und Köln, zu den Hardlinern. Der BVB kündigte gerade erst an, rechtliche Schritte zu prüfen, um gegen die für Nordrhein-Westfalen geltende Obergrenze von 750 Fans vorzugehen. Davon will der HSV trotz maximalem Frusts absehen. „Wir versuchen zu reden und Lösungen zu finden“, sagt Wüstefeld, der sich diesbezüglich bereits mit Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) austauschte. Für den HSV-Boss ist klar: „Ich versuche es sachlich zu klären und zu hinterfragen. Aber es gibt vieles, das schwer nachzuvollziehen ist.“ Und weiter: „Ich habe leider bislang noch keine plausible Auskunft bekommen, wie die Zuschauerzahlen entstehen und inhaltlich argumentierbar sind.“


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Der HSV hofft zügig auf neue Ansagen der Politik. „Wir trauen uns 25.000 bis 30.000 Zuschauer zu, ohne dass es ein gesundheitliches Risiko gibt“, erklärt Wüstefeld, der vor drei Wochen Frank Wettstein als HSV-Vorstand ersetzte. „Diese Zahl ist nicht gewürfelt“, sie sei unter Berücksichtigung sämtlicher Hygienekonzepte und Sicherheitsmaßnahmen „genau durchgerechnet. Das kriegen wir hin.“

Stadt Hamburg will bei 2000 Fans bleiben

Kaum denkbar allerdings, dass der Senat so schnell umschwenken wird. Erst am Dienstag verwies Sprecher Marcel Schweitzer auf die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz und stellte klar: „Hamburg bleibt bei der verabredeten MPK-Linie.“

Völlig offen, ob sich bis zum Heidenheim-Heimspiel noch etwas tut. Auch deshalb sagt Wüstefeld mit Blick auf die teilweise hundertprozentige Belegung von Zuschauerrängen im Ausland: „Wir schauen hochgradig neidisch nach England oder Spanien.“ Denn dem HSV gehen mit jedem Heimspiel unter den geltenden Regeln bis zu 1,5 Millionen Euro durch die Lappen. Der finanzielle Kollaps soll dem HSV allerdings auch weiterhin nicht drohen.

Wüstefeld schwärmt vom HSV-Job

Abgesehen vom Corona-Frust bereitet Wüstefeld sein neuer Job große Freude. Der 53-Jährige arbeitet kräftig an seinem Netzwerk, tauschte sich zuletzt nicht nur mit Watzke, sondern anlässlich des Pokalspiels in Köln auch intensiv mit FC-Boss Alexander Wehrle aus. Seine eigentlichen Jobs lässt der Unternehmer (u.a. „sanaGroup“) weitestgehend ruhen: „Ich verbringe meine gesamte Zeit im Volkspark, darauf liegt mein Haupteigenmerk.“

Ein Jahr lang soll Wüstefeld beim HSV Vorstand sein, ehe der Aufsichtsrat einen Nachfolger präsentiert. Für seinen Verein wünscht er sich den Aufstieg und finanzielle Stabilität: „Ich hoffe, dass wir die schwarze Null, die wir in den letzten zehn Jahren verpasst haben, mittelfristig erreichen können.“

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Sollte der Aufstieg auch diesmal nicht gelingen, mahnt Wüstefeld: „Dann wäre es umso wichtiger, dass wir unseren Weg weiter verfolgen und in zeitnaher Zukunft soweit sind, dass wir in der Ersten Liga wunderbar bestehen können.“

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