Tim Walter im HSV-Training mit Neuzugang Javi Montero
Tim Walter im HSV-Training mit Neuzugang Javi Montero
  • Tim Walter war ausschlaggebend für Javi Monteros Wechsel zum HSV.
  • Foto: WITTERS

Montero verrät: Darum spiele ich jetzt für den HSV

Sie waren heilfroh, als die Nummer endlich durch war. Auf allzu viel Firlefanz und großes Brimborium wurde kein Wert gelegt, Javi Montero unterschrieb seinen HSV-Leihvertrag an einem eher schmucklosen runden Holztisch im Hotelzimmer. Glänzen soll der neue Innenverteidiger, der zunächst bis Sommer von Besiktas Istanbul gekommen ist, vornehmlich auf dem Feld, als Ersatz des wegen Dopings gesperrten Mario Vuskovic (21).

Wo er denn eigentlich gelandet ist, erfuhr Montero recht zügig. Nur wenige Minuten waren während seiner ersten Trainingseinheit am Montag absolviert, da wurde es laut auf dem Platz. Tim Walter war in großer Form, der 47-Jährige zählt zu der Sorte Trainer, die ihrer Mannschaft gehörig die Meinung geigen können, wenn ihm etwas nicht passt. So einen Tag erlebte Montero bei seiner Premiere in Sotogrande.

Die Erleichterung, endlich da zu sein, ist ihm kurz darauf dennoch anzumerken. „Buenos Días“, grüßt Montero die anwesenden Hamburger Journalisten und man kann sicher sein: Er meint das auch so. Der Spanier strahlt. Bereits am Samstag schwebte der 24-Jährige aus Istanbul in Sotogrande ein, seine Berater waren da noch mitten in den Verhandlungen mit dem HSV. Am frühen Sonntagabend hieß es dann: Deal done! Die Kosten: zunächst überschaubar. Hamburg übernimmt Monteros Gehalt, das er bis zum Saisonende bei Besiktas eingestrichen hätte (rund 400.000 Euro). Schlägt er ein, kann der HSV ihn per Option für 2,5 Millionen Euro kaufen.

Kontakt zwischen Montero und dem HSV schon im Dezember

Öffentlich wurde das Hamburger Interesse an Montero Mitte vergangener Woche. Tatsächlich aber baggerte der HSV schon deutlich länger an ihm. „Kurz vor Weihnachten hatten wir erstmals Kontakt“, bekennt der Abwehrmann. „Da gab es ein paar Telefonate.“ Vor allem einer beeindruckte Montero – derjenige, auf den es für ihn ankam: „Das Gespräch mit Tim Walter hat mich begeistert. Danach war klar, dass ich zum HSV kommen wollte.“

Nun ist er da und sagt gleich mal, wo es langgeht. Dass ausländische Spieler mitunter etwas forschere Töne anschlagen, ist normal. Montero brauchte dann auch nicht lange, sich dem in dieser Spielzeit gültigen Sprachgebrauch beim HSV anzupassen. „Das Ziel ist es natürlich aufzusteigen“, sagt er im Brustton der Überzeugung. Si, claro!


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Um dabei helfen zu können, braucht er Walter. In Kürze wird der Trainer ihm die komplexe Spielform anhand von Videos genau erklären. Bereits am ersten Trainingstag nahm er sich Zeit für Montero und korrigierte dessen Bewegungsabläufe. Um das Feintuning zu beschleunigen, verpasste der HSV Montero in Sotogrande mit Keeper Daniel Heuer Fernandes (30) gleich mal einen Zimmerpartner, mit dem er sich auch auf dem Platz häufig abstimmen muss. Der Keeper spricht Portugiesisch, die Verständigung funktioniert.

Monteros Stärke ist das Spiel mit Ball

Was aber können die Fans von Montero erwarten? „Meine Stärken liegen am Ball“, sagt er. Das deckt sich in etwa mit der ‚Einschätzung zahlreicher Besiktas-Fans, die ihm in Fan-Formen ein, vorsichtig formuliert, gewisses Entwicklungspotenzial in der Zweikampfführung attestierten.

Dabei ist Monteros Vorbild einer, der extrem über den Willen kommt: Diego Gódin (36), Ex-Zweikampfmaschine von Atlético Madrid, wo Montero 2018 zum Profi wurde. „Er war als Kapitän und als Mensch 1A“, stellt der HSV-Zugang fest. „Er hat mir viel geholfen und als älterer Spieler viel Vertrauen gegeben.“ Das gelte auch für Trainer-Legende Diego Simeone (52): „Er ist großartig! Alles, was er tut, kommt aus tiefstem Herzen.“

Kommt Monteros Familie mit nach Hamburg?

Erst Atlético, dann ab 2020 Besiktas. Nun der HSV. „Den Verein kenne ich schon seit Ewigkeiten“, sagt Montero. Als er zum Jugendlichen reifte, war der HSV Dauergast in Europa. Nun will er selbst dafür sorgen, dass die Zeiten wieder besser werden.

Aber wie lange denn nun eigentlich? Da wird er dann wortkarg. „Wir werden sehen“, sagt Montero angesichts seiner ungeklärten Vertragslage. Auch deshalb steht noch nicht fest, ob Gattin Marta mit den beiden Kindern Antonella (zwei Jahre alt) und Fabio (wurde im Dezember geboren) schon bald dauerhaft nach Hamburg nachkommt oder erstmal nur zu Besuch: „Das wird sich alles noch klären.“

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Erstmal Fußball. In einem Stadion, das Montero mit besten Erinnerungen verbindet. 2010 gewann Atlético im Volkspark das Finale der Europa League gegen Fulham (2:1) da war der kleine Javi elf und jubelte daheim vor dem Fernseher. Er erinnert sich gern daran. Nun wird der Volkspark zu seiner Heimat. Ein ziemlich guter Ort, um nach schweren Monaten in der Türkei wieder in die Spur zu finden.

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