Jonas Boldt und Michael Mutzel
  • Die HSV-Bosse Jonas Boldt und Michael Mutzel im Volksparkstadion
  • Foto: WITTERS

Machtkämpfe der Bosse: Gilt „Nur der HSV“ nicht mehr?

Der erneute Nicht-Aufstieg war soeben besiegelt, gerade erst hatten sich Mannschaft und Trainerteam am späten Montagabend unter tosendem Applaus von den HSV-Fans auf der Nordtribüne bedankt, da erklang im Volksparkstadion die „Abschlach“-Hymne „Wir sind der HSV“. Es fiel nicht leicht, doch viele Anhänger rafften sich trotz aller Enttäuschung irgendwann auf, stimmten mit ein und brüllten am Ende des Songs die letzte Liedzeile in den Hamburger Nachthimmel: „Nur der HSV!“

Das ist sie, die Marschroute, mit der ein überwiegendes Gros der Fans dem Verein auch künftig die Treue halten wird. Wen sie sich dabei an vorderster Front – in diesem Fall an der Seitenlinie – wünschen, machten die unzähligen „Tim Walter“-Sprechchöre mehr als deutlich. Jonas Boldt hatte dem HSV-Trainer in der Vergangenheit ohnehin immer den Rücken gestärkt, am Tage nach der Niederlage im Relegations-Rückspiel gegen Hertha BSC folgte dann sein Vorstands-Kollege Dr. Thomas Wüstefeld, der sich dafür aussprach, in „dieser Konstellation in die neue Saison“ gehen zu wollen. Und was sagt der Aufsichtsrat?

HSV: Weiter Schweigen nach dem Bosse-Gipfel

Dass seit der Sitzung zwischen Kontrollgremium und Vorstand am Mittwochabend nichts Offizielles an die Oberfläche getreten ist, lässt offenkundig Raum für Spekulationen. Denken und handeln derzeit wirklich alle beteiligten Protagonisten ausschließlich im Sinne des Vereins, getreu dem Motto: „Nur der HSV“ – oder geht es auch um persönliche Befindlichkeiten?


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Eine Frage, die wohl erst einmal unbeantwortet bleibt. Gleichwohl weiß jeder Akteur, was in seiner Macht liegt. Der Aufsichtsrat kann den Trainer (Vertrag bis 2023) nicht freistellen, bewertet lediglich die Arbeit der sportlichen Führung – und damit primär die von Walters Unterstützer Boldt. Die Trainer-Frage stand daher per se erst einmal nicht im Vordergrund – weil sich die Vorstände klar positioniert haben.

Boldt, Wüstefeld, Jansen: Machtkämpfe beim HSV?

Kritischer Austausch: ja. Schließlich geht es um die Zukunft des Vereins, der im fünften Jahr in Folge in Liga zwei auflaufen wird. Der Anlass des Gipfels wurde schließlich auch nicht umsonst mit „eingehende Saisonanalyse“ betitelt. Die zitierten Machtkämpfe aber, sofern sie denn wirklich stattfinden, würden die Volkspark-Prämisse des Zusammenhalts untergraben.

Drängt Boldt auf eine Verlängerung seines 2023 auslaufenden Vertrags, um in starker Position zu bleiben? Will Wüstefeld, der eigentlich nur interimsweise vom Aufsichtsrat in den Vorstand berufen wurde, übers Jahresende hinaus im operativen Geschäft bleiben, um seine Reformpläne durchzusetzen?

Welche Absichten hat Aufsichtsratsboss Jansen?

Wird mit Sportdirektor Michael Mutzel derjenige in Frage gestellt, auf dessen Kappe die Transfers von Robert Glatzel, Ludovit Reis, Mario Vuskovic sowie Sebastian Schonlau gehen – und der die Verträge mit Anssi Suhonen und Josha Vagnoman verlängert hat?

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Und welche Absichten hat Marcell Jansen? Beim Benefiz-Spiel für die Ukraine am Samstag wird sich der Aufsichtsratschef erstmals wieder der Öffentlichkeit zeigen – und auch äußern? An Christi Himmelfahrt dankte Jansen den Fans auf Twitter für den „wahnsinnigen Support“ in der abgelaufenen Saison – und schrieb darunter einen Hashtag: „nurderHSV“.

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