Kuntz sah „rotwürdiges“ St. Pauli-Foul – Polzin rüffelt HSV-Sünder
Auf die Schiedsrichterentscheidungen wollten die HSV-Verantwortlichen die Niederlage gegen den Kiezklub nicht schieben. Das wäre auch unangebracht gewesen – zumal das Foul von Andréas Hountondji an Jordan Torunariha, in dessen Folge das 2:0 für St. Pauli schon viel früher hätte fallen können, keines war (25.). Zu zwei bis drei Szenen, die Christian Dingert so bewertete, wie er es tat, äußerten sich Merlin Polzin und Stefan Kuntz nach der Derbypleite aber trotzdem.
Eines schob Polzin auf der Pressekonferenz vorweg: „Wir wären ein schlechter Verlierer, wenn wir uns darauf beschränken würden“, sagte der HSV-Trainer – und meinte den Platzverweis für Giorgi Gocholeishvili in der 77. Minute. Spätestens da war klar: Die Hausherren würden die Partie gegen den Stadtnachbarn nicht mehr drehen.
„Das zieht uns den Stecker“, befand Nicolai Remberg. Der HSV war in der Schlussphase nur noch zu zehnt, weil sich Gocholeishvili wegen eines taktischen und zugleich rüden Fouls an St. Pauli-Stürmer Mathias Pereira Lage seine zweite Gelbe Karte abholte.
HSV-Profi Gocholeishvili kassierte im Stadtderby Gelb-Rot
Dieses Vergehen des Rechtsverteidigers legte Polzin, der die verdiente Niederlage ohnehin anerkannte, auch nicht auf die Goldwaage. „Wenn wir uns am Ende mal eine Gelbe Karte holen durch einen Einsatz in einem Zweikampf, dann ist es absolut vertretbar und gehört zum Fußball dazu“, ordnete der HSV-Trainer Gocholeishvilis Foul ein. Polzin ärgerte sich aber über die Art und Weise, wie der Georgier seine erste Verwarnung kassiert hatte: In der ersten Hälfte hatte sich Gocholeishvili gestenstark beim Linienrichter über eine Einwurfentscheidung beschwert (26.), was Hauptreferee Dingert entsprechend ahndete.

Für diese Unsportlichkeit rüffelte Polzin die Leihgabe von Schachtar Donezk: „Wenn es so ist wie bei seiner ersten Gelben Karte, dann sollten wir uns in der Kommunikation mit den Schiedsrichtern einfach verbessern, um solche Situationen zu verhindern.“ Gocholeishvilis unnötige erste Verwarnung wurde ihm und dem HSV schließlich zum Verhängnis. Der personell dezimierte HSV konnte St. Pauli nach der Ampelkarte noch weniger als ohnehin schon wehtun. Hinzu kommt: Nach der Länderspielpause wird Gocholeishvili auswärts beim FC Bayern fehlen (13. September). Profitieren könnte William Mikelbrencis, der erste Vertreter auf der rechten Schienenspielerposition.
Pyrka foulte Capaldo – HSV-Boss Kuntz war „verwundert“
Stefan Kuntz sprach nach dem 0:2 derweil noch eine andere knifflige Szene an: In der 54. Minute hatte St. Paulis Außenverteidiger Arkadiusz Pyrka den Hamburger Kapitän Nicolás Capaldo mit offener Sohle auf der Höhe seines Knöchels getroffen. Der Argentinier krümmte sich vor Schmerzen, musste anschließend behandelt werden. Pyrka, der die Gelbe Karte sah, hatte sich den Ball unter Gegnerdruck zu leicht vorgelegt – zur Wahrheit gehört aber auch, dass er das Spielgerät zunächst berührte und nicht nur Capaldo danach.

Kuntz hätte sich aus HSV-Sicht dennoch zumindest einen VAR-Einsatz gewünscht: „Das war schon ein rotwürdiges Foul, das ich da gesehen habe“, sagte der Sportvorstand bei Sky. „Ich war ein bisschen verwundert, dass das zumindest nicht mal überprüft wurde.“ Besonders bitter: Wenige Minuten nach Pyrkas Foul samt Verwarnung erhöhte St. Pauli durch Hountondji auf 2:0 (60.).
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Auch Kuntz wollte seinen Standpunkt aber nicht so verstanden wissen, dass er nach Ausreden sucht: „St. Pauli hat verdient gewonnen“, gestand der 62-Jährige ein. „Da brauchen wir jetzt gar nicht herumzumakeln.“ Die Niederlage habe gezeigt, dass man noch viel lernen müsse. Das gilt für Rotsünder Gocholeishvili – und den ganzen HSV.
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