„Die waren mehr am Boden als wir“: HSV-Kapitän weist Derby-Vorwurf zurück
An intensiven Duellen mangelte es im 112. Hamburger Stadtderby nicht. Bei St. Pauli sahen Adam Dzwigala (7.) und Arkadiusz Pyrka (54.) für jeweils harte Tacklings gelb, Danel Sinani zudem wegen eines Ellbogen-Treffers im Gesicht von Miro Muheim (37.). Aufseiten des HSV brachte Yussuf Poulsen Manolis Saliakas zu Fall (64.) und Giorgi Gocholeishvili, der dafür vom Platz flog, Mathias Pereira Lage (77.). Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die mit 0:2 unterlegenen Hausherren verbuchten von der reinen Anzahl her sogar mehr gewonnene Zweikämpfe. Ohne diese Statistik bereits zu kennen, wies Poulsen einen Vorwurf an seine Mannschaft nach Abpfiff zurück.
Dass der Kiezklub robuster agiert habe als der HSV? Sah der dänische Stürmer überhaupt nicht so. „Wir waren nicht weniger leidenschaftlich in den Zweikämpfen, sondern genauso wie St. Pauli“, konterte Poulsen in der Mixed Zone eine entsprechende Frage. Der 31-Jährige befand gar: „Wenn man sich das Spiel anschaut, waren die mehr am Boden als wir. Wir waren nicht die, die sich hingelegt haben. Daher weiß ich nicht, was Leidenschaft heißen soll.“
HSV-Profi Poulsen: „Waren nicht weniger leidenschaftlich“
Unstrittig ist, dass der HSV diese Leidenschaft vor allem in der Anfangsphase an den Tag legte. Jordan Torunarigha riss die Fans schon in der 5. Minute mit einer erfolgreichen Grätsche von den Sitzen. Laut der offiziellen Bundesliga-Statistik entschieden die Gastgeber im ganzen Spiel mehr Duelle für sich (HSV: 109; FC St. Pauli: 95), der individuell beste Zweikämpfer war mit Muheim (14 siegreiche Duelle; Danel Sinani bei St. Pauli: zwölf) ebenfalls ein Hamburger. Den Daten des Dienstleisters „Opta“ zufolge war der HSV vor allem in der Luft zweikampfstärker: 71 zu 29 Prozent gewonnene Duelle.

„Robuster heißt ja auch mit mehr Power“, erklärte Poulsen und wies den Vorwurf zurück, weil er diese Power bei seinem Team erkannt hatte – etwa bei Alexander Røssing-Lelesiit. Er habe mehrfach gesehen, wie der 18-jährige Norweger den groß gewachsenen St. Pauli-Verteidigern um Hauke Wahl „auf den Arsch“ gefallen sei. Der körperlich unterlegene Røssing-Lelesiit warf sich tatsächlich in viele Duelle rein, agierte dabei aber bisweilen zu übermütig und unclever. Dennoch: Am grundsätzlichen Willen, dahin zu gehen, wo es wehtun kann, lag es aus Sicht des HSV nicht.
Smiths Trikotzupfer bei Muheim zu wenig für HSV-Elfmeter
Poulsen hatte Saliakas sogar mehr oder weniger absichtlich gefoult (64.), um die Überprüfung einer Strafraumszene zu bewirken. Das kurze Trikotzupfen von Eric Smith an Muheim sah aus seinem Blickwinkel auf dem Spielfeld „klar wie ein Elfmeter aus“, beschrieb der HSV-Kapitän im Nachgang. „Deshalb wollte ich ihn (Saliakas; d. Red.) hinlegen, um das Spiel zu stoppen. Denn manchmal checken die (Schiedsrichter; d. Red.) es nicht richtig durch, wenn das Spiel weiterläuft.“ Das wollte Poulsen vermeiden. Sein Foul inklusive Verwarnung nützte schließlich aber auch nichts – denn Schiedsrichter Christian Dinger sah sich die Szene, zu Recht, nicht noch mal selbst am VAR-Bildschirm an.
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Beim HSV war man sich nach der Derbypleite ohnehin einig: Sie war weder auf Schiedsrichterentscheidungen zurückzuführen noch auf fehlende (Zweikampf-)Intensität im eigenen Spiel. Schuld an dem Ergebnis waren zwei unaufmerksame Momente in der Defensive – und vor allem die mangelhafte „Durchschlagskraft“ in der Offensive, wie es Nicolai Remberg formulierte: „Wir haben uns gut freigespielt, aber viele Torabschlüsse hatten wir nicht. Und wir waren auch nicht oft in der Box.“ Viele intensive Zweikämpfe hin oder her: „Dann gewinnst du dieses Spiel nicht.“
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